Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 188364
Datum der Veröffentlichung : 7/14/2017 12:44:28 PM
Aufrufe : 138

Islamkunde 179 – Islam und moralische Rechte 24


Freitagsansprache von 20.05.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Recht des Kindes

Einer der Pflichten der Eltern, nachdem sie Kinder bekommen haben, ist ihre angemessene Erziehung. So erhält das Kind von den Eltern Rechte, die die Eltern erkennen müssen. Imam Sadjad sagt in diesem zusammenhang:

وَ أَمَّا حَقُّ وَلَدِكَ فَتَعْلَمُ أَنَّهُ مِنْكَ وَ مُضَافٌ إِلَيْكَ فِي عَاجِلِ الدُّنْيَا بِخَيْرِهِ وَ شَرِّهِ وَ أَنَّكَ مَسْئُولٌ عَمَّا وُلِّيتَهُ مِنْ حُسْنِ الْأَدَبِ وَ الدَّلَالَةِ عَلَى رَبِّهِ وَ الْمَعُونَةِ لَهُ عَلَى طَاعَتِهِ فِيكَ‏ وَ فِي نَفْسِهِ فَمُثَابٌ عَلَى ذَلِكَ وَ مُعَاقَبٌ فَاعْمَلْ فِي أَمْرِهِ عَمَلَ الْمُتَزَيِّنِ بِحُسْنِ أَثَرِهِ عَلَيْهِ فِي عَاجِلِ الدُّنْيَا الْمُعَذِّرِ إِلَى رَبِّهِ فِيمَا بَيْنَكَ وَ بَيْنَهُ بِحُسْنِ الْقِيَامِ عَلَيْهِ وَ الْأَخْذِ لَهُ مِنْهُ وَ لا قُوَّةَ إِلَّا بِاللَّه

Das Recht deines Kindes ist, dass dir klar wird, dass es von dir abhängig ist. In diesem Leben hängt sein Seelenheil und Übel von dir ab. Du bist dafür verantwortlich, dass du ihn gut erziehst und ihn zu der Vollkommenheit, die Gottes verkündet, leitest! Und ihn bei der Befolgung Gottes Lehren unterstützt! Handle wie jemand, dem klar ist, dass er für seine Taten belohnt wird! Und wenn er seine Aufgaben vernachlässigt und sein Kind auf Abwägen gerät, wirst er dann dafür bestraft. Also handle bei der Erziehung des Kindes richtig! Damit das Gute in dieser Welt gespürt wird, und zu Gott, aufgrund deiner gerechten Erziehung und deren Ergbnis, eine Bindung entsteht. Es gibt keine Macht außer von ihm.[1]

Richtige Erziehung, das wichtigste Recht der Kinder

Ein wichtiger Punkt, der in diesen Worten zu sehen ist, ist, dass das Kind in Wahrheit dir in Obhut gegeben wurde. Der Vater und die Mutter müssen als Treuhänder alle Grundlagen der Erziehung ihres Kindes beachten, damit seine Potentiale richtig erblühen, und das Kind aufwächst. Die Eltern müssen realisieren, dass das Kind von ihnen stammt, und von ihnen abhängig ist. Daher liegt auch die Verantwortung der Erziehung und Rechtleitung bei ihnen. Aus diesem Grund müssen sie ihn auf den rechten Weg leiten, und ihm die notwendigen Rituale beibringen. Sie müssen ihn vor Bedrohungen schützen, damit, falls die Gesellschaft auf Abwegen gerät, er nicht vom rechten Weg abkommt. Die Fürsorge des Kindes und Beachtung seiner Gesundheit und Glückseligkeit sind auch wichtige Aspekte, denen besondere Beachtung geschenkt werden muss. Daher müssen die Eltern für das Kind alles Lebensnotwendige bereitstellen, und falls sie nicht mit allen Erziehungsaspekten vertraut sind, müssen sie dies den Pädagogen, die mit der Erziehung vertraut sind überlassen, und ihn überwachen,damit er nicht auf Abwegen gerät.

Verschiedene Alterstufen bedürfen unterschiedliche Beachtungen

Es ist klar und eindeutig, dass die Eltern ihre Kinder liebevoll behaneln, und für ihre Sicherheit sorgen müssen. Weiterhin sollte ihnen klar sein, dass Mädchen und Jungs unterschiedliche Stufen durchgehen, bis sie die Pubertät erreichen, welche auch kritisch sein könnten. Daher müssen sie die Kinder mit Hilfe von Pädagogen bei Überwindung dieser kritischen Phasen unterstützen.

Weitere Rechte der Kinder

In den Koranversen und Überlieferungen werden neben den pädagogischen Aspekten auch weitere Themen wie, Wahl eines geeigneten Namens, und besondere Aufsicht bei der Erziehung erwähnt. Imam Sadegh sagt in diesem Zusammenhang:

وَ تَجِبُ لِلْوَلَدِ عَلَى وَالِدِهِ‏ ثَلَاثُ‏ خِصَالٍ اخْتِيَارُهُ لِوَالِدَتِهِ وَ تَحْسِينُ اسْمِهِ وَ الْمُبَالَغَةُ فِي تَأْدِيبِه‏

Drei Verpflichtungen lasten im Bezug auf des Sohnes auf die Schultern des Vaters: eine gute Mutter für ihn wählen, einen guten Namen aussuchen und sich sehr für die Erziehung einsetzen.[2] In einigen Überlieferungen wird auch – zur richtigen Erziehung des Kindes – geraten, Gott um Hilfe zu bitten. Also ist es nur Ratsam, wenn diese Ratschläge eingehalten werden. Imam Sadjad sagt in diesem Zusammenhang:

