Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 197593
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2019 12:14:00 PM
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Bekanntschaft mit dem Qur’an (9)


Freitagsansprache von 23.11.2018
von Hujjat ul-Islam Dr. Mofatteh

 Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten




1.        Hinweis auf gute und schlechte Handlungen

Aus der Sicht des heiligen Qur’an sowie des Verstandes sind einige Handlungen gut, wohingegen andere schlecht sind. Das Verhalten des Menschen gegenüber anderen ist manchmal gut und manchmal schlecht. Hier kann die Frage aufgeworfen werden, welche Handlungen gut und welche schlecht sind bzw. was der Maßstab für eine gute bzw. schlechte Handlung ist.

Diese Diskussion wird unter Denkern schon seit langem geführt. Einige vertreten die Auffassung, dass das Merkmal einer ethischen Handlung darin besteht, dass der resultierende Vorteil daraus nicht auf denjenigen, der die Handlung selbst begangen hat, zurückfällt. Gemäß dieser Auffassung wäre das Opfer einer Mutter für ihr eigenes Kind keine moralische Tat, da ihre mütterliche Aufopferung aus Eigeninteresse erfolgt ist, bspw. indem sie ihr eigenes Kind aus einem brennenden Haus rettet und dabei selbst stirbt. Würde sie hingegen das gleiche für das Kind ihres Nachbarn tun, würde dies gemäß dieser Auffassung als eine moralische Handlung zählen, da ihr Opfer einzig der Rettung des Nachbarkindes diente und nicht ihrem Eigeninteresse galt.

Andere haben hierbei anderweitige Definitionen für moralische Handlungen erarbeitet.

Aus den Worten der Fehlerlosen ist zu entnehmen, dass das menschliche Gewissen an und für sich gute und schlechte Handlungen klassifizieren kann. Demnach ist es nicht nötig zu diesem Zwecke religiöse Bücher zu wälzen. So sprach Imam Sadiq, der Friede Gottes sei mit ihm:

„O Schuqran, eine gute Handlung ist gut, unabhängig davon, von wem sie ausgeübt wird, doch von dir ist sie besser, aufgrund deiner Nähe zu uns. Und eine schlechte Handlung ist schlecht, unabhängig davon, von wem sie ausgeübt wird, doch von dir ist sie schlimmer, aufgrund deiner Nähe zu uns.“ [1]

Aus dieser Aussage Imam Sadiqs kann man entnehmen, dass eine gute bzw. schlechte Handlung nicht mit der Überzeugung einer Person in Zusammenhang steht, sondern einzig durch das Gewissen und die Einschätzung des Menschen als solche klassifiziert und kategorisiert wird. Allerdings werden gute Handlungen einzig gemäß dem Falle mit jenseitiger Belohnung entlohnt, falls sie im Sinne der Gottesehrfurcht erfolgt sind. So spricht der heilige Qur’an:

„Gott akzeptiert einzig von den Gottesehrfürchtigen.“ [2]

Gemäß dem heiligen Qur’an werden die guten und schlechten Handlungen des Menschen zunächst auf ihn selbst zurückgeführt. Sollte jemand einem anderen schaden, so schadet er sich entsprechend zuvorderst selbst:

„Wer Gutes tut, tut es zu seinem eigenen Vorteil. Und wer Böses tut, tut es zu seinem eigenen Schaden. Und dein Herr tut den Dienern kein Unrecht.“ [3]

„Wer Gutes tut, tut es zu seinem eigenen Vorteil. Und wer Böses tut, tut es zu seinem eigenen Schaden. Zu eurem Herrn werdet ihr dann zurückgebracht.“ [4]

2.        Die Geschichte der vorangegangenen Völker und der göttlichen Propheten

Zu den weiteren Aspekten des heiligen Qur’an zählen die Geschichten der vorangegangenen Völker und der göttlichen Propheten. Im heiligen Qur’an werden die Namen von 27 Propheten genannt sowie ein Teil ihres Lebens und das ihrer Völker beleuchtet. Der heilige Qur’an ist kein Märchenbuch, weshalb die Berichterstattung wahrheitsgemäß und nicht ohne Sinn und Zweck erfolgt. Er berichtet über Menschen und Völker, die durch ihre eigenen Handlungen im Diesseits entweder glückselig oder verdammt wurden. Sie kamen durch ihre eigenen Handlungen und Entscheidungen entweder in den Genuss der göttlichen Gnade und Güte oder wurden von seinem Zorn und seiner Wut erfasst und getroffen. Die Erzählung dieser Geschichten steht im Sinne der Rechtleitung der Menschen zum Zwecke ihrer Vervollkommnung und der Erreichung der Glückseligkeit. Einige Fakten sollten hierbei benannt werden:

·       Im heiligen Qur’an werden 208 Geschichten erzählt, sodass sich in über der Hälfte aller Qur’ansuren Geschichten befinden, die Botschaften übermitteln.

·       Die meisten Geschichten des heiligen Qur’an handeln über den Propheten Moses und seinem Volk, den Israeliten, sowie dem Pharao. Dem folgen der Reihenfolge nach Geschichten über den Propheten Abraham, den Propheten Jesus sowie seiner Mutter Maria.

·       Sämtliche Geschichten des heiligen Qur’an beruhen auf wahren Begebenheiten und sind mitnichten erfundener Natur aus der Welt der Phantasien. Sie sind göttliche Erzählungen über tatsächlich erfolgte historische Ereignisse.

