Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 192052
Datum der Veröffentlichung : 2/13/2018 4:26:00 PM
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Trauerzeremonie im Islamischen Zentrum Wien anlässlich des Ablebens von Ayatollah Haeri Shirazi


Am 14. Januar 2018 fand eine Trauerzeremonie im Islamsichen Zentrum Imam Ali in Wien anlässlich des Dahinscheidens von Ayatollah Haeri Shirazi statt. An dieser Zeremonie nahmen Muslime verschiedener Nationen, Geistliche und politische, kulturelle und wissenschaftliche Persönlichkeiten teil.

Zu den Programmen dieser Zeremonie gehörte unter anderem eine Koranrezitation, Videoclips über Ayatollah Haeri, Kondolenzbotschaften einiger Persönlichkeiten, Reden von kulturellen Persönlichkeiten und auch von Vertretern  Islamischer Zentren Europas – unter anderem auch Ayatollah Ramezani, Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburgs, Hudschatulislam Dr. Mohsenzadeh, Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Wien und Herrn Mag. Muhammad Lanzl, Leiter des Privaten Schulcampus Avicenna.

In seiner Rede auf dieser Zeremonie kondolierte Ayatollah Ramezani den Teilnehmern dieser Zeremonie und insbesondere dem Sohn von Ayatollah Haeri, Herrn Hudschatulislam Nezamoddin Haeri Shirazi, dankte den Anwesenden, wies auf die geistige Rechtleitung der Menschen hin und fügte hinzu: Gott hat keine Leitung übernommen, außer der Rechtleitung des Menschen. Damit ist nicht die Schöpfungsgeschichte allein gemeint, denn alle Lebewesen genießen diese Leitung. Gemeint ist die Rechtleitung durch Überlieferungen, wobei der Weg zur Glückseligkeit erläutert wird. Gott sagt im Koran: „Wir haben ja Unsere Gesandten mit den klaren Beweisen gesandt und mit ihnen die Schrift und die Waage herabkommen lassen, damit die Menschen für Gerechtigkeit eintreten.“[1] Und „Wir haben ja ein Buch zu euch hinabgesandt, in dem eure Ehre liegt. Begreift ihr denn nicht?“[2]

Dieser Punkt ist von enormer Wichtigkeit, dass Gott zur Rechtleitung sowohl Propheten entsandt hat, als auch Schriften, und auch dem Menschen Verstand gegeben hat, damit es ein innerer Beweis wird. „Verstand ist der Gesandte Gottes“[3]. Es gibt viele Koranverse, die sich auf den Verstand beziehen. Aus diesem Grund hat auch „Kulleini“ das erste Thema seines Buches dem „Verstand und Unwissenheit“ gewidmet. Der Verstand leitet den Menschen zur Offenbarung, damit er den Weg zur Glückseligkeit richtig deutet.

Offenbarungen sind göttliche Verordnungen und Traditionen, die von Gott für die Menschheit hinabgesandt worden sind. Gott entsandte in seiner Güte Propheten für die Menschen, damit sie auf den rechten Weg geleitet werden. „Allah hat den Gläubigen wirklich eine Wohltat erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten von ihnen selbst geschickt hat, der ihnen Seine Zeichen verliest, und sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt, obgleich sie sich zuvor wahrlich in deutlichem Irrtum befanden.“[4]

Die Propheten sind im eigentlichen Sinne, die Medien zwischen Gott und der Menschen. Das arabische Wort „Nabi“[5] kommt entweder von „Naba“[6], was so viel bedeutet, wie jemand, der das Wort Gottes erhalten hat, und es den Menschen weitergibt „Und dem Gesandten obliegt nur die deutliche Übermittlung (der Botschaft).“[7], oder von „Nabavah“ was Erhabenheit und Größe bedeutet. Die Propheten Gottes sind erhabene Menschen, die Gott zur Rechtleitung der Menschen auserwählt hat. Nach den Propheten sind es die Gelehrten, die wahrhaft selbstlosen, die das Wissen und die Spiritualität besitzen, und diese Aufgabe übernehmen. Gott sagt. „Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet“[8]. Viele Gelehrte sind der Meinung, dass mit „Mitte“ die gemäßigten Menschen sind, die nicht über- und untertreiben. Dies trifft ganz genau auf die islamische Gemeinschaft zu – eine gemäßigte Gemeinschaft, die fern von Über- und Untertreibungen ist.