وَ أَعِنِّي عَلَى‏ تَرْبِيَتِهِمْ‏ وَ تَأْدِيبِهِمْ‏، وَ بِرِّهِمْ

Gott, hilf mir bei der Erziehung und bei der liebevollen Behandlung meiner Kinder[3]

In den Überlieferungen wird betont, dass bei der Wahl eines Namens durch die Eltern, bedeutungsreiche Namen gewählt werden sollten.[4]

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass kein Unterschied zwischen Mädchen und Jungs gemacht werden darf. Was wichtig ist, ist, dass den Eltern die Kinder in Obhut gegeben worden sind. Sie müssen also so erzogen werden, dass sie zum Stolz der Eltern und der Gesellschaft werden. Also je mehr man sich für die Erziehung der Kinder einsetzt, desto mehr Nutzen werden sie – wenn sie erwachsen werden – sich selbst, den Eltern und der Gesellschaft bringen. So gesehen müssen die Eltern dieses Recht (angemessene Erziehung) besonders ernst nehmen. Sie dürfen dies nicht unter verschiedenen Vorwänden – wie Arbeit oder was anderes, vernachlässigen. Außerdem müssen sie wissen, dass eine Erziehung sich nicht auf die Ernährung und körperliche Gesundheit beschränkt. Alle Dimensionen seines Wesens müssen in betracht gezogen werden – von denen ein jeder dann zu seiner Zeit aufblüht. Wenn einer dieser Dimensionen nicht richtig Beachtung geschenkt wird, gerät auch die Zukunft des Kindes in Gefahr. Dies zeigt sich besonders in seinem Geist und seiner Seele. Also sind die Eltern für alle Dimensionen der Existenz eines Kindes verpflichtet, und nicht nur – wie einige Eltern denken – für die Ernährung und das Wachstum.

Außerdem müssen die Eltern sich darum bemühen, den Kindern den Koran beizubringen. Denn der Koran ist das Buch des Lebens, und das Kind muss seinen Lebensweg, auf Basis dem, was im Koran steht, bestimmen. Die Eltern müssen ihre Kinder liebevoll behandeln, sie lieben und gütig mit ihnen sein. Und wenn sie dem Kind ein Versprechen geben, dann müssen sie es auch einhalten, sie zur gegebenen Zeit küssen, und alle ihre Kinder gleichermaßen lieben. Der Prophet des Islams (gegrüßet sei er) sagt diesbezügich: „أَحِبُّوا الصِّبْيَانَ‏ وَ ارْحَمُوهُمْ وَ إِذَا وَعَدْتُمُوهُمْ شَيْئاً فَفُوا لَهُمْ فَإِنَّهُمْ لَا يَدْرُونَ إِلَّا أَنَّكُمْ تَرْزُقُونَهُمْ Liebet eure Kinder und geht mit ihnen liebevoll um. Wenn Ihr ihnen was verspricht, haltet euch an eure Versprechen, denn die Kinder glauben, dass ihre Väter ihre Ernährer sind.“[5] Über das Küssen der Kinder sagt er: „‏قَبِّلُوا أَوْلَادَكُمْ‏ فَإِنَّ لَكُمْ بِكُلِّ قُبْلَةٍ دَرَجَةً فِي الْجَنَّةِ مَا بَيْنَ كُلِّ دَرَجَتَيْنِ خَمْسُمِائَةِ عَام‏؛ Küsst eure Kinder, denn für jeden Kuss hebt Gott euch in einer höhere Stellung, die 500 Jahre voneinander entfernt sind.“[6] Man darf jedoch nicht mit der Liebe übertreiben, denn es schadet sowohl den Eltern, als auch den Kindern. Imam Bagher sagt in diesem Zusammenhang: „شَرُّ الآباءِ مَن دَعاهُ البِرُّ إلَى الإِفراطِ، وشَرُّ الأَبناءِ مَن دَعاهُ التَّقصيرُ إلَى العُقوق Die schlechtesten Väter sind die, die bei der Liebe und Fürsorge für das Kind übertreiben. Und die schlechtesten Kinder sind die, die ihre Pflichten vernachlässigen, und deshalb ihre Väter mit ihnen unzufrieden sind.[7]



[1] Ibn Sha´ba Harrani, Hassan bin Ali, Tohfa al-Oqul, S. 263, Qom, Djameeh Modarressin, 2. Auflage, 1404 nach dem Mondkalender

[2] Ebenda, S. 322

[3] Sahifat al-Sadjadiah, ، وَ كَانَ مِنْ دُعَائِهِ عَلَيْهِ السَّلَامُ لِوُلْدِهِ, Gebet 25

[4]قال رسول الله (ص): حَقُّ الوَلَدِ عَلى‏ والدِهِ أن يُحسِنَ اسمَهُ, Das Recht des Kindes gegenüber dem Vater ist, dass er dem Kind gute Namen aussucht“, Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, Min la yahzaro al-Faqih, Band 4, S. 372, Überlieferung 5762, Qom, Büro für islamische Publikationen, 2. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender

[5] Kellini, Mohammad bin Yaghoub bin Ishaq, al-Kafi, Band 6, S. 49, Überlieferung 3, Teheran, Dar ol-Kotob al-Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[6] Tabarassi, Hassan bin Fazl, Makarem al-Akhlaq, S. 220 Qom, Sharif Razi, 4. Auflage, 1370 nach dem iranischen Kalender.

[7] Al-Abazari, ahmad bin Yahya, Ansab al-Ashraf, Band 4, S. 84, eine Forschung von Abdulaziz al-Duri, Beirut, Djamiat al-Mostashreqin al-Almaniah, 1398 nach dem Mondkalender, und al-Yaqubi, Tarikh al-Yaqubi, Band 2, S. 320, Beirut, Dar Sadir, Bita

.


Kommentar



Zeige nichtöffentliche