Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 185289
Datum der Veröffentlichung : 1/27/2017 11:57:00 AM
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Die Eigenschaften der Besitzer von Verstand im Koran 6

Freitagsansprache von 23.12.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Der erhabene Gott beschreibt in einigen koranischen Versen die Eigenschaften der „Ulu al-Albab“ (Verstandsbesitzer) und deutet auf die Gedanken, Ideen, Glaube, Moral und Taten derer an. Daher ist es wichtig und notwendig für diejenigen, die den Koran als Buch des Lebens ansehen, sich mit den Eigenschaften der Besitzer von Verstand auseinander zu setzen.

Die Vernichtung des Bösen durch die Ausführung des Guten

In den weiteren Versen der Sure „Ar-Ra'd“ des heiligen Korans wird die achte Eigenschaft der Verstandsbesitzer beschrieben: „...und das Böse durch das Gute abwehren- diese sind es, denen der Lohn der Wohnstatt zuteil wird.“[1] Laut diesem heiligen Vers sind die Verstandsbesitzer diejenigen, die durch das Ausführen der guten und erwünschten Taten die schlechten Taten, welche aus Leichtsinnigkeit oder Unachtsamkeit gegangen wurden, vernichten

Eine Vermutung in der Bedeutungen dieses heiligen Verses liegt darin, dass die Besitzer von Verstand ihre Fehler nicht nur bereuen, sondern darüber hinaus versuchen diese mit etwas Guten auszugleichen. Daher befinden sie sich in dem ständigen Versuch die bösen durch die guten Taten zu vernichten.

Jedoch lässt sich für diesen Vers auch eine weitere Vermutung aufstellen. So antworten die Verstandsbesitzer auf das Böse niemals mit dem Bösen, sondern versuchen mit dem Ausführen der guten Tat einen so vorbildlichen Charakter zu schaffen, in der Hoffnung, dass derjenige in Zukunft über seine Taten nachzudenken vermag. Der Erhabene sagt diesbezüglich im Koran folgendes: „ Wehre (das Böse) in bester Art ab, und sie da, der zwischen dem und dir Freundschaft herrschte, wird wie ein treuer Freund sein.“[2]

Allerdings ist es möglich diesen Vers nach beiden Interpretationen auszulegen, denn in den zahlreichen Überlieferungen vom Propheten Muhammad (s.a.w.) und seiner Familie (a.), wurden auf beide Auslegungsformen hingedeutet. Es wurde vom Propheten Muhammad (s.a.w.) an Ma´d ibn Jabal überliefert : „Führe während des Begehens einer schlechten Tat eine gute Tat aus, um diese schlechte Tat zu vernichten.“[3] Des weiteren gibt es eine Überlieferung von Imam Ali (a.): „ Tue deinem Bruder, der eine schlechte Tat begangen hat, etwas Gutes an und erwidere das Schlechte mit Wohltat und Belohnung.“[4]

Die Lebensweise des Weisen nach dem Fehltritt

Ein klarer Punkten ist, dass die „Ulul al-Albab“ im Besitz von Glaube und Weisheit sind und so die Sünde als tödliches Gift ansehen. Folglich bekehren sie sich und andere, wenn Sünden gegangen werden und versuchen mit allen Mitteln diese in Zukunft zu vermeiden. Deswegen kehren sie ohne einer verspäteten Reue zur Wahrheit zurück. Die Sünde hat eine zerstörerische Wirkung auf das Menschenherz und der Hass stiftet Zwiespalt zwischen ihnen. Sollte also solch eine Situation lange anhalten, wird der Hass die Vergebung des Herzen verhindern und zu einer erschwerten Rückkehr führen. Diesbezüglich wird von Imam Ali (a.) überliefert:

 „Es gibt keinen Diener außer den, der einen weißen Punk auf seinem Herz hat, welches mit einer Sünde schwarz wird. Bereut er, verschwindet die schwarze Farbe, sollte er aber die Sünde wiederholen, vermehrt sich das Schwarze bis es das gesamte Weiß bedeckt. Hat das Schwarz der Sünden das Weiße des Herzens komplett eingenommen, wird der Besitzer niemals mehr zum Guten finden. Und dies ist das Wort des Herrn: „Und es ist nicht so wie sie denken, ihre Taten sitzen fest in ihren Herzen.“[5][6]

 

Bedingung für Reue und Rückkehr von Sünden

Sowie in den letzten Abschnitten angedeutet wurde, reicht für das Akzeptieren der Reue das bloße Bereuen nicht. Es muss versucht werden die schlechte Tat zu kompensieren. Außerdem soll der Sünder nicht darauf bestehen, die Sünden zu wiederholen, so wie der folgend Vers besagt: „ Und diejenigen, die wenn sie etwas Schändliches getan oder gegen sich gesündigt haben Allahs gedenken und für ihre Sünden um Vergebung flehen; und wer vergibt die Sünden außer Allah? Und diejenigen, die nicht auf dem beharren, was sie wissentlich taten * für diese besteht ihr Lohn aus Vergebung von ihrem Herrn und aus Gärten, durch die Bäche fließen; darin werden sie ewig sein, und herrlich ist der Lohn der Wirkenden.“[7] 

