Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 184840
Datum der Veröffentlichung : 12/31/2016 9:25:00 AM
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Die Eigenschaften der Verstandsbesitzer im Koran (2)

Freitagsansprache von 18.11.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In Bezug auf die vergangene Thematik, wurden die Eigenschaften der „Ulu al-Albab“ (Verstandsbesitzer) in der Koransura Ar-Rad beschrieben. Außerdem wurden einige von diesen besonders hervorgehoben, wie beispielsweise die Treue und Zuverlässigkeit zu den göttlichen und menschlichen Abkommen. Fortsetzend werden die weiteren Charaktere der Verstandsbesitzer wie die „Gottesfurcht“[1] benannt. Generell ist Gott allein derjenige, der die wahrhaftige Herrlichkeit und Größe besitzt und dadurch wird eine bestimmte Wahrnehmung in dem Inneren des Menschen erweckt. Denn sein Glaube daran, dass Gott die Quelle aller Existenz ist führt dazu, dass sein Herz, Gott mehr wahrnimmt. Daher sind diejenigen, die vom ihrem wahrhaftigen Wissen genutzt haben, mehr von dieser Gottesfurcht ausgeprägt. Gott besagt hierbei folgendes: „Unter den Dienern Gottes, fürchten ihn (Gott) wahrhaftig nur die Wissenschaftler.“[2]

Der Rang und die Arten der „Furcht“

Einer der weiteren Kennzeichen der Verstandsbesitzer ist die „Gottesfurcht“, welche fortsetzend in dem Vers 21 der Sura Ar-Rad beschrieben wird: „Und sie fürchten ihren Herrn; und sie fürchten sich vor der Abrechnung (Tag des Jüngsten Gerichts).“ Das Wort „Furcht“ (Khauf) ist eine Art von Angst, welche in dem Gläubigen, angesichts der göttlichen Gerechtigkeit, hervorgerufen wird. Diese Furcht wird  lobenswert angesehen und dient gleichzeitig dazu, dass der Mensch mehr auf sich Acht nimmt. Deswegen kann man bemerken, dass die Furcht mehrere Unterscheidungen besitzt, in welcher eine davon die „lobpreisende“ und die anderen die „geringschätzige“ und die „natürliche“ Furcht ist. Für die „lobpreisende“ Furcht gibt es eine anschauliche Erklärung: Die Angst vor der „schlechten Abrechnung“ entsteht vor allem durch ein unmoralisches Verhalten des Menschen. Aus diesem Grund sollte der Mensch in Wirklichkeit vor sich selbst und seiner Persönlichkeit fürchten, da er im Prinzip der Gestalter seines eigenen Ich`s ist. Demnach wird genau diese Auslegung in dem nächsten Vers belegt: „Was aber jemanden angeht, der den Stand (Rang) seines Herrn gefürchtet und seiner Seele die (bösen) Neigungen untersagt hat.“[3] Somit wird dementsprechend mit der Angst vor Gott, die Angst vor dem göttlichen Gericht der Gerechtigkeit (dem Jüngsten Gericht) gedeutet! Die bemängelte Furcht ist zum Beispiel die Angst vor der Dunkelheit oder von einer Leiche, in dem beim genaueren Blick erkennt, dass man eigentlich davor keine Angst haben sollte. Es gibt eine weitere Sorte von Angst, die nicht positiv oder negativ, sondern natürlich ist. Diese natürliche Angst entsteht aus dem Naturwesen des Menschen, wie zum Beispiel die Angst vor wilden Tieren. Aus diesem Grund sucht der Mensch eine Zuflucht, damit er nicht vom wilden Tier angegriffen wird. Folglich wird diese Angst eben nicht positiv aber auch nicht negativ angesehen!

