Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 197595
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2019 9:37:00 AM
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Bekanntschaft mit dem Qur’an (11)

Freitagsansprache von 07.12.2018
von Hujjat ul-Islam Dr. Mofatteh

 Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Wohin werde ich nach der Beendigung meines Lebens in dieser Welt gehen? Wie wird mein Schicksal nach dem Tod sein?


Mit dieser Frage beschäftigen sich die Menschen seit dem Beginn der Geschichte. Verschiedenste Antworten wurden auf ihr gegeben. Einige glauben, dass man nach dem Tod im Körper eines anderen Lebewesens wiedergeboren wird. Demnach waren wir alle bereits vorher im Körper anderer Menschen am Leben gewesen und wechseln fortlaufend unsere Körper nach dem Tod und beginnen stets ein neues Leben. In einigen Kulturen genießen Tiere, bspw. Mäuse, eben aus diesem Grund eine besondere Achtung, da sie als Wiedergeburt von anderen Menschen, u.a. von Familienangehörigen, betrachtet werden. Solcherlei Vorstellungen sind natürlich unserer Auffassung nach unhaltbar. Was hinter diesen abwegigen Philosophien steckt, ist der Glaube des Menschen an die Ewigkeit und Beständigkeit. Dem Menschen ist es von Natur aus nicht passend, dass mit dem Tod alles sein jähes Ende fände. Der Glaube an die Ewigkeit hingegen ist uns Menschen instinktiv in die Wiege gelegt worden. So heißt es auch in einer Überlieferung vom barmherzigen Propheten, der Friede und Segen Gottes seien mit ihm und seiner reinen Familie: „Ihr wurdet nicht für die Vergänglichkeit erschaffen, sondern für die Beständigkeit. Und ihr werdet (mit dem Tod) nur von einem Haus ins‘ nächste gebracht.“ [1]

Dies zeugt eben von jener Hoffnung des Menschen auf ein ewiges Leben, welches seit Menschengedenken vorhanden ist. Der Teufel versucht dadurch den Menschen zu verführen. So heißt es im heiligen Qur’an:

„Da flüsterte ihm der Satan ein, er sagte: «O Adam, soll ich dich auf den Baum der Ewigkeit hinweisen und auf eine Königsherrschaft, die nicht vergeht?»“ [2]


Die Auferstehung und die Welt nach dem Tod

Die erste Serie an Versen, die dem barmherzigen Propheten offenbart wurde, handelt größtenteils über die Auferstehung und die Welt nach dem Tod. Verse wie:

„Wenn die Sonne (von einer Hülle) umwunden wird, und wenn die Sterne herabstürzen, und wenn die Berge versetzt werden, und wenn die im zehnten Monat stehenden Kamelstuten vernachlässigt werden, und wenn die wilden Tiere versammelt werden, und wenn die Meere zu einem Flammenmeer werden, und wenn die Seelen zu ihren Partnern gesellt werden, und wenn das Mädchen, das verscharrt wurde, gefragt wird, wegen welcher Sünde es denn getötet wurde?“ [3]

Die Verse des heiligen Qur’an, die über die Auferstehung handeln, sind im Besitz von verschiedenen Bedeutungen:

1.    Der Beweis für die Möglichkeit und das tatsächliche Eintreten der Auferstehung

2.    Die Situation der Himmel und Planeten sowie der Erde und der Erdenbewohner während der Auferstehung

3.    Die Situation der Menschen während der Auferstehung

4.    Die Eigenschaften des jenseitigen Lebens und die Situation der Menschen im Jenseits

Die erste Gruppe an Versen, die die Auferstehung beweisen und die Beweisführung über ihre Leugner abschließen, kann man wiederrum in fünf Bereiche unterteilen:

1.1Verse, die die Tatsache unterstreichen, dass es keinen Beweis für die Nicht-Existenz der Auferstehung gibt. Sie entwaffnen quasi die Leugner.

1.2.    Verse, die auf Phänomene hinweisen, die der Auferstehung ähneln. Sie dienen dazu, dieses Ereignis für uns fühlbar zu machen und dem Gedanken entgegenzuwirken, dass die Auferstehung ein Ding der Unmöglichkeit sei.

1.3.    Verse, die die Zweifel der Leugner hinsichtlich der Auferstehung ausräumen sowie ihr tatsächliches kommendes Eintreten beweisen.