Doch Allameh Tabatabei scheint darauf hinzudeuten, dass dieser Koranvers auf etwas Anderes hinweist. Nämlich darauf, dass die Gelehrten eine Vermittlerrolle spielen. Sie sind der Vermittler zwischen dem Propheten und den Menschen (gegrüßet sei er) – genauso wie der Prophet ein Vermittler zwischen Gott und dem Volk ist. Nach dem Propheten übernehmen die Unfehlbaren aus dem Hause des Propheten (gegrüßet seien sie) diese Rolle, und danach sind es die Gelehrten. Sie sind die Vorbilder. So weist „Euch“ auf diejenigen hin, die dafür bestimmt sind, um für die Menschen in dem Vers „damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet“ ein Vorbild sind – genauso, wie der Prophet (gegrüßet sei er) ein Vorbild für die Menschen war „und damit der Gesandte über euch Zeuge sei.“[9]

Zweifellos sind die wissenschaftliche Größe und die Tiefe in der Religion einer der Eigenschaften der Gelehrten. Eine weitere Eigenschaft ist deren spirituelle Größe. Sie müssen sich ihrer Natur und Potentiale bewusst sein und eine hohe Spiritualität besitzen. So eine Spiritualität zeigt sich im Kontakt mit Gott. Je größer die Nähe zu Gott ist, desto größer ist die Wirkung auf die Herzen der Menschen, die empfangsbereit sind.

Ein weiterer Punkt, den wir beachten müssen, ist, dass eine Gesellschaft aus der Sicht der Religion erstrebenswert ist, in der Wissen und Spiritualität eine gehobene Stellung haben. So gesehen gehört zu den Eigenschaften einer islamischen Gesellschaft Verstand, Wissen, und Spiritualität. Überlieferungen besagen, dass der Mensch entweder Wissenschaftler, oder wissenssuchend sein muss. „Sei ein Gelehrter oder Schüler und nicht ein dritter Außenstehender“[10] in einer weiteren Überlieferung wird auch Wissensliebender hinzugefügt „Sei ein Gelehrter, ein Wissensliebender oder Schüler und nicht ein dritter Außenstehender.“[11] Unwissenheit erlaubt den Einzug des Bösen in die Gesellschaft und führt zu Spaltung, Streit und Krieg. Imam Ali sagt: „Unwissenheit ist die Grundlage alles Bösen“[12] und an einer anderen Stelle: „Volksfeinde sind ignorant“[13]

Der Vorsitzende der schiitischen Gelehrten und Geistlichen Europas bezeichnete an einer anderen Stelle seiner Rede Ayatollah Haeri Shirazi als einen himmlischen Gelehrten, islamischen Menschenkenner und opferbereiten Menschen und sagte: Ayatollah Haeri Shirazi besaß wahrhaftig Wissen und Spiritualität. Er war ein himmlischer Gelehrter und lebte einfach und fern von Luxus. Er war ein Denker und Forscher, genauso wie der geehrte religiöse Leiter in seiner Kondolenzbotschaft ihn einen Weisen genannt hat. Er war ein Vorreiter der zinslosen Wirtschaft, und bestand darauf, dass das Kriterium für Wirtschaft und Finanzen Gold und Silber sein sollte.

Ayatollah Haeri Shirazi war ein Menschenkenner nach religiösen Grundlagen und hat diesbezüglich auch ein Buch herausgebracht, was sehr lehrreich ist. Er beschäftigte sich intensiv mit den Geisteswissenschaften und sagte: Geisteswissenschaften sind wie die Enge von dem Platz „Uhud“. Wenn sie richtig verstanden werden, lösen sie viele Probleme über ein richtiges Verständnis des menschlichen Lebens. Er war der Ansicht, dass, wenn man sich vom göttlichen Geist distanziere, automatisch in die irdische Natur versinke und dann ausschließlich materialistischem Denken verfalle.

Ich bin der Ansicht, wenn wir in der theologischen Schule 10 Experten für Geisteswissenschaften aufzählen sollten, wäre zweifellos einer von ihnen Ayatollah Haeri. Er war im wahrsten Sinne des Wortes unermüdlich und hat sich sowohl persönlich sehr stark entwickelt also auch in gesellschaftlichen Belangen stark angestrengt. Vor der Revolution wurde er aufgrund seines Widerstands zum diktatorischen System des damaligen Schahs für drei Jahre in eine Stadt im Norden namens Fouman verbannt.

