Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 184839
Datum der Veröffentlichung : 12/31/2016 8:43:00 AM
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Die Eigenschaften der Verstandsbesitzer im Koran (1)


Freitagsansprache von 11.11.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Eine bedeutungsvolle Thematik, in welche sich jeder Mensch damit auseinandersetzen sollte, ist die Bindung zum heiligen Koran. Der Grund dafür ist, dass dieses Buch für die Muslime als heilig zählt und den Weg zur Glückseligkeit und wahrhaftigen Andacht zu Gott preisgibt. Daher ist es sehr wichtig, dass sich die Muslime neben der Rezitation, eine gewisse Besinnung und Überlegung über diese lichterfüllten Koranverse aneignen sollten, da sich dadurch diese intensive Verbundenheit ergibt. Aus pädagogischer Sicht erkennt man, in welcher Position und Stellung man sich im Leben befindet, sodass somit die eigenen moralischen Fehler und Makel begreifbar werden. Wenn man sich über diese Koranverse ernsthaft Gedanken macht, ist es nachvollziehbar, dass man eine Korrektur im negativen Verhalten ausübt. Anhand dieser Einleitung erschließt sich, dass sich die Muslime ihr Verhalten und ihre Redewendungen, nach den koranischen Lehren ausrichten sollten. Deswegen ist es sehr bedauernswert, dass es „oberflächliche“ Muslime gibt, die noch nicht Mals den einfachsten Verbindungsweg mit den göttlichen Worten (wie die Koranrezitation) herstellen konnten, geschweige denn sich über diese Worte zu besinnen!

Die Vertrauenserzeugung mit dem Koran als Einführung der Rechtleitung des Menschen

Es ist ersichtlich, dass die Muslime, bei angemessener Auseinandersetzung mit dem Koran, dieses edle Buch, als besten Lebenswegweiser auffinden werden. Dieses Buch kann bei inniger Zuwendung, sich als harmonischsten  Partner und Freund herausbilden. Die Voraussetzung dafür ist, dass man diese lichterfüllten Worte bewahrt und es als Wegweiser zur menschlichen Glückseligkeit betrachtet und nachgeht. Dieser Blickwinkel ist Ursachen für den Bewegungsgrund der Rechtleitung und daher sehr notwendig. Sofern jeder Muslim sich nicht in seiner Betrachtungsweise des Korans Gedanken macht, wird er nicht den erforderlichen Nutzen, für die Erlangung der irdischen und jenseitigen Seligkeit ziehen können. Demzufolge richteten wir, mit der Zuversicht Gottes, die Freitagspredigten anhand ausgewählter Koranverse nach diesem thematischen Schema an. Mit der Hoffnung auf eine intensive Besinnung und Einkehr in die Koranverse, sodass sie der Anlass zu einem einwandfreien Denkvermögen und Pflichterkenntnis der Muslime führen können.

Eine Gedankenausweitung mithilfe von der Verbundenheit zum Koran

Der heilige Koran erschließt, angesichts der vielen Möglichkeiten der Menschen, immerwährend eine Potenzialsteigerung und weist ihn Schritt für Schritt dabei ein. Auch wenn es selbst einige gibt, die diese Weisungen annehmen und dadurch deren Zielpunkt, am Ende des Pfads erreichen, existieren andere, die ihr Potenzial nicht gerecht wurden und sich leider für den Irrweg entschieden haben. Gott besagt hierbei folgendes: „Wir haben ihn ja den (rechten) Weg gezeigt, ob er nun dankbar oder undankbar (dafür) ist.“[1] In einem anderen Vers besagt Gott: „Und wir haben ihn zum wohltuenden und schlechten Weg rechtgeleitet (beziehungsweise offenkundig werden lassen)!“[2] Aufgrund dieser edlen Verse, kommt es am Ende auf den Mensch selber an, welchen Weg er einschlagen wird. Sei es der Weg der ihn dazu führt, dass er auf den Pfad der Vervollkommnung einschlägt und somit seine Fähigkeiten und Potenziale erweitert werden können. Oder er wird andererseits den Weg auswählen, in der seine Begabungen untergehen und sozusagen „verkommen“. Hinsichtlich dieser Auswahl eignet sich diese Person natürlich bestimmte Merkmale an. Falls sich der Mensch den rechten und richtigen Weg aussucht, kann man ihn folgende Eigenschaften betiteln: „Geduldig, dankbar, gottergeben, fromm, weise, gläubig, gottesfürchtig…“ Im Falle der Auswahl des Irrwegs können diese Eigenschaften, ihn charakterisieren: „Ungläubig, unstimmig, polytheistisch, unterdrückend, ungehorsam, sittenlos…“ In diesem Zusammenhang gibt es im Weiteren bezüglich dieser Charaktertendenzen viel zu erläutern.

