Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 186660
Datum der Veröffentlichung : 4/14/2017 12:02:00 PM
Aufrufe : 735

Die religiöse Lebensweise (5)

Freitagsansprache von 03.02.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wenn jemand die Philosophie seiner Existenz verstehen will, muss er zunächst sein geistiges Eigentum unter die Lupe nehmen. Denn der Mensch besitzt neben dem materiellen Dasein auch eine immaterielle Seele. Das ist genau das, was der Koran „Hauch des Geistes“ nennt:  und ihm von Meinem Geiste (einem großen und gütigen Geist) eingehaucht habe.[1] Dies führte dazu, dass unter all den Lebewesen auf der Welt der Mensch eine gesonderte Stellung, denn wie schon Gott im Koran sagt, wurde der Mensch in seiner Vollkommenheit erschaffen. Wahrlich, Wir haben den Menschen in schönstem Ebenmaß erschaffen.[2] Nachdem der Gott den Menschen erschaffen hat, hat er ihn zu einer anbetungswürdigen Stellung aller Lebewesen, ja selbst der Engeln, erhoben. Daher sollte man den Menschen nicht in seiner animalischen Form eingrenzen. Er ist die Krone der Schöpfung und kann durch das Befolgen der himmlischen Verordnungen, die höchsten Stellungen des Lebens erreichen. Wenn also nun ein Mensch das beste irdische Leben erzielt hat und das schönste Leben genießt, so ist er immer noch nicht aus der Sicht der Religion auf dem Pfad der Menschlichkeit. Falls er nun doch diese Stufen erreichen will, muss er sich ernsthaft bemühen, und wenn er Ruhe, Frieden, Weisheit und Erkenntnis erlangen will, muss er sich der seelischen Logik hingeben, um die Hindernisse bewältigen zu können. Wenn er auch nun einen starken und gesunden Geist haben will, muss er gemäß seinen seelischen, geistigen und natürlichen Bedürfnissen, sich, nach den religiösen Lehren auf dem Pfad der Reinigung des Geistes und Nähe zu Gott machen.

Wichtigste Gründe für Zweifel an den Glauben an die Religion, und dessen Folgen

Der wichtigste Punkt im Glauben ist, dass man die Religion wahrnehmen und dementsprechend handeln muss, denn die Trennung von den Lehren der Religion und Zweifel an diesen Lehren führen dazu, dass der Glaube in dem Menschen schwach wird. Dies führt dann dazu, dass die Religion und die Wahrheit sich vom Leben trennen. Leider haben Viele eine nebensächliche Ansichtsweise gegenüber der Religion. Natürlich darf man die Rolle der Medien bei der Entmachtung dieser Lehren nicht vergessen. Die meisten parteiergreifenden Medien versuchen ununterbrochen, die Wirkungen der Religion anzuzweifeln und ineffektiv darzustellen. Hinzu kommt noch, dass einige leider nur die Oberfläche der Religion in Betracht ziehen, und sich vom Kern distanzieren. Diese sehen nun mit ihrer oberflächlichen Ansichtsweise, da sie nichts von der wahren Wirkung der Religion gesehen haben, Den Fehler in den Grundpfeilern der Religion. Obwohl der eigentliche Einwand auf die Ansichtsweise dieser Personen gegenüber der Religion liegt, denn sie haben keinen guten Deal mit der Religion abgeschlossen. Die negativen Auswirkungen kommen daher, dass man die Gebote der Religion, wie Beten und ähnliche, ohne die Gebote und Lehren Gottes ausführt. Da sie nun die Auswirkungen des Glaubens nicht gesehen haben, behaupten sie, dass die Religion nicht die Macht besäße, den Problemen und Hindernissen der heutigen Gesellschaft entgegenzuwirken. Daher müsste auch die Religion aus dem Leben geschaffen werden. Auch hört man einige sagen: wir haben ein reines Herz, reicht das nicht? Und denken, dass es nicht notwendig ist, dass ein Moslem die Scharia – wie beten und fasten – befolgt.