 

Der Vers erwähnt somit einer der Charaktereigenschaften der „Ulu al-Albab“ und ob sie wirklich die angemessene Furcht vor ihrem Herrn besitzen. Dieses Modell der Angst ist sozusagen die Basis der Weisheit und Erkenntnis. Dies wird in einer der Überlieferungen des Propheten (Friede sei auf ihn und seiner Familie) nachgewiesen: „Die Furcht vor Gott, ist die Basis jeder Weisheit.“[4] Somit ist sie die beste und lobenswerte Art von Angst, welche in der Seele der Verstandesbesitzer zu finden ist. Diese Eigenschaft führt dazu, dass sich der Mensch sich stets klein und belanglos, im Gegensatz zu der absoluten Größe und Pracht Gottes, sieht. Solange sich ein Mensch bescheiden und geringwertig erblickt, wird er sich selbst, im Gegensatz zu der absoluten Vollkommenheit Gottes, als „Nichts“ sehen. Diesen bestimmten Zustand begreifen nur die wahren und echten Verstandesbesitzer. Somit fürchten nur die Gläubigen, die dieses geringwertige und makelbefleckte Gefühl innehalten, da sie die Bedenken dazu haben, dass sie das Recht Gottes nicht richtig ausgeführt haben.

Der Stellung der Langmut, deren Definition und Vorzüge

Eines der bemerkenswerten Eigenschaften der wahren Verstandesbesitzer ist deren Langmut in schwierigen Zeiten, da sie die Zufriedenheit Gottes erlangen möchten. Daher besagt Gott zu diesen Personen im heiligen Koran: „Diejenigen, die langmütig (und standhaft) sind (bei Schwierigkeiten) und sich auf ihren Herrn verlassen.“[5] In Bezug auf diesen Vers wird die Langmut und Geduld nicht mit Stagnation gedeutet, sondern eher auf Standhaftigkeit und Beständigkeit. Diese erreicht man beispielsweise durch die Ausübung der religiösen Verpflichtungen, der Meidung der religiösen Verbote oder manchmal auch bei Konfrontation mit unterschiedlichen Problemen! Dadurch erhält man natürlich von Gott einen ansehnlichen Lohn. Es ist ersichtlich, dass ein bestrebender Mensch nach Vollkommenheit, aufgrund seines Eifers anhand seiner Bemühungen von Gott belohnt wird. Denn Gott deutet hierzu: „Gewiss, diejenigen, die sagen: „Unser Herr ist Gott, der Einzige“, und hierauf standhaft sind, auf sie kommen die Engel herab: „Fürchtet euch nicht, seid nicht traurig, und vernehmt die frohe Botschaft vom (Paradies)garten, der euch versprochen wurde.“[6] Langmut und Standhaftigkeit sind wichtige Bestandteile eines Gottesdieners, zur Erlangung der Vollkommenheit und göttlichen Nähe. Außerdem bewirkt es dazu, dass das Herz des Menschen sich zur göttlichen Weihestätte entwickelt. Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) drückt hierbei folgendes aus: „Das Herz ist die Weihestätte (und das „Haus“) Gottes. So lass in dieser Weihestätte Gottes auch keinen außer Gott hinein.“[7] Dementsprechend sind gute und gläubige Gottesdiener diejenigen, die nach der Zufriedenheit Gottes streben und dabei standhaft und geduldig bleiben.

