Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 185599
Datum der Veröffentlichung : 2/10/2017 4:48:00 PM
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Die religiöse Lebensweise (1)


Freitagsansprache von 30.12.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der wichtigsten Punkte, welcher eine Auswirkung auf die Zukunft der Menschen hat, ist die Frage nach der Rolle „der Religion“ im Leben der Menschen. Inwiefern wirkt sich die Religion auf das geistige Wachstum und die Vervollkommnung aus? Ist die Religion für die heutige Gesellschaft überhaupt so notwendig, dass man ohne sie nicht leben kann?  Braucht man die Religion zum Überleben oder ist es gar nicht wichtig, die Religion in seinem Leben einzuführen, so dass es reicht, wenn man sie nur nebensächlich aufgrund ihrer spirituellen Auswirkung auslebt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, ob die Religion eine Wahrheit ist, oder ob sie nur eine Kreation des Menschen ist? Oder ob die Religion eine imaginäre Sache ist, die nur aufgrund der Gegebenheiten entstanden ist? Ebenso gibt es unendlich viele Fragen der Menschen bezüglich der „Religion“, die jeder für sich selbst unbedingt nachforschen muss um die Wahrheit zu finden.

Religion, eine unleugbare Realität

Zweifelsohne wurde die Religion als eine Realität in der heutigen Gesellschaft angenommen. Durch die verschiedene Bedeutungen und Gebräuche ist die Religion in unterschiedlichen Kategorien eingeteilt: „himmlische und menschliche“ oder „monotheistische und polytheistische“. Es gibt weitere Unterteilungen, die den Ausgangspunkt in Indien wie zum Beispiel „Hinduismus und Buddhismus“ oder in China „Konfuzianismus und Daoismus“ oder im Orient „Judentum, Christentum und Islam“ haben.

Es ist klar und ersichtlich, dass die Definitionen von Religion uns nicht den eigentlichen Sinn und die Essenz wiedergeben. Um die Bedeutungen der Religionen richtig zu verstehen, muss man sich die passenden Fachausdrücke dafür anschauen. Die im Koran und Überlieferung  vorkommenden Definitionen helfen den Menschen bei dem richtigen Verständnis der Religion.

Die Bedeutung und Definitionen der Religion

Der Begriff Religion hat in der persischen und semitischen Sprache dieselbe Bedeutungen und wird als „Gewissen, Gesetz, Recht, Urteil, Vorgehensweise“[1]  definiert. In der arabischen Sprache bedeutet die Religion „Strafe, Abrechnung, Gehorchen, Ergebung, Anweisung und Gewohnheit“.[2]

Die Bedeutung der Religion im Koran

Im Koran wurde der Begriff „Religion“ mehr als neunzig Mal erwähnt und folgendermaßen definiert: „ Strafe und Belohnung, Gehorsam und Anbeten, Bestimmung und Gebot, Glaube, Ergebung und Vorgehensweise“. In den folgenden Versen kommt der Begriff „Religion“ in verschiedenen Bedeutungen vor: „dem Herrscher am Tage des Gerichts!“[3], „die den Tag des Gerichts leugnen!“[4], „und was lehrt dich wissen, was der Tag des Gerichts ist?“[5], „und von Dem ich hoffe, dass Er mir meine Fehler am Tage des Gerichts vergeben werde.“[6]  In den genannten Versen wurde die Bedeutung „Strafe und Belohnung“ mit dem Zusammenhang „ der Tag des Gerichts“ erwähnt. „Und Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist, und Ihm gebührt die immerwährende Furcht. Wollt ihr also einen anderen fürchten außer Allah?“[7], „Sprich: „Mein Herr hat Gerechtigkeit befohlen. Und ihr sollt euer Antlitz bei jeder Gebetsstätte (zu Ihm) richten, und ihr sollt Ihn lauterem Gehorsam anrufen. Wie Er euch ins Dasein gebracht hat, so werdet ihr (zu ihm) zurückkehren.“[8] In diesen heiligen Versen bedeutet die Religion „Gehorsam und Anbetung“. „… er hätte seinen Bruder nach dem Gesetz des Königs nicht aufhalten können; es sei denn, Allah hätte es so gewollt.“[9]  In diesem Vers ist von „ Schicksal und Gebot“ die Rede. Weiterhin wird im Koran der „Glaube“ erörtert: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen.“[10] In diesem Vers „Wahrlich, die Religion bei Allah ist der Islam.“[11], bedeutet der Begriff „Islam“ sich gegenüber Gott ergeben. „Ihr habt eure Religion und ich habe meine Religion.“[12], „Verlangen sie etwa eine andere als Allahs Religion?“[13]. Hier beschreibt der Begriff „Religion“ die Vorgehensweise im Leben der Menschen. Desweiteren sind in den Worten der Gelehrten viele andere Bedeutungen und Interpretationen zu sehen, die in verschiedenen Zusammenhängen vorkommen.

