Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 196019
Datum der Veröffentlichung : 10/24/2018 11:00:00 AM
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Bekanntschaft mit dem Qur’an (4)

Freitagsansprache von 19.10.2018
von Hujjat ul-Islam Dr. Mofatteh

 Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Die mekkanischen und medinensischen Qur’an-Suren und -Verse

Die Suren und Verse aus dem heiligen Qur’an, die vor der Auswanderung der Muslime nach Medina dem Gesandten Gottes offenbart wurden, werden als mekkanische Suren und Verse bezeichnet, selbst wenn diese Eingebungen außerhalb Mekkas, welches bis dahin das Zentrum muslimischen Lebens bildete, erfolgt sind. Hingegen werden die Suren und Verse, die nach der Auswanderung der Muslime nach Medina dem Propheten offenbart wurden, als medinensische gekennzeichnet, selbst wenn die Offenbarungen außerhalb Medinas, welches nach der Auswanderung das neue Zentrum für die Muslime darstellte, vonstattengingen.

Der Prophet legte entsprechend seiner göttlichen Eingebung in der Offenbarungszeit die Suren fest und ordnete die Anzahl der Verse einer jeden Sura an und ohne jedwede Veränderung besteht diese Anordnung nach wie fort. Die kleinste Sura Al-Kauthar besitzt drei Verse und die größte Sura Al-Baqarah 286.

Die Benennung der einzelnen Suren erfolgte wie die Bestimmung der Anzahl der Verse einer jeden Sura durch den Propheten im Lichte der göttlichen Eingebung. Die meisten Suren sind im Besitz eines einzigen Namens, jedoch finden sich auch Suren wieder, die mehrere Benennungen vorweisen. Die Namen weisen mitunter auf den entsprechenden Inhalt der Sura hin.

Jede neue Sura wurde mit der Offenbarung von „Im Namen des Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden“ begonnen und die Verse wurden entsprechend der Offenbarungsreihenfolge in ihnen festgehalten, bis es erneut zu einer Offenbarung von „Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden“ kam, wodurch der Beginn einer neuen Sura eingeleitet wurde. Dies war der geregelte Vorgang. Teilweise kam es jedoch auch vor, dass der barmherzige Prophet, der Friede Gottes sei mit ihm und seiner Familie, im Lichte einer von Gabriel überbrachten göttlichen Verfügung, diesen geregelten Ablauf aussetzte und einen Vers in eine andere Sura platzierte. Als Beispiel kann der Vers „Und hütet euch vor einem Tag, an dem ihr zu Gott zurückgebracht werdet. Dann wird jeder Seele voll zurückerstattet, was sie erworben hat. Und ihnen wird nicht Unrecht getan“, aufgeführt werden, der von der Reihenfolge her zu den letzten offenbarten Versen zählt, doch auf Anordnung des Propheten als 281. Vers der zweiten Sura Al-Baqarah gesetzt wurde. Die Festlegung und Anordnung der Verse einer jeden Sura erfolgte somit im Lichte der göttlichen Eingebung durch den Propheten selbst. Doch bezüglich der Anordnung der Suren bestehen unter den Fachexperten Meinungsunterschiede. So vertreten zahlreiche Wissenschaftler wie Seyyed Morteza Alamolhoda die Position, dass der heutige uns vorliegende Qur’an derselbe ist, wie er schon zu Lebzeiten des Propheten existiert hat und dass die Anordnung der Suren ebenso durch den Propheten erfolgte wie die Anordnung der Verse.

Die Sammlung des Qur’an

Imam Ali, der Friede Gottes sei mit ihm, war die erste Person, die sich nach dem Ableben des barmherzigen Propheten, der Friede Gottes sei mit ihm und seiner Familie, mit der Sammlung des Qur’an beschäftigte. Auf Grundlage der uns vorliegenden Überlieferungen verbrachte er sechs Monate zuhause und widmete sich dieser Angelegenheit. Imam Ali, der Befehlshaber der Gläubigen, äußerte hierzu: „Kein Vers wurde dem barmherzigen Propheten offenbart, den er mir nicht vorgetragen und diktiert hätte. Ich hielt sie mit meiner eigenen Schrift fest. Des Weiteren lehrte er mir ihre Exegese und Deutung, die Abrogation sowie das Eindeutige und Mehrdeutige in den Versen und betete für mich, auf dass Gott mich mit Erkenntnis und Merkfähigkeit begnaden möge. Von dem Tag an habe ich keinen Vers vergessen und nichts von dem verloren, worin er mich unterrichtete und welches ich verschriftlichte.“

Zahlreiche andere Gefährten sammelten ebenfalls Schriften, jedoch unabhängig voneinander. Auch war die Qualität ihrer Sammlungen und ihre jeweilige Fähigkeit dahingehend von unterschiedlicher Natur. Folglich unterschieden sich ihre gesammelten Werke in ihrer Methodik, Reihenfolge und Ordnung oder Lesart voneinander. Die verschiedenen Versionen sorgten für den Unmut der Menschen. Wenn sie sich zu Anlässen versammelten, stritten sie sich darüber, welche Version nun die korrekte sei und verurteilten dabei diejenigen, die eine andere Auffassung als die ihrige hierüber vertraten.