1.4.    Verse, die die Auferstehung als eine unbedingte göttliche Verheißung vorstellen, die zwingend eintreten wird.

1.5.    Verse, die auf den logischen Schluss des Verstandes hinsichtlich der Notwendigkeit der Auferstehung hinweisen.


Somit sind die ersten drei Bereiche der Möglichkeit der Auferstehung zuzurechnen, wohingegen sich die letzten beiden Bereiche damit auseinandersetzen, dass diese Angelegenheit unbedingt und zwingend passieren und geschehen wird. Eines der Methoden, mit denen der heilige Qur’an die Beweisführung über die Leugner der Auferstehung abschließt, erfolgt dadurch, indem er Forderungen an sie richtet, ihre Behauptung zu beweisen. Da sie dies nicht können, soll dadurch zum Ausdruck kommen, dass ihre Überzeugung kein logisches Fundament genießt und aus den Haaren herbeigezogen ist:

„Bringt euren Beweis her, wenn ihr Ehrliche seid.“  [4]

An anderen Stellen weist der heilige Qur’an darauf hin, dass die fehlerhaften Überzeugungen derjenigen, die sie sie vertreten, nicht mit der Wirklichkeit vereinbar sind, sie kein tatsächliches Wissen haben und folglich ihre Theorien auch nicht beweisen können. [5]

Über die Leugner der Auferstehung spricht er:

„Und sie sagen: «Es gibt nur unser diesseitiges Leben. Wir sterben und leben (hier), und nur die Zeit lässt uns verderben.» Sie haben doch kein Wissen darüber, sie stellen nur Mutmaßungen an.“ [6]

Auferstehungs-ähnliche Phänomene

·      Das Wachstum der Pflanzen: Die Wiederauferstehung der Menschen wird mit der Wiederbelebung der Pflanzen nach ihrer quasi Austrocknung und ihrem Tod verglichen. Somit ist eine Besinnung auf dieses Phänomen, welches augenscheinlich wahrgenommen und bezeugt werden kann, hinreichend, um die Wiederauferstehung der Menschen nach ihrem Tod zu beweisen. Dadurch, dass sich die Menschen an dieses Naturphänomen gewöhnt und sie es wiederholt gesehen und bezeugt haben, ist es leider bei vielen ins Hintertreffen und in Vergessenheit geraten. Wenn man sich aber besinnt und sich dieses Phänomen näher betrachtet und darüber nachdenkt, erschließt sich einem, dass tatsächlich kein Unterschied zwischen der Möglichkeit einer Wiederauferstehung der Menschen nach ihrem Tod und der quasi Wiedergeburt der Pflanzen nach ihrem Tod besteht. Der erhabene Gott lenkt wiederholt die Aufmerksamkeit des Menschen auf dieses Phänomen und vergleicht seine Auferstehung mit ihm:

„Schaue auf die Spuren der Gnade Gottes, wie Er die Erde nach ihrem Absterben wiederbelebt. Ein solcher (Gott) kann wahrlich (auch) die Toten wieder lebendig machen. Und Er hat Macht zu allen Dingen.“ [7]

 

·      Der Schlaf der Gefährten der Höhle: Nachdem der heilige Qur’an die wundersame Geschichte der Gefährten der Höhle erzählt, spricht er:

„Auf diese Weise ließen Wir sie entdecken, damit sie wissen, dass das Versprechen Gottes wahr ist und dass an der Stunde kein Zweifel besteht.“ [8]

Ohne Zweifel führt der Bericht über eine solche Tatsache, dass einige Individuen über Generationen hinweg 300 Jahre lang schlafen und anschließend wiedererwachen, dazu, dass die Aufmerksamkeit des Menschen auf die tatsächliche Möglichkeit der Auferstehung gelenkt wird und dass es sich bei dieser Angelegenheit um kein theoretisches Hirngespinst handelt. Während eines normalen Schlafes werden die biologischen Prozesse im Körper des Menschen fortgeführt und die Rückkehr der Seele im Körper wird als nichts Verwunderliches angesehen. Dementgegen müsste der biologische Körper des Menschen nach 300 Jahren Schlaf vollends verwest und vernichtet worden sein und in ihm längst nicht mehr die Kapazität zur Rückkehr der Seele bestehen. Doch dadurch, dass dies mit den Gefährten der Höhle tatsächlich entgegen den normalen Gesetzen der Natur doch geschehen ist, wird die Aufmerksamkeit des Menschen auf eine Welt über unserer Welt gelenkt, in der der Mensch entsprechend der göttlichen Verheißung zwingend wiederauferstehen wird.