Er erkannte mit einem Blick Schwächen in der Gesellschaft und lehrte seinen Schülern auch religiöses Management. Er war ein verantwortungsbewusster Gelehrter und agierte überall so, wie es sein Verantwortungsbewusstsein für richtig hielt – ohne den persönlichen Vorteil in Betracht zu ziehen. Er war ein religiöser Politiker, doch stand für ihn die Religion an erster Stelle und nicht umgekehrt. Er war für die Gesellschaft und seine Zukunft ein mitfühlender Lehrer. Er verband Wissen mit Taten und war somit ein Geistlicher der Tat und er trug viel von den Weisheiten des Korans in sich. Er ließ nicht zu, dass seine inneren Neigungen sein Leben bestimmen. Bei der Verteidigung der Masterarbeit seines Sohnes, wo er Koreferent, und ich Referent war, sagte er bei der Benotung, was eigentlich eine ganz einfache Angelegenheit ist, dass er keine Bewertung abgeben werde. Wir mussten ihn förmlich dazu zwingen, den Bewertungsbogen zu unterzeichnen und zu bewerten, da er befürchtete, dass der Stolz auf seinen Sohn seine Bewertung beeinflussen könnte.

Er war informiert über die Probleme und Herausforderungen der modernen Zeit und bemühte sich  Versuchungen zu widerstehen. In einer Überlieferung wird gesagt: „Ein Gelehrter seiner Zeit wird nicht von Versuchungen überrannt“.[14] Zweifellos wird das Dahinscheiden dieses himmlischen Gelehrten eine Leere in der islamischen Welt hinterlassen, die nicht so leicht ausgefüllt werden kann. „Wenn ein gläubiger Gelehrte stirbt, hinterlässt er eine Leere in der islamischen Welt, die mit nichts auszufüllen ist.“[15]

Wir bitten Gott, dass er ihn, der sowohl im Leben, als auch beim Ableben erhaben war, mit den Unfehlbaren aus dem Hause des Propheten (gegrüßet seien sie) auferstehen zu lassen. „Er lebte ehrenvoll und starb ehrenvoll“[16]




[1] لَقَدْ أَرْسَلْنَا رُسُلَنَا بِالْبَيِّنَاتِ وَأَنزَلْنَا مَعَهُمُ الْكِتَابَ وَالْمِيزَانَ لِيَقُومَ النَّاسُ بِالْقِسْطِ, al-Hadid, Vers 25

[2] لَقَدْ أَنزَلْنَا إِلَيْكُمْ كِتَابًا فِيهِ ذِكْرُكُمْ أَفَلَا تَعْقِلُونَ, al-Anbia, Vers 10

[3] العقل رسول الحق

[4] لَقَدْ مَنَّ اللَّـهُ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ إِذْ بَعَثَ فِيهِمْ رَسُولًا مِّنْ أَنفُسِهِمْ يَتْلُو عَلَيْهِمْ آيَاتِهِ وَيُزَكِّيهِمْ وَيُعَلِّمُهُمُ الْكِتَابَ وَالْحِكْمَةَ وَإِن كَانُوا مِن قَبْلُ لَفِي ضَلَالٍ مُّبِينٍ, Al-i-Imran, Vers 164

[5] نبی

[6] نبا

[7] وَمَا عَلَى الرَّسُولِ إِلَّا الْبَلَاغُ الْمُبِينُ, An-Nur, Vers 54

[8] وَكَذَٰلِكَ جَعَلْنَاكُمْ أُمَّةً وَسَطًا لِّتَكُونُوا شُهَدَاءَ عَلَى النَّاسِ, al-Baqara, Vers 143

[9] وَيَكُونَ الرَّسُولُ عَلَيْكُمْ شَهِيدًا, ebenda

[10] كُنْ عَالِمًا أو متعلّماً و لاتَکُن الثالِث فَتهلک

[11] كُنْ عَالِمًا أو متعلّماً أو مُحبّاً لِلعِلمِ فلاتکن الرابع فتهلک

[12] الجهلُ اساسُ کلّ شر

[13] الناسُ اَعداء ما جَهلوا

[14] العالم بزمانه لاتهجم عليه اللوابس

[15] إِذَا مَاتَ الْمُؤْمِنُ الْفَقِيهُ ثُلِمَ فِي الإِسْلامِ ثُلْمَةٌ لا يَسُدُّهَا شَيْءٌ

[16] عاش سعیداً و مات سعیداً


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