Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 197592
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2019 4:33:00 AM
Aufrufe : 97

Bekanntschaft mit dem Qur’an (8)


Freitagsansprache von 16.11.2018
 
von Hujjat ul-Islam Dr. Mofatteh

 Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten


Das Ziel der Schöpfung des Menschen

Die zweite grundlegende Frage eines jeden nachdenkenden Menschen lautet, was das Ziel seiner Erschaffung ist und weshalb der Mensch erschaffen wurde. Der heilige Qur’an beantwortet in einigen Versen diese Frage:

„Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur dazu erschaffen, dass sie Mir dienen. Ich will von ihnen keinen Unterhalt, und Ich will nicht, dass sie Mir zu essen geben. Gott ist es, der Unterhalt beschert und offenkundige Kraft besitzt.“ [1]

Diese Verse decken in zusammengefasster Form die Wahrheit darüber auf, weshalb wir von Gott erschaffen worden sind. Hat er ein Bedürfnis gehabt? Zunächst benennen wir zwei Einleitungen, bevor wir zum Ergebnis kommen.

1.        Ohne Zweifel verfolgt jeder Weise und Vernünftige für jede getätigte Aktion ein Ziel und Zweck. Da Gott weise und wissend ist und mit niemandem verglichen werden kann, muss er der Erschaffung des Menschen einem Ziel und Zweck zugeordnet haben.

2.        Sein Wesen ist in jeder Hinsicht vollkommen und ohne Bedürfnisse. Er ist von sich aus komplett.

Gemäß diesen beiden Bedingungen muss er mit der Erschaffung des Menschen ein Ziel verfolgen, doch dieses Ziel kann nicht seinem reinen Wesen dienen.

Somit müssen wir das Ziel und den Zweck der menschlichen Erschaffung nicht beim Erschaffer, sondern in der Schöpfung selbst suchen. Im heiligen Qur’an werden verschiedene Ziele für die menschliche Erschaffung aufgezählt:

1.        Die Prüfung des Menschen

„Derjenige, der den Tod und das Leben erschaffen hat, um euch zu prüfen, wer von euch am besten handelt.“ [2]

Hier wird die Thematik der Prüfung des Menschen auf Basis seiner Handlungen und Taten als ein Ziel für seine Erschaffung benannt.

2.        Das Wissen um die Kraft und das Wissen Gottes

„Gott ist es, der sieben Himmel erschaffen hat, und von der Erde genauso viel. Der Befehl (Gottes) kommt zwischen ihnen herab, damit ihr wisst, dass Gott Macht hat zu allen Dingen und dass Gott alle Dinge mit seinem Wissen umfasst.“ [3]

Hier wird das Wissen um die Kraft und das Wissen Gottes als ein Ziel der Schöpfung der Himmel und der Erde, inklusive allem, was sich in ihnen befindet, so dem Menschen, aufgeführt.

3.        Die Gnade Gottes

„Und wenn dein Herr gewollt hätte, hätte Er die Menschen zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht, wohingegen sie weiterhin uneins sind, außer denen, derer sich dein Herr erbarmt hat. Dazu hat Er sie erschaffen.“ [4]

Gemäß diesem Vers wird die Gnade Gottes als ein Ziel der Schöpfung des Menschen aufgeführt.

Im ersten Vers wird ausschließlich auf die Thematik des Gottesdienstes als Ziel für die Erschaffung des Menschen hingewiesen, wohingegen in den nachfolgenden Versen andere Ziele benannt werden. Liegt hier also ein Widerspruch vor? Nein. Wenn man sich die Verse etwas näher betrachtet, gelangt man zu einer logischen Kette an Zielen und einer Schlussfolgerung. Hierbei erschließ sich: dass einige der bereits genannten Ziele einleitender und andere wiederrum schlussendlicher Natur sind, wohingegen andere das Ergebnis dieser Ziele darstellen:



Was ist die Wahrheit des Gottesdienstes?

