Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 187080
Datum der Veröffentlichung : 5/4/2017 7:32:00 AM
Aufrufe : 1948

Dreitägige Tagung des Kulturzentrums „Islamischer Weg“ im islamischen Zentrum Hamburgs

Das IZH war vom 28. bis 30. April 2017 Gastgeber von über 400 deutschsprachigen MuslimInnen sowie Nicht-MuslimInnen, die auf Einladung des Vereins „Islamischer Weg e.V.“ aus Österreich, der Schweiz und aus den verschiedensten Städten Deutschlands in das Islamische Zentrum Hamburg angereist sind.


Bericht über den Vortrag Ayatollah Dr. Ramezanis bei der 22. Islamischen Tagung deutschsprachiger Muslime des „Islamischen Weg e.V.“ im Islamischen Zentrum Hamburg

Das IZH war vom 28. bis 30. April 2017 Gastgeber von über 400 deutschsprachigen MuslimInnen sowie Nicht-MuslimInnen, die auf Einladung des Vereins „Islamischer Weg e.V.“ aus Österreich, der Schweiz und aus den verschiedensten Städten Deutschlands in das Islamische Zentrum Hamburg angereist sind.

Ayatollah Dr. Reza Ramezani, Imam und Leiter des IZH, beehrte am Samstag das Vormittagsprogramm der Tagung. Nach einem einstündigen Vortrag folgte eine ausführliche und spannende Frage-Antwort-Runde.

Ayatollah Ramezani begrüßte zunächst alle TagungsteilnehmerInnen und sagte über die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen:

"Ich freue mich erneut, im Kreise junger Gläubiger wie Sie zu sein, und danke Gott für diesen himmlischen Segen. Weiterhin möchte ich mich bei den Veranstaltern dieser wertvollen Tagung bedanken. Einer der Besonderheiten solcher Veranstaltungen ist, dass sie sich jedes Mal mit einem grundlegenden Thema befasst, was die Jugendlichen in Europa beschäftigt. Es wird debattiert und verschiedene Ansichtspunkte werden zur Sprache gebracht. So werden die Jugendlichen mit der reichhaltigen Kultur des Islam vertraut. Solche Programme und der Kontakt mit Jugendlichen sollten im Laufe des Jahres fortgesetzt und dabei Themen wie verschiedene Lehren, Ansichten, Ethik und Sorgen der Jugendlichen behandelt werden. Dies ist besonders in der heutigen Zeit, wo es viele Unklarheiten in Bezug auf die Religion gibt, notwendig."

 

Anschließend erläuterte er über die Sendung der Propheten:

"Im Laufe der Geschichte gab es stets extremistische Ansichten über die göttlichen Propheten. Einige erhoben sie bis zur Gottheit und – Gott behüte – glaubten, sie seien Götter oder die Kinder Gottes. Und einige andere wiederum sahen in den Propheten nichts Anderes als ganz normale Menschen. Doch aus Sicht des Koran haben die Gesandten Gottes zwei Dimensionen: einmal die irdische und menschliche Dimension und einmal die himmlische und mystische. Gemäß der religiösen Lehren muss ein Gesandter Gottes in erster Linie ein Mensch sein, denn Er soll ein Vorbild für die Menschheit darstellen. Andererseits ist Er der Botschafter Gottes und will die Worte Gottes empfangen und sie dann den Menschen verkünden, weshalb Er wiederum eine höhere Stellung als die Menschen haben und himmlische Eigenschaften  besitzen muss.

Gott spricht in der Sure Kahf, Vers 110:
قُلْ إِنَّمَا أَنَا بَشَرٌ مِّثْلُكُمْ يُوحَىٰ إِلَيَّ
Sprich: "lch bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist offenbart worden.“

Hier wird verdeutlicht, dass die Propheten auch Menschen sind, aber keine gewöhnlichen. Zwar sind die Gesandten Gottes keine Übermenschen, doch haben sie vor Gott eine sehr erhabene Stellung, die über die des "gewöhnlichen" Menschen liegt. Denn nur ein Prophet hat die Gnade und Würde, die Botschaft Gottes zu empfangen und mit den Engeln zu kommunizieren."

