Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 184841
Datum der Veröffentlichung : 12/31/2016 1:37:00 PM
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5. Interreligiöser Frauenbegegnungstag

Am 20.11.2016 fand der 5. Interreligiöse Frauenbegegnungstag im ökumenischen Forum Hafencity statt. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung war: „Ich lebe mein Leben! Mutgeschichten.“ Acht Vertreterinnen verschiedener Religionen schilderten ihre persönlichen Mutgeschichten.

Die evangelische Theologin und freie Schriftstellerin Susanne Krahe erblindete vor 30 Jahren in Folge eines Diabetes. Nur durch eine doppelte Organtransplantation konnte sie überleben. Sie berichtete, wie sie durch die Unterstützung ihrer Freundin und der Erfahrung, „dass Gott gerade mit den Gescheiterten ist“, für ihr neues Leben Kraft schöpfte.

Houda Mobasher ist Bahaii Frau und durfte im Iran nur über eine Online Universität studieren, die aber nicht überall anerkannt ist. Vor vier Jahren kam sie nach Deutschland und musste bei Null anfangen und für ihre Ziele jedes Mal von neuem  kämpfen.

Sara Streese, die der liberalen jüdischen Gemeinde in Pinneberg angehört, nimmt das Beispiel von Abraham und Sara, die drei Fremde aufnehmen, sie bewirten und beschützen, ohne zu fragen, woher sie kommen und wer sie sind. Ihr Gastfreundschaft sollte wegweisend für unseren Umgang mit geflüchteten Menschen heute sein.

Die Muslimin Kübra Böler hat erlebt, wie es ist, wenn der eigene Körper streikt und welche Ängste es auslöst. Sie hat gelernt, Krankheit nicht als Strafe zu sehen, sondern als Chance. „Wir sollten daran denken, dass wir endlich sind und schauen, was uns wirklich wichtig ist“, war ihr Fazit.

Gudrun Steiß ist seit 25 Jahren katholische Nonne in einem französischen Orden. Sowohl seitens ihrer nicht religiösen Familie, als auch von Seiten älterer französischer Menschen, die den Deutschen die Verbrechen des zweiten Weltkriegs nicht verzeihen konnten, wurde sie stets mit massiven Vorurteilen konfrontiert. Sie studierte Religionswissenschaften und versuchte die Religionen aus deren jeweiligen eigenen Selbstverständnis zu verstehen. Dadurch sensibilisierte sie sich für den Umgang mit religiösen Unterschieden. Respekt und Akzeptanz resultieren, wenn wir immer wieder in Beziehung gehen, offen sind und zuzuhören.

Fatima Emari ging als Muslimin auf ein katholisches Mädchengymnasium und stellte fest, dass die Mehrheit dort keineswegs so homogen war, wie sie anfangs annahm. Das schärfte ihren Blick, genau hinzusehen. Genau und kritisch hin schaut sie auch auf unsere Gesellschaft, in der uns vorgegaukelt wird, dass wir frei und selbstbestimmt seien, es aber gleichzeitig sehr klare Vorgaben gibt, was gelingendes Leben ist. Als Muslima, die sich durch ihr Kopftuch ihrer Religion öffentlich bekennt, passt sie nicht in die vorgegebenen Raster und bietet sie immer wieder eine Angriffsfläche. „Mut ist für mich, das zu hinterfragen und auch, die eigene Religion selbstbewusst nach außen zu zeigen.“

Die muslimische Journalistin und Publizistin Maryam Khola Hübsch erklärte anhand des Koranverses „Ist Allah nicht genug/ nicht Dein Genüge?“ wie sehr Gott konkret erfahrbar und fassbar und keineswegs vage und abstrakt ist . Dieses wurde ihr in ihrem Elternhaus selbstverständlich und zwanglos vorgelebt. Dieser Koranvers gibt ihr Antrieb, zu ihrem Glauben zu stehen und auch öffentlich dafür einzutreten.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum ging es um die Bedeutung von Gemeinschaft und Solidarität über Religionsgrenzen hinweg, gerade auch in Bezug darauf, Vorurteilen entgegen zu wirken. Sara Streese machte deutlich, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen Jüdinnen und Musliminnen gäbe, z.B. gebe es auch im Judentum Bekleidungsvorschriften. Sie engagierte sich gemeinsam mit Musliminnen an einer Protestaktion gegen das Burkini-Verbot in Frankreich und gewann so neue, wertvolle Kontakte. Beim Thema Kopftuch/Burka sei mehr Differenzierung notwendig, mahnte Fatima Emari an. Oft würde davon ausgegangen, dass Muslime Werte wie Freiheit und Gleichberechtigung nicht teilen würden. Houda Mobasher betonte, dass wir versuchen sollten, unsere Vorurteile beiseite zu legen und erst einmal mit den Menschen zu sprechen. Gudrun Steiß knüpfte daran an: Es gehe darum, Feindbilder abzubauen und die innere Logik der Anderen zu verstehen. Maryam Khola Hübsch betonte die Wichtigkeit des hohen Guts des Grundgesetzes, die die Religionsfreiheit beinhaltet.

Nach einem muslimischen Mittagsgebet und einer ökumenischen Andacht wurden in verschiedenen Workshops die verschieden Aspekte rund um das Thema Mut vertieft. Abschließend gab es ein gemeinsames Friedensgebet. Das Programm wurde untermalt mit künstlerischen Darbietungen, wie bspw. Einem Poetry Slam von Kübra Böler und religiösen Liedern. Daneben gab es Verköstigung um Mittags- und Kuchenbuffet

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