·      Die Wiederbelebung einiger Menschen in dieser Welt: Als einer der Propheten der Israeliten auf einer Reise einer Gruppe von Menschen begegnete, die vernichtet wurden, dachte er einen Augenblick darüber nach, wie diese denn wieder zum Leben erweckt werden können. Der heilige Qur’an spricht:

„Oder es ist wie mit dem, der an einer Stadt vorbeikam, die über ihren Dächern verödet war. Er sagte: «Wie kann Gott diese wieder lebendig machen, nachdem sie ausgestorben ist?» Da ließ ihn Gott sterben, hundert Jahre, dann erweckte Er ihn. Er sprach: «Wie lange hast du verweilt?» Er sagte: «Verweilt habe ich einen Tag oder einen Teil von einem Tag.» Er sprach: «Nein, du hast hundert Jahre verweilt. Schau auf deine Speise und deinen Trank, sie sind nicht verfault. Und schau auf deinen Esel. Das ist, damit Wir dich zu einem Zeichen für die Menschen machen. Und schau auf die Gebeine, wie Wir sie aufrichten und sie dann mit Fleisch überziehen.» Als (dies) ihm deutlich wurde, sagte er: «Ich weiß nun, dass Gott Macht hat zu allen Dingen.»“ [9]



[1] Scheich Saduq: Al-I’tiqadat, K. 15, S. 47:

ما خلقتم للفناء بل خلقتم للبقاء، وإنما تنقلون من دار إلى دار

[2] Heiliger Qur’an, Sura Ta Ha (20):120:

فَوَسْوَسَ إِلَيْهِ الشَّيْطَانُ قَالَ يَا آدَمُ هَلْ أَدُلُّكَ عَلَى شَجَرَةِ الْخُلْدِ وَمُلْكٍ لَا يَبْلَى

[3] Heiliger Qur’an, Sura al-Takwir (81):1-9:

إِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ؛ وَإِذَا النُّجُومُ انْكَدَرَتْ؛ وَإِذَا الْجِبَالُ سُيِّرَتْ؛ وَإِذَا الْعِشَارُ عُطِّلَتْ؛ وَإِذَا الْوُحُوشُ حُشِرَتْ؛ وَإِذَا الْبِحَارُ سُجِّرَتْ؛ وَإِذَا النُّفُوسُ زُوِّجَتْ؛ وَإِذَا الْمَوْءُودَةُ سُئِلَتْ؛ بِأَيِّ ذَنْبٍ قُتِلَتْ

[4] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):111:

قُلْ هَاتُوا بُرْهَانَكُمْ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ

[5] Vgl.: Heiliger Qur’an, Suren: al-Mu’menun:117, al-Nisa, 157, al-An’am:100, 119, 148, al-Kahf:5, al-Hadsch:3, 8, 71, al-Ankabut:8, al-Rum:29, Luqman:20, al-Ghafir:42, Zukhruf:20, al-Nadschm:28.

[6] Heiliger Qur’an, Sura al-Dschathiah (45):24:

وَ قالُوا ما هِيَ إِلاّ حَياتُنَا الدُّنْيا نَمُوتُ وَ نَحْيا وَ ما يُهْلِكُنا إِلاَّ الدَّهْرُ وَ ما لَهُمْ بِذلِكَ مِنْ عِلْم إِنْ هُمْ إِلاّ يَظُنُّونَ

[7] Heiliger Qur’an, Sura al-Rum (30):50:

فَانْظُرْ إِلى آثارِ رَحْمَتِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِ الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِها إِنَّ ذلِكَ لَمُحْيِ الْمَوْتى وَ هُوَ عَلى كُلِّ شَيْء قَدِيرٌ

[8] Heiliger Qur’an, Sura al-Kahf (18):21:

وَ كَذلِكَ أَعْثَرْنا عَلَيْهِمْ لِيَعْلَمُوا أَنَّ وَعْدَ اللّهِ حَقٌّ وَ أَنَّ السّاعَةَ لا رَيْبَ فِيها

[9] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):259:

أَوْ كَالَّذِي مَرَّ عَلَى قَرْيَةٍ وَهِيَ خَاوِيَةٌ عَلَى عُرُوشِهَا قَالَ أَنَّى يُحْيِي هَذِهِ اللَّهُ بَعْدَ مَوْتِهَا فَأَمَاتَهُ اللَّهُ مِائَةَ عَامٍ ثُمَّ بَعَثَهُ قَالَ كَمْ لَبِثْتَ قَالَ لَبِثْتُ يَوْمًا أَوْ بَعْضَ يَوْمٍ قَالَ بَلْ لَبِثْتَ مِائَةَ عَامٍ فَانْظُرْ إِلَى طَعَامِكَ وَشَرَابِكَ لَمْ يَتَسَنَّهْ وَانْظُرْ إِلَى حِمَارِكَ وَلِنَجْعَلَكَ آيَةً لِلنَّاسِ وَانْظُرْ إِلَى الْعِظَامِ كَيْفَ نُنْشِزُهَا ثُمَّ نَكْسُوهَا لَحْمًا فَلَمَّا تَبَيَّنَ لَهُ قَالَ أَعْلَمُ أَنَّ اللَّهَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ


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