Hinsichtlich der letzten Themen über die Verstandsbesitzer und deren Eigenschaften in der heiligen Sure „Al- Ra´ad“ ab Vers 19  werden zweifelsohne diejenigen, die diese Eigenschaften besitzen, „Ulul al-Albab“ genannt. In diesen Versen werden die acht Eigenschaften der Verstandsbesitzer aufgezählt und im Weiteren wird das Resultat ihrer Taten beschrieben. Sie haben im Jenseits ein gutes Leben und werden das göttliche Paradies antreffen. „Die Gärten von Erden, dort werden sie eingehen und ihre rechtschaffenen Eltern, Frauen und Nachkommen. Und die Engel werden zu ihnen durch jegliches Tor treten.* Friede sei mit euch, da ihr geduldig waret; seht, wie herrlich der Lohn der Wohnstatt ist.“[8]

Das spezielle Paradies, das Resultat der Verstandsbesitzer

Im heiligen Koran wurde das Wort „Jannaat wa jannat“ (Gärten und Garten) 127-mal erwähnt wobei nur 11-mal von „Jannaat un-Adnen“ (die Gärten von Erden) die Rede ist. Eine Überlieferung, welche im Buch „Dorrun al-Mansur“ vorkommt, beschreibt diesen Begriff als „spezielles Paradies“, welches den Besitzern von Verstand gebührt.

Die Eigenschaften der Verstandsbesitzer in weiteren Versen

Der heilige Koran beschreibt die Eigenschaften des Verstandsbesitzer in den weitere Verse  folgendermaßen: „ Wahrlich, in ihren Geschichten ist eine Lehre für die Verständigen.“[9] In diesem Vers wird einer der weiteren Eigenschaften der Vestandbesitzer  genannt. Sie sind es die Lehre ziehen und Rat annehmen. Sie setzten sich mit den Geschichten im heiligen Koran auseinander und ziehen daraus eine Lehre. In einem anderen Vers wird besagt, dass die Verstandbesitzer immer an Gott gedenken und ihn anbeten: „ Ist etwa jener, der zu Allah in den Nachstunden sich niederwerfend und stehend – betet, der sich vor dem Jenseits fürchtet und auf die Barmherzigkeit seines Herrn hofft (einem Ungehorsamen gleich)? Sprich: „ Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?“ Allein nur diejenigen lassen sich warnen, die verständig sind“.[10] Und an einer anderen Stelle wird folgendes gesagt: „ die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und (Liegen) auf ihren Seiten und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken (und sagen): „Unser Herr, Du hast dieses nicht umsonst erschaffen. Gepriesen seiest Du, darum hüte uns vor der Strafe des Feuers“.[11]

Der Besitzer von Verstand und Weisheit ist aufgrund seines genau geplanten Lebens vorausschauend und zukunftsorientiert. Daher beschreibt der heiliger Koran diese Eigenschaft folgendermaßen: „Und sorgt für die Reise, doch wahrlich, die beste Versorge ist Gottesfurch. Und fürchtet Mich, o ihr, die ihr einsichtig seid!“.[12] Daher befolgen sie die Gottes Gebote um sich ihr Jenseits aufzubauen.

Schlusswort

Aus den genannten Versen über die Eigenschaften der „Ulul al-Albab“ kann man folgendes zusammenfassen: Sie leben nach ihren Glauben und mit dem Bewusstsein für die Zukunft, führen sie ihre individuellen und gesellschaftlichen Pflichten verantwortungsvoll aus. Sie versuchen sich selbst und die Gesellschaft zu verbessern, versuchen anderen Menschen zu helfen, weil sie ihre Treue zu den Abkommen ernst nehmen. Die Verstandsbesitzer gehören zu denen, die beten, spenden, geduldig sind, und alles für die Zufriedenheit Gottes tun und aus der Menschheitsgeschichte die richtigen Lehren ziehen. Wenn sie sich mit Gott zurückziehen, versuchen sie ihre Seele zu verstärken, um sich den Problemen zu stellen und diese mit Widerstand zu konfrontieren.



[1] Al-Ra´ad/22

[2] Fusselat/34

[3] Majma´a al-Bayan fi Tafsir al-Koran/Band 6, S. 444

[4] Nahjul al-Balagha/Weisheit 158

[5] Al-Motafefin/14

[6] Al-Kafi/Band 2, Seite 273

[7] Ale Imran/135-136

[8] Al-Ra´ad/23-24

[9] Yusuf/111

[10] Al-Zumar/9

[11] Ale Imran/191

[12] Al-Baqarah/197


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