Somit erschließt sich, dass die Menschen zum Zwecke des Gottesdienstes erschaffen wurden. Deshalb ist es für uns elementar zu erfahren, was die Wahrheit des Gottesdienstes ist. Ist damit das Gebet, die Niederwerfung, Verbeugung oder das Fasten gemeint? Oder liegt ihm eine tiefere Wahrheit zugrunde?

Hierbei müssen wir das Wort „Gottesdienst“ näher betrachten. Als Diener wird in der arabischen Sprache jemand bezeichnet, der sich vollkommen seinem Herrn hingibt, sodass sein Wille dem seines Herrn entspricht. Er besitzt nichts und ist absolut gehorsam. Der Dienst ist somit die höchste Stufe der Demut und Hingabe gegenüber dem Bedienten, dem Herrn, der niemand sonst ist außer Gott, der die höchsten Gaben und Ehren gegeben hat. Dementsprechend ist der Gottesdienst der Höhepunkt der menschlichen Vervollkommnung und seiner Nähe zu Gott. Er stellt den Gipfel der Hingabe des Menschen gegenüber seinem reinen Wesen dar. Der Gottesdienst ist die bedingungslose Gehorsamkeit gegenüber dem göttlichen Willen in sämtlichen Gebieten. Er ist nichts anderes, als dass der Menschen seine gesamten Handlungen und Gedanken im Sinne des wahren Bedienten und der absoluten Perfektion ausrichtet und alles andere ausblendet.

Dies ist der schlussendliche Zweck der Erschaffung des Menschen. Gott hat zum Zwecke der Erreichung dieses Zieles eine Prüfungsarena bereitgestellt und dem Menschen Wissen und Kenntnis gegeben, damit er diese Prüfung bestreiten kann. Das Ergebnis einer erfolgreichen Prüfungsabgabe ist letztendlich nichts geringeres als das Versinken in den grenzenlosen Ozean der göttlichen Gnade.

Dieser Satz „Ich will von ihnen keinen Unterhalt, und Ich will nicht, dass sie Mir zu essen geben“ [5] gibt Auskunft über den Reichtum Gottes, wodurch er auf nichts und niemanden angewiesen ist, weshalb sein Aufruf zum Gottesdienst auch nicht dazu dient, dass er etwas dadurch erhält, sondern dafür dient, dass er dadurch den Dienern etwas schenkt. Dies unterscheidet den Gottesdienst von Dienstleistungen, die die Menschen untereinander füreinander erbringen, da hier eine Nutzengenerierung im Fokus steht, indem der Auftraggeber Bedienstete einstellt und beauftragt. Dies zeugt von der Abhängigkeit und von den Bedürfnissen des Menschen. Doch Gott, der Erhabene, ist von solcherlei Aspekten frei und absolut unabhängig und stillt darüber hinaus auch die Bedürfnisse aller im Sinne seiner Gnade und Güte. Er ist der Versorger aller.

Warum werden im heiligen Vers die Dschinn dem Menschen vorangestellt?

Gleichwohl in den Versen des heiligen Qur’an klar zum Ausdruck kommt, dass die Menschen gegenüber den Dschinn bevorzugt sind, wird ihr Name im Vers nach den Dschinn aufgeführt, welches wahrscheinlich daran liegt, dass die Dschinn vor dem Menschen erschaffen wurden:

„Und die Dschinn haben Wir vorher (vor der Erschaffung des Menschen) aus glühendem Feuer erschaffen.“ [6]

Frage: Wenn das letztendliche Ziel der Schöpfung des Menschen die Gnade Gottes durch den Gottesdienst und der Vervollkommnung des Menschen ist und nicht ein Gewinn für den Schöpfer, stellt sich die Frage, warum dieser gnädige und gnadenvolle Schöpfer den Menschen nicht gleich vervollkommnet erschaffen hat, sodass sie durch die Gottesnähe von seinen Gaben und seinen Segen profitieren können?