So wurde eine Person namens Hudhayfah bin Yaman im Zuge einer Schlacht um Armenien Zeuge eines Zwists unter Muslimen, die über die Authentizität einer Qur’an-Version stritten. Als er vom Krieg zurückkehrte, war er über den Streit unter den Menschen bekümmert und beratschlagte sich mit jenen Gefährten des barmherzigen Propheten, die in der Stadt Kufa weilten, um eine Lösung für dieses Problem zu erarbeiten. Hudhayfah vertrat die Position, dass der Kalif Uthman dazu bewogen werden sollte eine Vereinheitlichung der im Umlauf befindlichen Qur’an-Versionen herbeizuführen und eine einheitliche Lesart durchzusetzen. Dieser Meinung schlossen sich alle anwesenden Gefährten bis auf Abdullah bin Mas’ud an. In diesem Sinne eilte Hudayfha eiligen Schrittes nach Medina, um Uthman dazu zu bewegen diesen Konflikt in der Gemeinschaft Muhammads zu beenden, ehe er sich vollends ausweitet.

Hudhayfah sprach zu Uthman: „O Kalif der Muslime, ich muss geradeheraus äußern, dass du diese Gemeinschaft davor bewahren musst in denselben Konflikt zu geraten, in den vor ihnen bereits die Juden und Christen geraten sind.“ Uthman fragte daraufhin, worum es geht, woraufhin Hudhayfah fortführte: „Ich nahm an der Schlacht um Armenien teil. Dort verlasen die Menschen den Qur’an in der Lesart von Ubay bin Ka’b, wohingegen die Anwohner im Irak der Lesart von Ibn Mas’ud folgten. Dabei bezichtigte jede Gemeinde die andere der Blasphemie.“

Uthman versammelte daraufhin diejenigen Gefährten vom Propheten, die in Medina ansässig waren, und beratschlagte sich mit ihnen in dieser Thematik. Sie stimmten darin überein um jeden Preis für eine Vereinheitlichung der kursierenden Versionen zu sorgen. In einem ersten Schritt lud er in einer öffentlichen Botschaft die Gefährten des Propheten zur Zusammenarbeit in dieser Hinsicht ein. Er erkor vier seiner Vertrauten für diese Arbeit aus:

1.        Zayd bin Thabit

2.        Saeed bin As

3.        Abdullah bin Zubayr

4.        Abdulrahman bin Harith bin Hischam, der aus dem Stamm der Quraysch kam.

Diese vier Personen gehörten zu den ersten Mitgliedern des Komitees zur Vereinheitlichung der sich im Umlauf befindlichen Versionen vom Qur’an. Das Komitee wurde von Zayd bin Thabit geleitet und Uthman stand diesem Komitee vor, doch ihnen misslang diese Aufgabe erfolgreich auf einen grünen Zweig zu bringen. Deshalb nahmen sie die Hilfe von Ubay bin Ka’b, Malik bin Abi Amer, Kathir bin Aflah, Anas bin Malik, Abdullah bin Abbas, Mas’ab bin Sa’d, Abdullah bin Fatimeh sowie fünf weiteren Personen in Anspruch, sodass sich ein zwölf-köpfiges Gremium bildete, dem Ubay bin Ka’b vorstand. Die Verse wurden von ihm diktiert und seitens der anderen niedergeschrieben.

Dieses Programm fand die Zustimmung vom Befehlshaber der Gläubigen, Imam Ali, der Friede Gottes sei mit ihm, vor. Ibn Abi Davud überliefert von Suwayd bin Ghaflah, dass Imam Ali sprach: „Bei Gott, Uthman hat hinsichtlich der Zusammenstellungen (des heiligen Qur’an) keine Aktion vollzogen, die er mit uns nicht absprach. Über die Lesarten beratschlagte er sich mit uns und als ich nach seiner Meinung hierüber fragte, äußerte er, dass nur eine Zusammenstellung für die Menschen ausgegeben werden sollte, damit sie keine Konflikte mehr in dieser Hinsicht miteinander haben. Ich bestätigte seine Meinung.“

Einst verlas jemand in Gegenwart Imam Sadiqs eine Stelle des heiligen Qur’ans in einer unüblichen Lesart, woraufhin der Imam zu ihm sprach: „Verlese diese Art der Rezitation in Zukunft nicht mehr und rezitiere so, wie auch alle anderen rezitieren.“

Dementsprechend lautet der Konsens unter den Gelehrten der Muslime, dass der uns heute vorliegende Qur’an ohne jedwede Abänderung und Verfälschung eben jener ursprüngliche und vollständige Qur’an ist, wie er in der Frühzeit des Islam unter den Muslimen verbreitet war.



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