Der Vertreter der höchsten schiitischen Gelehrte in Europa wies anschließend auf den Vers 157 der Sureh 'Araf hin und fügte hinzu:

Der erhabene Gott beschreibt in diesem Vers einen wahren Gläubigen so:
الَّذِينَ يَتَّبِعُونَ الرَّسُولَ النَّبِيَّ الْأُمِّيَّ الَّذِي يَجِدُونَهُ مَكْتُوبًا عِندَهُمْ فِي التَّوْرَاةِ وَالْإِنجِيلِ يَأْمُرُهُم بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَاهُمْ عَنِ الْمُنكَرِ وَيُحِلُّ لَهُمُ الطَّيِّبَاتِ وَيُحَرِّمُ عَلَيْهِمُ الْخَبَائِثَ وَيَضَعُ عَنْهُمْ إِصْرَهُمْ وَالْأَغْلَالَ الَّتِي كَانَتْ عَلَيْهِمْ  فَالَّذِينَ آمَنُوا بِهِ وَعَزَّرُوهُ وَنَصَرُوهُ وَاتَّبَعُوا النُّورَ الَّذِي أُنزِلَ مَعَهُ  أُولَـٰئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ
„Die dem Gesandten folgen, dem ungelehrigen Propheten, den sie bei sich in der Tora und im Evangelium verzeichnet finden. Er befiehlt ihnen das Rechte und verbietet ihnen das Verwerfliche, er erlaubt ihnen die köstlichen Dinge und verbietet ihnen die schlechten, und er nimmt ihnen ihre Last und die Fesseln, die auf ihnen lagen, ab. Diejenigen nun, die an ihn glauben, ihm beistehen, ihn unterstützen und dem Licht, das mit ihm herabgesandt worden ist, folgen, das sind die, denen es wohl ergeht.“

In den schiitischen Überlieferungsquellen steht, dass Gott für die Rechtleitung der Menschheit 124.000 Gesandte [arabisch = Nabi] entsandt hat. Gemeint sind diejenigen, die mit Gott in direkter Verbindung standen und aufgrund ihrer hohen Stellung über das Jenseits in Kenntnis waren [...].

Unter diesen 124.000 Gesandten gab es nur 313 Propheten, die beauftragt wurden, göttliche Religionen zu verbreiten.

Selbst unter diesen 313 Propheten gehörten nur fünf Propheten der „Ul-ul-'Azm“ an [gemeint sind Propheten, die eine heilige Schrift offenbarten].

Von diesen fünf Propheten wiederum ist einer der Vollender der Prophetenreihe und auch das Juwel der Propheten. Denn Prophet Mohammed (gegrüßt sei er) ist der höchste aller Propheten und der letzte aller Propheten.

Im heiligen Koran wird darauf hingewiesen, dass bereits in den zu vorigen heiligen Schriften, wie im Evangelium und in der Thora, auf den geehrten Propheten des Islam Mohammed (gegrüßt sei er) hingedeutet und seine Eigenschaften genannt wurden. So warteten die wahren Juden und Christen auf Sein (s.) Erscheinen und glaubten an Seine (s.) Aufrichtigkeit."




Der Imam des IZH sagte über das Vertrauen in den heiligen Propheten (gegrüßt seien sie):

„Im Koran steht über diejenigen, die sich zum Propheten bekennen, Ihn (gegrüßt sei er) gegenüber seinen Feinden und Gegnern unterstützen und sich Seinen (gegrüßt sei er) Worten fügen, dass diese in den Himmel kommen أُولَـٰئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُون[deutsch: „denen es wohl ergeht“]. Doch die Frage ist nun, wie man in der heutigen Zeit den Propheten unterstützen kann. Diese Unterstützung folgt mit der Wiederbelebung der moralischen Traditionen und der menschlichen Werte. Die Unterstützung des Propheten besteht in der vernünftigen und richtigen Vorstellung des Islam. Sie liegt in der Einhaltung der moralischen und ethischen Werte (Helfen der Mitmenschen und gutem Verhalten) also im Gebieten von all dem, wozu der Prophet aufrief. Die Unterstützung des Propheten macht den Menschen erhaben und beliebt. Sie stabilisiert das Innere des Menschen, beschert Liebe und Freundlichkeit, Vernunft und Spiritualität. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass, wenn wir die göttliche Religion unterstützen, im Grunde nur uns selbst helfen, denn Gott in sich ist vollkommen und braucht unsere Unterstützung nicht.“

 Der Leiter der schiitischen Theologen in Europa erwähnte bezüglich der Herabsendung des Koran:

„Der Koran wurde uns offenbart, um den Menschen die richtige Lebensweise zu lehren. Der Koran ist das Buch der Gesetze und das Erbe des Propheten, das uns gegeben wurde. Der Koran ist für den Menschen hinabgesandt worden, sodass er sich in seinem alltäglichen Leben nach ihm richten und danach handeln kann. Es ist kein Buch, das nur in Trauerzeremonien oder bei Koransitzungen mit schöner Stimme rezitiert werden soll. Das Wirken des Koran sollte in den Taten und Denkweisen der Menschheit zu erkennen sein!

