Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188691
Datum der Veröffentlichung : 7/28/2017 11:04:00 AM
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Die Religiöse Lebensweise (16)


Freitagsansprache von 23.06.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.


Die Art und Weise, wie sich gläubige und nicht-gläubige Menschen gegenüber Katastrophen, Probleme und Hindernisse verhalten, ist unterschiedlich. Denn gläubige Menschen – mit einer göttlichen Weltanschauung – versuchen, eine genaue und tiefgründige Definition der Ereignisse, basierend auf die religiösen Lehren, zu finden. Denn sie wissen, dass sie nur dann die Vollkommenheit erreichen, wenn sie sich vermehrt bemühen und die Probleme aushalten. Daher ist so ein Mensch, der mit Ausdauer und solcher Denkweise, den Problemen entgegentritt, ein reifer gläubiger Mensch. So ein Mensch sieht in den Qualen und Hindernissen einen Weg, Kenntnis und eine individuelle Reife zu erlangen, und dshalb handelt er auch dementsprechend. Außerdem versucht er keine voreiligen Schlüsse bezüglich dieser Leiden zu ziehen, sondern versucht, mit einem weisen und religionsorientierten Blick, richtige Schlussfolgerungen zu ziehen, und sie in seinem Leben einzusetzen. Diese Ansichtsweise stellt eine Verbindung zwischen Leiden und Erleichterung her, und bringt den Menschen dazu, sich den Tatsachen zu stellen. Der Kroan sagt diesbezüglich: „فَإِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا  * إِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا Wahrlich, mit der Erschwernis gibt es eine Erleichterung * Ja, mit der Erschwernis gibt es eine Erleichterung.“[1] In diesen Koranversen sagt Gott, dass Erschwernis gemeinsam mit Erleichterung kommt, und nicht, dass nach den Erschwernissen Erleichterung kommt. Damit will gesagt werden, dass die Erleichterung im Herzen der Erschwernis eingepflanzt wurde, und sie miteinander einhergehen.[2]

Wie verhält man sich bei Problemen und Schwierigkeiten

Ein gläubiger Mensch muss den Schwierigkeiten mit Geduld entgegentreten, so dass er in einem Problem die Gelegenheit erkennt, sich zu verbessern und zu wachsen, mit einer genauen Planung, die Probleme zu bewältigen, und sie nicht als eine Bedrohung zu sehen. Weise Menschen behandeln die Schwierigkeiten und Katastrophen mit Geduld und Planung, so dass sie aus diesen Gefahren und Ängste, die durch die Qualen und Leiden und Katastrophen entstehen, Hoffnungen und Gelegenheiten für sich, ihrer Familie und das Sozialleben schöpfen. Aus diesem Grund werden sie auch die Kraft besitzen, die Leiden – egal, ob geerbte, gesetzliche oder humane – zu managen, und sie zu bezwingen, anstatt nur eine Abwehrhaltung einzunehmen. Vielleicht ist es auch aus diesem Grund, warum die Berufung der Propheten und deren Aufgabe das Aufblühen der Vernunft ist, das Nachdenken über die islamsichen Lehren ein Gebet und eine wertvolle Tat ist, und die islamische Schule der Vernunft Gewichtigkeit beiwohnt.[3]

Rolle der Vernunft bei der Begegnung mit Schwierigkeiten und Problemen

Die Vernunft legt bei der Begegnung mit Problemen den Weg der Ausdauer ein und managt sie richtig. Was dabei zu beachten ist, ist, dass Gott die Erschaffung der Menschen mit Leiden und Schwierigkeiten einhergebracht hat, damit dieser mit eigenen Willen die Probleme bewältigt. Der Koran sagt in diesem Zusammenhang: „لَقَدْ خَلَقْنَا الْإِنْسانَ في‏ كَبَد Wir haben den Menschen ja (zu einem Leben) in Mühsal erschaffen.“[4] In Wahrheit ist also der Mensch in irgendeiner Weise mit Schwierigkeiten verbunden. Imam Bagher sagt dazu: „إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَ جَلَّ لَيَتَعَاهَدُ الْمُؤْمِنَ بِالْبَلَاءِ كَمَا يَتَعَاهَدُ الرَّجُلُ أَهْلَهُ بِالْهَدِيَّة Gott sucht seinen gläubigen Untertanen auf, und bringt ihm Probleme, genauso wie ein Mann auf Reisen für seine Familie Geschenke bringt.“[5] An einer anderen Stelle wird von Imam Sadegh überliefert: „إِنَّ اللَّهَ إِذَا أَحَبَّ عَبْداً غَتَّهُ بِالْبَلَاءِ غَتّاً Wenn Gott einer seine Untertanen sehr liebt, so versetzt er ihn in ein Meer von Nöten“[6]

Die pädagogische Auswirkung der Philosophie der Schwierigkeiten und Widrigkeiten

Die Kentnisse über die Geheimnisse und Auswirkungen der Katastrophen und Nöten erhöhen in dem Menschen – aus pädagogischer Sicht – die Kapazität, die Widrigkeiten erdulden zu können. Gott stellt aus Weisheit diese Schwierigkeiten vor den Menschen, damit der Mensch aus sich hinauswächst und erfahren wird, um auf den Weg zur Vollkommenheit zu gelangen. Aus diesem Grund muss er auch für die Gaben dankbar sein, und gegenüber den Widrigkeiten Geduld aufweisen. Mit so einem göttlichen Blick sieht der Mensch in den Katastrophen auch einen Segen Gottes für sich, damit er sich auf den Pfad der individuellen und sozialen Selbstkenntnis und Aufblühen begeben kann. Denn so kann er seinen Geist polieren, die Moral stärken, und seine Kräfte trainieren. So eine Sichtweise gegenüber den alltäglichen Problemen im Leben können die falschen Gedanken korrigieren und die Motivationen beleben und die Sichtweisen klären. Wenn also die Philosophie der Katastrophen und Leiden richtig erkannt wird, wird auch die Tatsache, dass der Mensch auf dem Weg zur Vollkommenheit, durch Schwierigkeiten hindurch muss, kar und deutlich. Andererseits werden sonst das Aufblühen der Talente, Erziehung, Streben nach Vollkommenheit und die Umsetzung der Talente bedeutungslos. Aus diesem Grund rät auch der Islam zum Nachdenken und Analyse der Probleme und Schwierigkeiten, bis der Mensch eine richtige und logische Definition davon hat, so dass er nicht von ihnen überrascht wird, alle Widrigkeiten und Probleme als eine wertvolle Gelegenheit sieht, um sich zu erziehen. Er hofft stets, dass mit einem richtigen Management der Weg zu einem vollkommenen Mensch geebnet wird.

 



[1] Ash-Sharh, Verse 5 und 6

[2] Motahari, Morteza, Göttliche Gerechtigkeit, (gesammelte Werke), Band 1, S. 175, Teheran – Qom, Sadra, 8. Auflage, 1377 nach dem iranischen Kalender

[3] Ebenda, 15 Weisheiten (gesammelte Werke), Band 21, S.484, der vollkommene Mensch (gesammelte Werke), Band 23, S. 184 – 186

[4] Al-Balad, Vers 4

[5] Kellini, Mohammad bin Yaghoub, al-Kafi, Band 2, S. 255, Überlieferung 17, Teheran, Darol Kotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[6] Ebenda, S. 253, Überlieferung 6



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