Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 8/5/2017 12:58:00 PM
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Familie im Koran 28 (Segen und positive Auswirkungen der Familie)

Freitagsansprache von 22.07.2016

von Hujjatol Islam val Muslimin Dr. Torabi


Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.


Sie sagten: „Hab keine Angst. Wir verkünden dir einen klugen Knaben.“[1]

Vorwort:

In den vergangenen Predigten haben wir über die Auswirkungen der Familie und Eheleben gesprochen, und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass jeder Mensch viele emotionale Bedürfnisse hat, und die Familie der beste Ort ist, um diese Bedürfnisse zu decken, und moralischen Beistand zu geben. Bedürfnisse, wie: „Liebe“, „Respekt“, „Vergebung“, „emotionale und psychische Sicherheit“, „Anerkennung“, „Selbstbehauptung“. Heute befassen wir uns mit „Lob und Bewunderung“, und die positive Rolle, die die Familie dabei spielen kann.

Erstes Thema: (Bedeutung von Lob)

In dem oben rezitierten Koranvers bringen die Engel dem Propheten Abraham die Botschaft über die Geburt von Ismael. Und noch vor seiner Geburt loben sie dieses Kind, indem sie sagen, wir sind seine Diener. Außerdem nennen sie ihn weise. Sie sagen: „Es ist ein Segen, denn wir verkünden dir einen weisen Knaben.“

Aber was bedeutet Lob, und inwiefern unterscheidet es sich von „Dank und Würdigung“, „Respekt“ und „Liebe“? Jeder dieser Begriffe ist ein vollständig anderes emotionales Bedürfnis, und das, obwohl es nur einen feinen Unterschied zwischen ihnen gibt. Der Unterschied ist wie bei den Vitaminen, von denen ein jeder seine spezifischen Wirkungen hat. Der Mangel an einer dieser Vitamine kann zu Problemen führen. Genauso ist es auch mit den genannten emotionalen Bedüfnissen. Wenn nur ein Bedürfnis gedeckt, und ein anderes außer Acht gelassen wird, kann es bei der Person zu Problemen führen. Kurz gesagt ist „Dank und Würdigung für eine gute Tat, die die Person vollbracht hat“, „Respektierung der Privatsphäre und Einhaltung der sozialen und geistigen Rechte geschieht je nach dem wissenschaftlichen Rang der Person“, „Liebe ist Zuneigung“, „Lob bedeutet Anerkennung und Aufzählung der guten Taten und Fähigkeiten und die positiven Aspekte der Anderen“. Wenn du zum Beispiel deiner kleinen Tochter sagst: „Wie schön und artig du doch bist“ ist es loben. Wenn du sagst: „Liebling, ich liebe dich“, ist dies Zuneigung zeigen. Der Satz „Ich danke dir für deine Hilfe“ bedeutet Würdigung. Und wenn du sie „Fräulein Fatemeh“ rufst, so ist es Respekterweisung.

Zweites Thema:

Beim Lob und Würdigung gibt es drei Methoden:

1.    Nachsicht und Vorbehalt: Manche sind der Ansicht, dass man nicht loben darf. Denn es kann dazu führen, dass derjenige zu stolz (oder wie man das allgemein sagt, eingebildet) wird.

2.    Übertreibung: Einige sind der Ansicht, dass man beim Loben übertreiben muss, damit derjenige, den man lobt, das Gefühl bekommt, etwas wichtiges zu sein und selbstbewusst wird, und andererseits er zum Stolz aller anderen wird.

