Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 189172
Datum der Veröffentlichung : 8/22/2017 11:21:04 PM
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Die Religiöse Lebensweise (20)

Freitagsansprache von 11.08.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Etwas, was die Menschheit sehr stark vermisst, ist das wahre Streben nach Religion und Moral. Diese Leere wird von Tag zu Tag größer. Viele psychische, moralische, wirtschaftliche, kulturelle, ideologische und soziale Probleme kommen daher, weil der Mensch seine eigentliche Stellung vergessen hat und auf Abwegen geraten ist. Die Frage: „Worin liegt die Philosophie der Schöpfung?“ ist für sie unbeantwortete geblieben, da niemand mehr darüber und über sich selbst nachdenkt.

Missdeutung der religiösen Lehren

Diese Leere will uns sagen, dass der Mensch die Wahrheit seines Lebens erkennen muss, damit er in Diesseits und in Jenseits Seeligkeit erlangen kann. Doch viele Menschen wissen noch nicht, was wahre Seeligkeit ist – und das, obwohl sie glauben, dass sie diesen Begriff klar gedeutet haben. Dies beginnt schon mit dem dem Begriff „Glück“. Wenn man verschiedene Personen nach der Definition des Wortes „Glück“ fragt, bekommt man ganz unterschiedliche und subjektive Erklärungen. Aber das beschränkt sich nicht nur auf diesen Begriff. Viele religiöse Begriffe und Definitionen werden genauso missverstanden. Begriffe, wie: Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenrechte, Spiritualität und ... erleiden dasselbe Schicksal. Der Grund dafür liegt darin, weil wir der wahren Natur der Religion wenig Beachtung schenken. Wir haben der Religion nicht die eigentliche Definition von „Gott, Welt und selbst“ entnommen. Wenn wir aber eine tiefere Bindung zur Religion hätten, würden wir auch alle äußerlichen und inneren Dimensionen des Glaubens, bis hin zum Glanz und Gloria der Religion und deren individuellen und sozialen Dimensionen, kennen. Somit würde jeder Mensch seine wahre Stellung erkennen und seine Pflicht dementsprechend besser erfüllen.

Glaube, wichtigster Weg zur Glückseligkeit

Der Mensch muss in sich den Glauben daran stärken, dass das, was die Religion uns lehrt, für unser Glück und Seeligkeit eine wichtige Rolle spielt. Manchmal ruft die Religion uns auf, über die Schöpfung nachzudenken,[1] und manchmal zählt sie ihre wissenschaftlichen Stärken auf.

Wenn Sachen und Taten als Erlaubt und Verboten (Halal und Haram) eingestuft, und die Menschen dazu aufgerufen wurden, sich daran zu halten, so ist dies nicht, weil Gott davon abhängig ist. Denn Gott ist von allem unabhängig. Diese Verordnungen dienen der Seeligkeit der Menschen. Die Einhaltung dieser Verordnungen dienen dazu, dass der Mensch seine Bedürfnisse deckt, und seine wahre Stellung, für die er erschaffen wurde, einnimmt. Dem Menschen wurden Verordnungen erteilt, die er befolgen muss, wie: Tagesgebet verrichten, Fünftelsteuer und Almosensteuer zahlen, und ... Zu einigen Verordnungen wurde geraten, wie: Beten und Wohltätigkeit, damit ein Leid eines anderen Menschen gelindert wird. Dasselbe gilt auch für die Verbote. Denn Gott verbietet das, was für den Menschen schädlich ist. Dies kann die Nahrungsmittel betreffen, oder auch Bekleidung und Worte. Gott hat auch für die sozialen Kontakte und Vertiefung der zwischenmenschlichen Beziehungen Verordnungen gegeben, die dann die Einigkeit und Zusammenhalt der Menschen – basierend auf Gottes Gebote – stärken. Diese Verordnungen dienen dazu, dass der Mensch bei der Entfaltung seiner wissenschaftlichen, familiären, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen, emotionalen und religiösen Dimensionen nicht in Schwierigkeiten gerät. Man kann den Grund, warum einige bei der keinsten Unannehmlichkeit im Leben depressiv und hoffnungslos werden, sich aus der Gesellschaft zurückziehen, und dabei manchmal sogar zu irrationalen und unmenschlichen Taten – wie Selbstmord – greifen, in der Tatsache finden, dass der Mensch die Religion vergessen hat, und deshalb nicht zu sich selbst findet. Manchmal tragen einige nur das Wort „Moslem“ mit sich. Dabei sind sie überhaupt nicht mit den Regeln und Verordnungen des Islams vertraut. Sie haben niemals versucht, diese Regeln zu verstehen und anzuwenden, um Seeligkeit und Glück zu erlangen.