Durch diesen Vers ergibt sich ein bestimmter Lehrsatz, der darauf beruht, dass diese Menschen alles dafür tun sollten, um die Zufrieden Gottes zu erlangen und sich niemals auf die Genügsamkeit der Menschen oder des eigenen Egos zu beruhen! Folglich sollte man bei jeglichen Problemen und Schwierigkeiten, nur die Genügsamkeit Gottes vor Augen halten. Laut den heiligen Versen des Korans sind diese Menschen in allen Lebenslagen, die Gott ihnen im Diesseits zugeteilt hat, zufrieden und genügsam. „Wir verteilten unter ihnen ihren Lebensunterhalt im diesseitigen Leben und erhöhen die einen von ihnen, über die anderen um Rangstufen, damit die einen von ihnen die anderen in Dienst nehmen (und somit zusammenarbeiten); Und die Barmherzigkeit deines Herrn ist besser als das, was sie zusammentragen.“[8] Daher neiden sie keinesfalls die Menschen, die im Diesseits am meisten profitiert haben, sowohl im materiellen als auch spirituellen Sinne. Sie sagen eher aus tiefstem Herzen: „Dieser Segen soll derjenige, der diesen erhalten hat, in vollen Zügen genießen.“ Außerdem beschäftigen sie sich eher damit, inwieweit sie am Tag, Gott zufrieden gemacht haben. Ob sie wirklich zu Gott näher gekommen sind oder nicht? Darum erwähnt Gott ihm heiligen Koran die Geschichte der Propheten, sodass sie für uns in der Geduld und Langmut, als Vorbild dienen können. Wie zum Beispiel die Geschichte vom Propheten Ayyub (Friede sei auf ihn): „Und gedenke unserem Diener Ayyub. Als er zu seinem Herrn rief: „Mich hat der Satan mit Mühsal und Pein heimgesucht.“[9] Und in einem anderem Vers steht: „Und Wir fanden ihn standhaft (und langmütig) auf. Welch ein trefflicher Diener! Er war immer wieder zu Gott zurückkehrend.“[10] Folglich beschrieb man diesen Propheten als „wahrhaftig geduldig“, nachdem ihn viele schwere Prüfungen heimgesucht hatten. Aufgrund der Erkenntnis und der Weisheit die Gott besitzt, werden seine Propheten auf die schwere Probe gestellt. Einige Plagen und Erschwernisse, die sie ertragen mussten sind unter anderem, der Todesfall von Kindern oder der Verlust des gesamten Hab und Guts. Sie wurden selbst auch mit schmerzlichen Krankheiten geprüft, jedoch blieben sie standhaft und zeigte sich stets ihrem Herrn dankbar. Laut manchen Aussagen dauerten diese Erschwernisse und Schwierigkeiten des Propheten Ayyubs (Friede sei auf ihn) sieben Jahre lang an und in anderen Überlieferungen werden sogar 18 Jahre angegeben.[11] In dieser schwierigen Zeit, die er ausgehalten hat, grenzten sich alle Menschen, außer seiner gläubigen Ehefrau, von ihm ab. Es belief sich sogar soweit, dass die Mitmenschen ihn tadelten und abfällig beurteilten: Oh Ayyub! Aufgrund einer großen Sünde, die du ausgeübt hast, wirst du mit solch vielen Plagen und Unglücken heimgesucht! Der Prophet Ayyub wurde tiefbetrübt und hob stets seine Hände für Bittgebete. Nach diesen Problemen, belohnte ihn Gott durch seine Standhaftigkeit und bewahrte ihn als einen „gottesnahen“ Diener.[12]



[1] Sura Ar-Rad, Vers 21.

[2] Sura Fatir, Vers 28.

[3] Sura An-Naziat, Vers 40.

[4] Al-Isfahani, Abu Naim Ahmad bin Abdullah, Hilia al-Aulia, Band 2, Seite 386, Beirut, Dar al-Kitab al-Arabiyy, Zweite Auflage, Jahr 1387 (Mondjahr).

[5] Sura An-Nahl, Vers 42 und Sura Al-Ankabut, Vers 59.

[6] Sura Fussilat, Vers 30.

[7] Shairi, Muhammad bin Muhammad, Jami al-Akhbar, Seite 185, Najaf, Matbaa Haidariyya, Erste Auflage, ohne Datum.

[8] Sura Az-Zukhruf, Vers 32.

[9] Sura Sad, Vers 41.

[10] Sura Sad, Vers 44.

[11] Majlisi, Muhammad Baghir, Bihar al-Anwar, Band 12, Seite 353-367, Beirut, Dar Ihya ath-Thurath al-arabiyy, Zweite Auflage, Jahr 1403 (Mondjahr).

[12] „Und (auch) Ayyub, als er zu seinem Herrn rief: „Mir ist gewiss Unheil widerfahren, doch Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen! *Da erhörten Wir ihn und nahmen das Unheil, das auf ihm war, von ihm hinweg; und gaben ihm seine Angehörigen; und noch einmal die gleiche Zahl dazu; aus Barmherzigkeit von Uns und als Ermahnung für diejenigen, die (Uns) dienen.“ (Sura Al-Anbiya, Ver 83 bis 84).


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