3.    Grenzenwahrung: Die dritte und eigentlich richtige Methode, die auch vom Koran, dem Propheten und den Unfehlbaren gepriesen wurde, ist die mäßige Methode. Die zweite Methode ist aus diesem Grund nicht richtig, weil sie gelogen und übertrieben ist, und den Menschen in die Irre führt. Die erste Methode ist auch nicht richtig. Wenn gesagt wird: „wenn jemand dich lobt, hat er dich geschlachtet.“[2], bedeutet es nicht, dass es verboten ist, jemanden bei seiner Anwesenheit zu loben. Dies ist auch eine Gefühlsäußerung. Der Koran lobt auf direkter Weise den Propheten. Wenn er sagt: „Und du besitzt großartige Charakterzüge.“[3], hat er dann seinen Propheten geschlachtet? Damit ist vielmehr gemeint, dass man vor der Person ihn nicht loben sollte, denn dies gehört nicht zu den Tugenden. Zweitens, freu dich nicht, wenn sie dich loben, denn nun wird es schwieriger für dich, weil jetzt eine schwere Bürde auf deinen Schultern lastet. Nun musst du deine guten Taten unweigerlich fortsetzen. Hinzu kommt noch, dass der ganze Lob eigentlich Gott, der Geber aller Segen, gebührt. Sonst wirst du, wie der Pharao, oder Korach,[4] all die guten Eigenschaften dir selbst zuschreiben und unweigerlich deine Spiritualität verlieren.

Drittes Thema:

Bis jetzt sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir, in angemessenem Maße, die Menschen vor ihnen oder in ihrer Abwesenheit, loben können.

Doch welche pädagogische Auswirkungen hat denn das Loben anderer? Und welche Voraussetzungen hat es denn?

Das Loben der Frau, der Kinder und der Freunde hat so viele Vorzüge, dass es zu einem emotionalen Bedürfnis geworden ist:

Erstens erfreut es die Person und ermutigt ihn, die Tat fortzusetzen.

Zweitens stärkt es das Selbstbewusstsein.

Drittens räumt es mit Missverständnissen auf.

Viertens schafft es die Grundlage zur Kritikausübung.

Ein Lob kann den Menschen, selbst in Stresssituationen, beruhigen und ihm Sicherheit geben. Aus diesem Grund benötigt der Mensch, immer wieder von den Anderen gelobt zu werden. Natürlich aber, wie schon gesagt, in gemäßtigter Form, und unter bestimmten Bedingungen, wie:

Der Lob darf nicht gelogen sein. Keiner darf sagen: Mein Ehepartner oder meine Kinder haben nichts zu loben. Wenn ich sie lobe, dann ist es gelogen. Da muss man denen sagen: Sie sind ungerecht. Ihr müsst eure Sichtweise ändern. Gott hat kein Lebewesen erschaffen, was nichts positives und lobenswertes hat. Jesus hat einmal einen toten Hund gesehen und sagte dabei: Was für weiße Zähne! Damit wollte er seinen Jüngern lehren, das Schöne in allem zu sehen.

-     Der Lob muss gerecht, und darf nicht übertrieben sein. Er darf die anderen nicht in die Irre führen.

-     Der Lob muss zur angemessenen Zeit und an angemessener Stelle sein.

-     Und noch weitere Bedingungen

Viertes Thema

Es gibt im Koran und in den Überlieferungen viele Beispiele fürs Loben. Sie zu behandeln könnte besonders lehrreich sein. Doch leider fehlt uns hier die Zeit dafür. Kurz gesagt: Seien wir nicht wie die Fliegen, die die Schwachstellen angreifen. Seien wir wie die Schmetterlinge und Honigbienen, die überall, wo sie etwas gutes oder schöndes sehen, die Gelegenheit nutzen.

Auch was wir loben, und wie wir es loben, muss ausführllich behandelt werden – doch hierbegnügen wir uns nur mit deren Auflistung: Positive Charakterzüge, wie schönes Aussehen, positive Eigenschaften, wie Gewissenhaftigkeit, Einsatz, Verständnis, Intelligenz, wissenschaftliche und künstlerische Fähigkeiten und auch Glaube und gute Taten sollten gelobt werden.

 



[1] قَالُواْ لاَ تَوْجَلْ (لاتخف) إِنَّا نُبَشِّرُكَ (وَبَشَّرُوهُ) بِغُلامٍ عَلِيمٍ, al-Hijr, Vers 53, (Ad-Dharriyat, Vers 28)

[2] من مدحک ذبحک

[3] وَإِنَّكَ لَعَلَىٰ خُلُقٍ عَظِيمٍ al-Qalam, Vers 4

[4] Anführer eines Aufstands gegen Mose während des Exodus des Volkes Israel


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