Die Bedeutung der Religion aus der Sicht der islamischen und westlichen Wissenschaftler

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es für den Begriff „Religion“ sehr viele unterschiedliche Bedeutungen gibt und man hat sich sehr bemüht, diesen Definitionen einen Platz in der Sprache zu geben. Einige der Sprachwissenschaftler  haben diese Bedeutungen kritisiert und konnten keine genaue Erklärung für den Begriff „Religion“ finden. Ein berühmter Sprachwissenschaftler namens „W.C. Smith“ hat folgendes über die Religion und dessen Ziel gesagt: „ Vielleicht ist es nicht falsch zu sagen, dass man bis jetzt keine genaue und treffende Bedeutung für  die Definition der Religion bringen konnte, damit alle Glaubensrichtungen eingeschlossen werden.“[14]

Eine der Bedeutungen für den Begriff „Religion“, die durch einen westlichen Wissenschaftler entstand, besagt folgendes: „ Religion ist der Glaube unabhängig vom Verstand, welcher die Menschen in die Vervollkommnung führt.“[15] Wenn man sich diese Aussage genauer anschaut, fällt auf, dass der Glaube als Religion abgestempelt wurde, wobei die Religion aus dem Glauben entspringt und nicht der Glaube selbst ist. Auch wenn in dieser Bedeutung die religiösen Taten vernachlässigt werden, spielen sie doch eine besondere Rolle.

Die Definition, die seitens der islamischen Gelehrten und Wissenschaftler vertreten wird, ist der Glaube an den Schöpfer der Welt und der Menschen und an die praktischen Vorschriften, das heißt, Religion, Glaube, Ethik und Vorschriften, die von dem erhabenen Gott für die Glückseligkeit der Menschen im Diesseits und Jenseits bestimmt wurden. Daher besteht die Realität der Religion aus zwei Teilen:

1- der Glaube, der als Wurzel und Fundament gilt,

2- die resultierenden Auswirkungen aus den praktische Vorschriften und Ethik

Das Schlusswort

Es ist wichtig zu erwähnen, dass man sich  für die Erkenntnis der richtigen Religion an die Hauptquellen wendet.  Aus diesem Grund kann man die Experten und die Religionskenner in diesem Gebiet fragen. Im Islam sind die Hauptquellen der Koran, der Prophet Mohammad (s.a.w.) und die reine Imamen (a.), ebenfalls  kann man sich in diesem Gebiet an die Gelehrten wenden.



[1] Farhange Moein/Band 2, Seite 1597

[2] Lesan ul-Arab/Band 13, Seite 169-172

[3] Al-Fatiha/4

[4] Al-Mutafefin/11

[5] Al-Infetar/17

[6] Al-Shura/82

[7] Al-Nahl/52

[8] Al-A´raf/29

[9] Yusuf/76

[10] Al-Baqarah/256

[11] Ale Imran/19

[12] Al-Kaferun/6

[13] Ale Imran/83

[14] Falsafe Din/Seite 31

[15] Daramadi bar Falsafeye Din va Kalam Jadid/Seite 111


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