Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188363
Datum der Veröffentlichung : 7/14/2017 12:36:56 PM
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Islamkunde 175 – Islam und moralische Rechte 20


Freitagsansprache von 22.04.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den vorherigen Rede haben wir darauf hingewiesen, dass das Oberhaupt die Menschen gerecht behandeln muss. Und wir haben auch gesagt, dass dieses gerechte Verhalten des Oberhauptes einer der wichtigsten Rechte der Menschen ist. Mit anderen Worten, müssen die Rechte aller Menschen eingehalten werden, niemand darf ungerecht behandelt werden. Imam Ali meint: Gerechtes Handeln ist ein allgemeines Gesetz. Daher ist auch Gerechtigkeit ehrenvoller und wichtiger als Großzügigkeit und Güte. Denn Gerechtigkeit weist alles zurecht, doch Großzügigkeit und Güte – ohne Gerechtigkeit – führen zu Über- und Untertreibungen, was wiederum dazu führt, dass jemand, mehr als ihm zusteht, bekommt.[1]

Von Imam Sadegh wird überleifert, wie er sagt: „Gerechtigkeit ist süßer als Wasser, das ein Durstiger bekommt. Wie weitgreifend ist die Gerechtigkeit, wenn gerecht gehandelt wird, selbst wenn es wenig ist.“[2]

Imam Ali sagt in einer anderen Rede: „Das Oberhaupt darf sich nicht an Titulierungen laben, ohne etwas zu tun. Sondern er muss versuchen, den Leidtragenden Nachzufühlen und sich für die Minderung ihres Leides beheben.

Soll ich mich damit begnügen, dass man mich “Befehlshaber der Gläubigen“ [amir al-mu´minin], nennt, während ich mit ihnen nicht die Unbill der Zeiten teile? (Es wird niemals so sein)[3]

Aufgaben des Oberhauptes

Imam Sadjad zufolge muss ein gerechtes Oberhaupt, wie ein liebevoller Vater sein und jeden einzelnen Bürger wie seinen eigenen Sohn betrachten, und unter ihnen Gerechtigkeit walten lassen. Er darf nicht ihnen gegenüber Gütig sein. Imam Ali weist in seinem bekannten Brief an „Malek Ashtar Nakhaei“ auf diesen Punkt hin, und sagt:

Lass dein Herz die Barmherzigkeit gegenüber den Untertanen fühlen sowie die Liebe und Freundlichkeit ihnen gegenüber, und stehe nicht über ihnen wie reißende Raubtiere, die ihre Nahrung erbeuten, denn sie sind von zweierlei Art: Entweder dein Bruder in der Religion, oder dir in der Schöpfung gleich.[4]

Vollkommenheit der Gesellschaft von der Respektierung der gegenseitigen Rechte der Bürger und des Oberhauptes

Wenn in einer religiösen Gesellschaft die Bürger und das Oberhaupt ihre gegenseitigen Rechte kennen und einhalten, wird diese Gesellschaft in jeder hinsicht aufblühen. Aus diesem Grund sagt Imam Ali: „Aber das Größte, was Er, Der Erhabene von jenen Rechten zur Pflicht gemacht hat, ist das Recht des Herrschers über den Untertan, und das Recht des Untertanen über den Herrscher, eine Verpflichtung, die Allah der Erhabene jedem gegenüber jedem auferlegt hat, und Er machte sie zu einem System für ihre Zuneigung (untereinander) und als eine Ehre für ihre Religion. Denn der Untertan kann nicht rechtschaffen sein, wenn die Herrscher nicht rechtschaffen sind, und die Herrscher können nicht rechtschaffen sein ohne die Redlichkeit der Untertanen. So wenn dann die Untertanen das Recht des Herrschers erfüllen, und wenn der Herrscher ihnen ihr Recht erfüllt, dann wird das (gegenseitige) Recht (übereinander) geehrt, die Wege der Religion werden begradigt, die Symbole der Gerechtigkeit aufgerichtet, und die (richtigen) Verfahrensweisen [sunan] gehen ihren Weg. So werden damit die Zeiten besser, die Beständigkeit des Staates wird ersehnt, und die ehrgeizigen Hoffnungen der Feinde werden enttäuscht werden.“[5]

Weiterhin sagt er : Doch wenn die Untertanen ihren (gerechten) Herrscher überwältigen oder der Herrscher seine Untertanen unterdrückt, dann wird (unter den Leuten) Unterschiedliches geredet, die Symbole der Tyrannei treten in Erscheinung, die Verdorbenheiten in der Religion werden zahlreich, die Pfade der Verfahrensweise [sunna] werden verlassen, es wird nach Lust und Laune gehandelt, die Gesetze werden außer Kraft gesetzt, die Krankheiten der Seelen vermehren sich, und es wird nicht davor zurückgeschreckt, dass (selbst) schwerwiegende Rechte außer Kraft gesetzt werden und große Falschheit begangen wird! Und in diesen (Umständen) werden die Frommen gedemütigt, die Bösartigen geehrt, und die Konsequenzen vonseiten Allahs dem Erhabenen sind schwer unter den Dienern.[6]