In Anbetracht des Gesagten, kommen wir zu dem Schluss, dass eine oberflächliche Sichtweise gegenüber dem Glauben und Zweifel an den Lehren, und auch die Schäden, die die Begriffe der Religion erlitten haben, die Hauptursachen sind, dass wir uns Tag für Tag mehr von der Religion distanzieren. Wir müssen uns bemühen, den Menschen die wahren Lehren der Religion beizubringen, damit die individuellen und sozialen Wirkungen des Glaubens wiederbelebt werden. Wenn der Mensch sich so der Religion nähert, werden die Gläubigen zur Kenntnis und Würde gelangen.

Missbrauch der Religion

Wenn jemand die Religion für Macht und Reichtum missbraucht, so wird er zweifellos sowohl sich selbst, als auch der Gesellschaft schaden. Denn die Religion wurde vom Gott herabgesandt, um die Menschen rechtzuleiten. Wenn nun die Religion – entgegen ihrer Philosophie – missbraucht wird, um das Weltliche zu erlangen, so wird es in Plagen, Elend und Armut enden. Imam Ali sagt in diesem Zusammenhang: „Verkaufe deinen Glauben nicht an die Welt, denn sonst werden Elend, Plagen und Schwierigkeiten dich schnell vernichten.“[3] Es gab viele Leute, die die Religion für ihr Diesseits wollten, also, ihr Glauben dem Weltlichen opferten. So einer wird – wie Imam Ali sagt – niemals Glückseligkeit finden „Ein Elend ist, wenn der Mensch das Diesseits mit der Religion wahren will.“[4] An einer anderen Stelle sagt Imam Ali: „Jeder der mit der Religion Gottes spielt, den wird Gott für die Ewigkeit in die Hölle schicken.“[5]

Auch in der Geschichte sehen wir die Folgen des Missbrauchs der Religion. Wenn man sich die Geschichte des Islams anschaut, wird man sehen, dass jeder der die Religion auf die leichte Schulter genommen hat, letztendlich erniedrigt und geschmäht wurde. In diesem Zusammenhang sagt Imam Ali: „Jeder, der die Religion auf die leichte Schulter nimmt und sie schmäht, wird selbst verschmäht, und jeder, der vom Recht geleitet wird, wird Herr über das Gerechte“[6]

Kurz gesagt, muss man die Religion mit allen ihren Äußerlichkeiten und Sinnlichkeiten, Allgemeinheiten und Details annehmen und daran glauben. Man darf nicht die Augen davor schließen. Außerdem darf man nicht einen Teil der Religion annehmen und dem befolgen und einen anderen Teil beiseitelassen. Man darf nicht annehmen, dass Glaube ohne Taten genug ist und es nicht ernst nehmen. Jedem Gläubiger ist es klar, dass man die Religion braucht, um Würde und Weisheit zu erlangen, und nicht die Religion als ein Werkzeug genutzt werden darf, um Macht zu bekommen. Man darf auch nicht seinen Glauben für die weltliche Macht einer anderen Person opfern, denn so eine Person wird zu den niedrigsten aller Menschen gehören. In diesem Zusammenhang in einer Überlieferung Imam Ali gefragt: „Wer gehört zu den verachtenswertesten Menschen? Einer , der seinen Glauben für die weltliche Macht eines anderen opfert.“[7]

 



[1] Al Hidschr, Vers 29, S. 72

[2] At Tin, Vers 4

[3] Tamimi Amodi, Abdolvahed bin Mohammad, Gharar alhokm va darar alkalam, S.754, Überlieferung 183, Qom, Dar alketab al eslami, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[4] Ebenda, S. 677, Überlieferung 99

[5] Ebenda, S. 656, Überlieferung 1375

[6] Ebenda, S. 655, Überlieferung 1364

[7] Ibn Babuye, Mohammad Ibn Ali, man la yahzara alfaghih, 4. Band, S. 383, Überlieferung 5833, qom, Eslami Verlagsbüro, 2. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender


Kommentar



Zeige nichtöffentliche