·       Einige der qur’anischen Geschichten beginnen mit versteckten Fragen. Dies ist eine literarische Technik, die den Leser veranlassen soll die Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. In dieser Methodik beginnt die Geschichte für gewöhnlich mit der folgenden Einleitung: „Habt ihr schon von der Geschichte … gehört.“

·       Das Ziel, welches Gott mit der Erzählung dieser Geschichten verfolgt, ist es nicht zu unterhalten, sondern den Menschen zu zeigen, wie sie privat und in der Gesellschaft zu leben haben. Dadurch soll den Menschen der Pfad zur Errettung und Glückseligkeit aufgezeigt werden. Deshalb sollte man zu jeder erzählten Geschichte die Position Gottes diesbezüglich studieren. Eine Wahrheit, der man überall in diesem himmlischen Buch begegnen kann, ist, dass überall dort, wo ein Wort nicht im Sinne Gottes ist, dieses von Gott unverzüglich nach seiner Zitierung kritisiert und abgelehnt wird. Dementsprechend ist jede Stelle und Position, die nicht von Gott kritisiert wird, in seinem Sinne und genießt seine Bestätigung.

·       Die besondere und entscheidende Rolle der Frauen wird in zahlreichen Geschichten des heiligen Qur’an betont. Sie werden explizit in den Geschichten erwähnt und als eigenständige Charaktere vorgestellt. Der heilige Qur’an führt als Vorbild eines gläubigen Menschen die Namen von zwei Frauen auf, wie er es auch beim Vorbild für einen ungläubigen Menschen tut:

„Gott hat für die, die ungläubig sind, die Frau Noahs und die Frau Lots als Beispiel angeführt. Sie beide unterstanden zwei Dienern von unseren rechtschaffenen Dienern. Aber sie waren treulos zu ihnen, so konnten ihnen diese vor Gott nichts nützen. Und es wurde gesagt: «Geht ins Feuer ein mit denen, die hineingehen.» Und Gott hat für die, die glauben, die Frau des Pharaos als Beispiel angeführt. Als sie sagte: «Mein Herr, baue mir ein Haus bei Dir im Paradies, und errette mich von Pharao und seinem Handeln, und errette mich von den Leuten, die Unrecht tun.» Und (auch) Maria, die Tochter, Imraans, die ihre Scham unter Schutz stellte, worauf Wir in sie von unserem Geist bliesen. Und sie hielt die Worte ihres Herrn und seine Bücher für wahr und gehörte zu denen, die (Gott) demütig ergeben sind.“ [5]

Dieser Punkt zeigt eindeutig auf, dass die Frau aus der Sicht des heiligen Qur’an eine entscheidende Rolle bei der Glückseligkeit und der Verdammnis einer Gesellschaft einnehmen kann. Eine gläubige Frau kann eine Gesellschaft gläubig werden lassen, genauso wie eine ungläubige Frau eine Gesellschaft mit Unglauben überziehen kann.





[1] Ibn Schahr Aschub: Manaqib Ale Abi Taleb Alaihim al-Salaam, B. 4, S. 236

[2] Heiliger Qur’an, Sura al-Ma‘ida (5):27:

إِنَّمَا يَتَقَبَّلُ اللَّهُ مِنَ الْمُتَّقِينَ

[3] Heiliger Qur’an, Sura Fussilat (41):46:

مَنْ عَمِلَ صَالِحاً فَلِنَفْسِهِ وَمَنْ أَسَاءَ فَعَلَیهَا وَمَا رَبُّكَ بِظَلَّامٍ لِّلْعَبِيدِ

[4] Heiliger Qur’an, Sura al-Dschathiah (45):15:

مَنْ عَمِلَ صَالِحاً فَلِنَفْسِهِ وَمَنْ أَسَاءَ فَعَلَیهَا ثُمَّ إِلَىٰ رَبِّكُمْ تُرْجَعُونَ

[5] Heiliger Qur’an, Sura al-Tahrim (66):10-12:

ضَرَبَ اللَّهُ مَثَلاً لِلَّذينَ کَفَرُوا امْرَأَتَ نُوحٍ وَ امْرَأَتَ لُوطٍ کانَتا تَحْتَ عَبْدَيْنِ مِنْ عِبادِنا صالِحَيْنِ فَخانَتاهُما فَلَمْ يُغْنِيا عَنْهُما مِنَ اللَّهِ شَيْئاً وَ قيلَ ادْخُلاَ النَّارَ مَعَ الدَّاخِلينَ؛ وَ ضَرَبَ اللَّهُ مَثَلاً لِلَّذينَ آمَنُوا امْرَأَتَ فِرْعَوْنَ إِذْ قالَتْ رَبِّ ابْنِ لي‏ عِنْدَکَ بَيْتاً فِي الْجَنَّةِ وَ نَجِّني‏ مِنْ فِرْعَوْنَ وَ عَمَلِهِ وَ نَجِّني‏ مِنَ الْقَوْمِ الظَّالِمينَ؛ وَ مَرْيَمَ ابْنَتَ عِمْرانَ الَّتي‏ أَحْصَنَتْ فَرْجَها فَنَفَخْنا فيهِ مِنْ رُوحِنا وَ صَدَّقَتْ بِکَلِماتِ رَبِّها وَ کُتُبِهِ وَ کانَتْ مِنَ الْقانِتينَ


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