Wenn man den Inhalt dieser Reden sich genauer anschaut, sieht man, dass Imam Ali auf die Ursachen des Fortbestandes der Regierung und Frieden und Freundschaft unter den Bürgern hinweist und sie genau analysiert. Er sagt: Wenn eine Gesellschaft seelig werden will, so sind diejenigen, die in irgendeiner Weise für die Umsetzung der Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit verantwortlich sind, verpflichtet, ihren Aufgaben nachzugehen. Denn, wenn das Oberhaupt und die Bürger ihre Pflichten vernachlässigen, wird auch die Gesellschaft auf Abwegen geraten. Also wenn die Regierung den Ungläubigen in die Hände fällt, werden auch die Zeichen der Gerechtigkeit, des Glaubens, und der menschlichen Werte schwinden, und Unterdrückung und Abwegigkeit wird dann anstelle von Sicherheit und Gerechtigkeit erscheinen. Was eindeutig ist, ist, dass das Oberhaupt durch seine Gerechtigkeit und Fürsorge die Gesellschaft leiten soll. In so einer Situation müssen auch die Bürger ihren Pflichten nachgehen, sich an den Schwur, den sie gegenüber dem Oberhaupt geleistet haben, halten und ihm folgen.

Das Recht des Volkes aus der Sicht von Imam Sadjad

Aus der Sicht von Imam Sadjad muss ein gerechtes Oberhaupt für diesen Segen, den Gott ihm gegeben hat, dankbar sein, und nicht vergessen, dass diese Macht ihm in Treuhand gegeben wurde, damit dieser verhindert, dass den armen Menschen unrecht zugetan wird. Es muss diese Macht als eine Leihgabe sehen, woran es geprüft wird. Daher ist es angebracht, dass er jeden Augenblick für diesen Segen Dankbarkeit erweist.



[1]وَ سُئِلَ(ع) أَيُّهُمَا أَفْضَلُ الْعَدْلُ أَوِ الْجُودُ؟ فَقَالَ(ع) الْعَدْلُ‏ يَضَعُ‏ الْأُمُورَ مَوَاضِعَهَا وَ الْجُودُ يُخْرِجُهَا مِنْ جِهَتِهَا.

Und er  (a.) wurde gefragt: Wer von den beiden ist besser: Gerechtigkeit oder Großzügigkeit?“, und er (a.) sagte daraufhin: Die Gerechtigkeit sorgt dafür, dass die Dinge an ihrem (angemessenen) Platz sind, und die Großzügigkeit führt sie von ihren (eigentlichen) Stellen heraus.“, Nahjolbalaqe, Weisheit, 437

[2] Kelini, Mohammad bin Yaghoub, al-Kafi, band 2, S. 146, Überlieferung 11, Teheran, Darolkotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[3] Nahjulbalaqe, Brief 45

[4] Nahjulbalaqe, Brief 53

[5] وَ أَعْظَمُ‏ مَا افْتَرَضَ‏ سُبْحَانَهُ مِنْ تِلْكَ الْحُقُوقِ حَقُّ الْوَالِي عَلَى الرَّعِيَّةِ وَ حَقُّ الرَّعِيَّةِ عَلَى الْوَالِي فَرِيضَةٌ فَرَضَهَا اللَّهُ سُبْحَانَهُ لِكُلٍّ عَلَى كُلٍّ فَجَعَلَهَا نِظَاماً لِأُلْفَتِهِمْ وَ عِزّاً لِدِينِهِمْ فَلَيْسَتْ تَصْلُحُ الرَّعِيَّةُ إِلَّا بِصَلَاحِ الْوُلَاةِ وَ لَا تَصْلُحُ الْوُلَاةُ إِلَّا بِاسْتِقَامَةِ الرَّعِيَّةِ فَإِذَا أَدَّتْ الرَّعِيَّةُ إِلَى الْوَالِي حَقَّهُ وَ أَدَّى الْوَالِي إِلَيْهَا حَقَّهَا عَزَّ الْحَقُّ بَيْنَهُمْ وَ قَامَتْ مَنَاهِجُ الدِّينِ وَ اعْتَدَلَتْ مَعَالِمُ الْعَدْلِ وَ جَرَتْ عَلَى أَذْلَالِهَا السُّنَنُ فَصَلَحَ بِذَلِكَ الزَّمَانُ وَ طُمِعَ فِي بَقَاءِ الدَّوْلَةِ وَ يَئِسَتْ مَطَامِعُ الْأَعْدَاءِ.Nahjulbalaqe, 216. Predigt

[6] وَ إِذَا غَلَبَتِ الرَّعِيَّةُ وَالِيَهَا أَوْ أَجْحَفَ الْوَالِي بِرَعِيَّتِهِ اخْتَلَفَتْ هُنَالِكَ‏ الْكَلِمَةُ وَ ظَهَرَتْ مَعَالِمُ الْجَوْرِ وَ كَثُرَ الْإِدْغَالُ فِي الدِّينِ وَ تُرِكَتْ مَحَاجُّ السُّنَنِ فَعُمِلَ بِالْهَوَى وَ عُطِّلَتِ الْأَحْكَامُ وَ كَثُرَتْ عِلَلُ النُّفُوسِ فَلَا يُسْتَوْحَشُ لِعَظِيمِ حَقٍّ عُطِّلَ وَ لَا لِعَظِيمِ بَاطِلٍ فُعِلَ فَهُنَالِكَ تَذِلُّ الْأَبْرَارُ وَ تَعِزُّ الْأَشْرَارُ وَ تَعْظُمُ تَبِعَاتُ اللَّهِ سُبْحَانَهُ عِنْدَ الْعِبَادِ. Ebenda


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