Antwort: Die Vervollkommnung des Menschen ist keine Angelegenheit, die durch Zwang vollzogen werden könnte, ganz im Gegenteil, ist sie ein langer Weg, den die Menschen mit ihren eigenen Füßen Schritt für Schritt aus eigenem Antrieb und freiem Willen beschreiten müssen. An einem Beispiel lässt es sich vielleicht besser erklären: Wenn man jemanden zwingen würde ein Krankenhaus zu bauen, würde dies für den Gezwungenen als eine moralische Tugend und seelische Vollkommenheit gezählt werden? Sicherlich nicht. Doch wenn sich er aus eigenem Antrieb heraus bewusst dafür entscheidet etwas Gutes zu tun und Bedürftigen ein Krankenhaus zu bauen, so wäre dies zweifellos eine Tugend, wodurch er seine Seele veredelt hat und einen Schritt in Richtung Vervollkommnung gegangen ist. Gott, der Erhabene, hat uns durch seine Propheten und Gesandten Pflichten und erzieherische Programme entsandt, damit wir freiwillig entscheiden können, ob wir diesen nachkommen und dadurch den Weg der Vervollkommnung beschreiten möchten oder nicht.

Fazit

Unter Berücksichtigung der geschilderten Punkte ziehen wir das Ergebnis, dass die Wahrheit des Gottesdienstes darin besteht, dass man entsprechend dem Willen Gottes handelt, ihm seine Seele anvertraut, seine Liebe im Herzen einbettet und sich mit seiner Moral ziert. Wenn also im heiligen Qur’an vom Gottesdienst als schlussendliches Ziel der menschlichen Erschaffung die Rede ist, so ist eben dies damit gemeint, also die Vervollkommnung des Menschen durch den Dienst entsprechend dem göttlichen Willen.

Fürwahr, der vollkommene Mensch ist eben jener wahrhaftige Diener Gottes!



 

 




[1] Heiliger Qur’an, Sura al-Dhariat (51):56-58:

وَ ما خَلَقْتُ الْجِنَّ وَ الْإِنْسَ إِلاّ لِیَعْبُدُونِ؛ ما أُرِیدُ مِنْهُمْ مِنْ رِزْق وَ ما أُرِیدُ أَنْ یُطْعِمُونِ؛ إِنَّ اللّهَ هُوَ الرَّزّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِینُ

[2] Heiliger Qur’an, Sura al-Mulk (67):2:

الَّذِی خَلَقَ الْمَوْتَ وَ الْحَیاةَ لِیَبْلُوَکُمْ أَیُّکُمْ أَحْسَنُ عَمَلاً

[3] Heiliger Qur’an, Sura al-Talaq (65):12:

اللّهُ الَّذِی خَلَقَ سَبْعَ سَماوات وَ مِنَ الْأَرْضِ مِثْلَهُنَّ یَتَنَزَّلُ الْأَمْرُ بَیْنَهُنَّ لِتَعْلَمُوا أَنَّ اللّهَ عَلى کُلِّ شَیْء قَدِیرٌ وَ أَنَّ اللّهَ قَدْ أَحاطَ بِکُلِّ شَیْء عِلْماً

[4] Heiliger Qur’an, Sura al-Hud (11):118-119:

وَ لَوْ شاءَ رَبُّکَ لَجَعَلَ النّاسَ أُمَّةً واحِدَةً وَ لایَزالُونَ مُخْتَلِفِینَ؛ إِلاّ مَنْ رَحِمَ رَبُّکَ وَ لِذلِکَ خَلَقَهُمْ

[5] Heiliger Qur’an, Sura al-Dhariat (51):56-58:

وَ ما خَلَقْتُ الْجِنَّ وَ الْإِنْسَ إِلاّ لِیَعْبُدُونِ؛ ما أُرِیدُ مِنْهُمْ مِنْ رِزْق وَ ما أُرِیدُ أَنْ یُطْعِمُونِ؛ إِنَّ اللّهَ هُوَ الرَّزّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِینُ

[6] Heiliger Qur’an, Sura al-Hidschr (15):27:

وَ الْجانَّ خَلَقْناهُ مِنْ قَبْلُ مِنْ نْارِ السَّمُومِ

 


Kommentar



Zeige nichtöffentliche
تصویر امنیتی :