Die Rolle der Religion bei der Lösung der sozialen Schäden

Die Menschheit hat heute seine Verpflichtungen anderen gegenüber vergessen, und hat nun aus diesem Grund mit Neurosen, psychische Störungen und Unruhen zu kämpfen. Das kommt daher, weil sie den Grund für die Schöpfung der Welt und der Menschen nicht richtig verstanden hat. Die Menschen müssen wieder zur Religion zurückfinden, und sie in ihrer wahren Form erleben. Nur so kann sie sich von allen Schädlingen und Katastrophen befreien, alle destruktiven Bindungen sprengen und letztendlich wieder zur wahren Philosophie der Schöpfung finden. Sie kann mit Reue (Tawba)[2] ihre Bindung zu Gott stärken, denn nur in seiner Obhut findet man wahre Ruhe und menschenwürdige Lebensweise. Gott verspricht im Koran jeden, der zu ihm zurück will, dass er auch Gottes Güte erfährt: „[...] außer denjenigen, die bereuen und verbessern und klar machen. Ihre Reue nehme Ich an, Ich bin ja der Reue-Annehmende und Barmherzige.“[3] Diese Rückkehr zur eigenen Identität ist für den wahren inneren Frieden notwendig! Hier darf man jedoch nicht vergessen, dass die Ratschläge, die einige geben, damit der Geist und die Seele Frieden findet, nichts anderes bewirkt, als den Menschen auf Abwegen zu bringen. Der beste Beweis dafür ist die Tatsache, dass die Bringer dieser Ratschläge selbst keine wahre Ruhe gefunden haben. Der Ratschlag, der den Menschen Ruhe und Frieden bringen kann, kann nur von Gott kommen, der den Menschen ja erschaffen hat. Der Mensch kann nur durch die Bindung zu seinem Schöpfer Glück und Seeligkeit empfinden.

Das heutige Bildungssystem bringt Gott in Vergessenheit

Das heutige Bildungssystem ist so konzipiert, dass dabei Gott und sein Gedenken im praktischen Leben in Vergressenheit gerät. Dies bringt natürlich viele Probleme, und moralische und soziale Konflikte mit sich. Die Religion und deren Lehren müssen ernst genommen werden, damit man mindestens ihre wichtigen Auswirkungen, wie „Ruhe und Sciherheit“ erlebt. Die Anhänger der göttlichen Lehren des Islams müssen sich bemühen, ihren Taten einen religiösen Antrieb zu geben, damit sie diese Konflikte bewältigen können.

Schlusswort

Über die Auswirkung der Regligion auf die Anschauungen, Ansichten und Rechtleitung des Menschen und der Gesellschaft, Bildungs- und Gesundheitsfragen, zwischenmenschlichen Beziehungen und der Umwelt kann man stundenlang Gespräche führen. Sie werden zur gegebenen Zeit ausführlich behandelt.



[1] إِنَّ فِي خَلْقِ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَاخْتِلَافِ اللَّيْلِ وَالنَّهَارِ لَآيَاتٍ لِّأُولِي الْأَلْبَابِ * الَّذِينَ يَذْكُرُونَ اللَّـهَ قِيَامًا وَقُعُودًا وَعَلَىٰ جُنُوبِهِمْ وَيَتَفَكَّرُونَ فِي خَلْقِ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هَـٰذَا بَاطِلًا سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِ   In der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Unterschied von Nacht und Tag liegen wahrlich Zeichen für diejenigen, die Verstand besitzen, die Allahs stehend, sitzend und auf der Seite (liegend) gedenken und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: "Unser Herr, Du hast (all) dies nicht umsonst erschaffen. Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers., Al-i-Imran, Verse 190 und 191

[2] توبه

[3] إِلَّا الَّذِينَ تَابُوا وَأَصْلَحُوا وَبَيَّنُوا فَأُولَـٰئِكَ أَتُوبُ عَلَيْهِمْ ۚ وَأَنَا التَّوَّابُ الرَّحِيمُ, Al-Baqara, Vers 160, ähnliche Koranverse: إِلَّا الَّذِينَ تَابُوا مِن بَعْدِ ذَٰلِكَ وَأَصْلَحُوا فَإِنَّ اللَّـهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌaußer denjenigen, die nach alledem bereuen und rechtschaffen werden, denn Allah ist Allvergebend und Barmherzig, al-Nour, Vers 5, ثُمَّ إِنَّ رَبَّكَ لِلَّذِينَ عَمِلُوا السُّوءَ بِجَهَالَةٍ ثُمَّ تَابُوا مِن بَعْدِ ذَٰلِكَ وَأَصْلَحُوا إِنَّ رَبَّكَ مِن بَعْدِهَا لَغَفُورٌ رَّحِيمٌHierauf wird dein Herr zu denjenigen, die in Unwissenheit Böses tun, aber nach alledem bereuen und (es) wieder gutmachen - gewiß, dein Herr wird danach (zu ihnen) wahrlich Allvergebend und Barmherzig sein, An-Nahl, Vers 119


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