Darüber hinaus ist die besondere Beachtung von Vernunft und Spiritualität in unserem Leben, die die religiöse Lebensweise uns beschert, von enormer Wichtigkeit!

Im Koran treffen wir auf über 300 Verse über das Nachdenken und die Vernunft.

Zum Beispiel sagt Gott in Vers 10 der Sure Anbia:
لَقَدْ اَنزَلْنا إِلَیْکُمْ کِتابًا فیهِ ذِکْرُکُمْ اَفَلا تَعْقِلُونَ
„Wir haben ein Buch zu euch hinabgesandt, in dem eure Ermahnung steht. Habt ihr denn keinen Verstand?“

 

Ayatollah Ramezani sagte über die Verbindung zwischen einer vernünftigen Lebensweise und dem Erscheinen des Erlösers der Menschheit, dem Imam der Zeit (a.):

„Wenn der Islam eine vernünftige Lebensweise verordnet, bedeutet dies, dass alle menschlichen Lagen – selbst Gefühle und Triebe - logisch und mit Vernunft geleitet und kontrolliert werden müssen. Im Vers 24 der Sure Anfal wird darauf hingewiesen:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اسْتَجِيبُوا لِلَّـهِ وَلِلرَّسُولِ إِذَا دَعَاكُمْ لِمَا يُحْيِيكُمْ ۖ وَاعْلَمُوا أَنَّ اللَّـهَ يَحُولُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ وَأَنَّهُ إِلَيْهِ تُحْشَرُونَ

„O die ihr glaubt, leistet Allah und dem Gesandten Folge, wenn er euch zu dem aufruft, was euch Leben gibt. Und wisset, daß Allah zwischen dem Menschen und seinem Herzen trennt und daß ihr zu Ihm versammelt werdet!“

Im vernunftgeleiteten Leben besteht der Sinn des Lebens im Empfangen der Liebe des erhabenen Gottes. Der Prophet Mohammed (gegrüßt sei er) wurde entsandt, um uns zu diesem vernunftgeleiteten Leben, einhergehend mit Spiritualität und Erkenntnissen, aufzurufen.

In den Überlieferungen bezüglich des Erscheinens des Erlösers Imam Mahdi (a.) wird gesagt, dass die Vernunft des Menschen zu dieser Zeit seinen Höchststand erreicht. Daher wird die Regierung des Imam der Zeit eine Regierung der Logik, Vernunft und Spiritualität sein. Aus dieser Sicht ist es klar und eindeutig, dass der Imam der Zeit (a.) niemals nach Krieg und Gewalt streben würde. Er strebt nach Frieden und wird sich um die Verbreitung von Frieden und Sicherheit – den Wunsch aller Menschen – bemühen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er vor den Unterdrückern und Machthabern, die nicht bereit sind, das Recht anzuerkennen und weiterhin Menschen unterdrücken, schweigen wird. Er wird sich ihnen widersetzen und das ist es, was die Menschheit von einem Erlöser erwartet!
Leider sind wir in der heutigen Zeit Zeuge von Personen, die am lautesten von Menschenrechten und der Verteidigung der Würde des Menschen sprechen, für ihre eigene Macht und ihr eigenes Reichtum überall auf der Welt unschuldige Menschen ermorden lassen. Wenn man uns nun fragt, wie wir als Wartende auf den Erretter Ihm (a.) würdig sein können, so heißt es:

„Ein würdiger Wartender verbreitet den Ruf zur Gerechtigkeit und Spiritualität, um die Voraussetzungen für Sein Erscheinen zu schaffen und beginnen wird er bei sich selbst.“

 Nach der Rede stellten die TagungsteilnehmerInnen viele Fragen bezüglich Imam Mahdi (a.), der Etablierung von Gerechtigkeit, der islamischen Logik und vielem mehr.
Die 22. Tagung deutschsprachiger Muslime endete Sonntagmittag mit einem gemeinschaftlichen Mittagsgebet und dem Du’a Faradsch für Imam Mahdi (a.). 





[1] Al-Araf, Vers 157


Kommentar



Zeige nichtöffentliche