Die Eigenschaften der Verstandsbesitzer und „Denker“ im heiligen Koran

Einer der Charakteristiken, die der Koran als „zielgerichtet“ und „wahrheitsgemäß“ bezeichnet, werden auch „Ulu al-Albab“ benannt, die mehrmals in Koran auffindbar sind.[3] Die „Ulu al-Albab“ sind die Menschen gemeint, die Vernunft, Verstand und Denkvermögen besitzen und davon auch stets Gebrauch machen. Sobald diese Menschen mit der Wahrheit konfrontiert werden, nehmen sie diese uneingeschränkt und ohne Zweifel an. Sie erkennen somit in Wirklichkeit den wahren und rechtleitenden Weg. Außerdem bekennen sie sich dazu nicht nur oberflächlich, sondern bemühen sich stets dazu, tiefgründig dementsprechend zu handeln, damit sie von der Wahrheit Nutzen ziehen können. In der Sura Ar-Rad Vers 19 bis 25 werden diese Wesensmerkmale dieser Menschen erläutert. Des Weiteren werden auch Eigenschaften des Gegenpols der „Ulu al-Albab“ beschrieben. Im Folgenden ist es jedoch angemessener, dass wir die allgemeinen Schlusspunkte zusammenfassen. Zuerst wird besagt, dass: „Ist etwa jemand, der weiß, dass das die Wahrheit ist, was zu dir von deinem Herrn (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, wie jemand, der blind ist? Jedoch bedenken nur diejenigen, die Verstand besitzen.“[4] Es wird hier deutlich beschrieben, dass die „Verstandsbesitzer“ diejenigen sind, die das Buch Gottes und deren Offenbarung zum Propheten Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) als Wahrheit ansehen. Außerdem glauben sie daran, dass dieses Buch als Konzept zur Wegweisung dient, damit der Mensch seine Glückseligkeit im Diesseits und im Jenseits erlangen kann. Daher kann man zweifellos erkennen, dass diese Menschen, niemals mit blinden oder irregeführten Personen zu vergleichen sind. Demgemäß agieren die „Ulu al-Albab“ nach dieser grundlegenden Basis und bauen sich auch darauf auf. Fortsetzend wird in den weiteren Versen dieser koranischen Sura, einer der ersten Erkennungszeichen der Verstandsbesitzer angedeutet: „Diejenigen, die Allahs Bund halten und das Abkommen nicht brechen.“[5] Gemäß den vergangenen und weiteren Versen wird erneuert eindringlich betont, dass das wichtigste Abkommen zu Gott, das Abkommen als Gottesdiener ist, welcher sich auf dem rechten und wahrhaftigen Weg befindet: „Habe Ich euch, oh Kinder Adams, nicht als Verpflichtung (Abkommen) auferlegt, dass ihr nicht dem Satan dienen (anbeten) sollt, denn er ist gewiss euch ein deutlicher Feind?! * Und dass ihr mir dienen sollt? Das ist der gerader Weg!“[6]

Wenn die Menschen entsprechend dieser Verse, dieses Abkommen beachten und dabei deren eigene Stellungen finden würden, wären sie besser in der Lage, das Recht der Mitmenschen zu begreifen. Infolgedessen sollte sich jeder Mensch bewusst machen, dass sein Schöpfer allein Gott ist und er ein erschöpfter Mensch, der niemals die Grenzen seiner Stellungslage im Leben überschreiten darf. Denn dadurch wird er die Ansicht dazu vertreten, dass er der eigentlicher Eigentümer und Gebieter dieser Welt ist, obwohl er normalerweise, wie alle erschöpfende Wesen, der Diener Gottes ist. Deshalb kann man mit Stolz sagen, dass alle Propheten als Diener Gottes agierten, welche sich auf dem Weg der Wahrheit befunden haben. Zu dem Zweck werden auch deren hohen Rang, entsprechend der Dienstbereitschaft zu Gott bewertet. Man erkennt deswegen auch in der Glaubensbekenntnis „Shahada“ eines Muslims, dass beim Propheten Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) als Erstes auf seine Dienstbereitschaft zu Gott eingegangen wird  und danach auf seine lichtdurchflutende Prophetie, „…Ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist…“ Aus diesem Grund sollten niemals die Menschen dieses Abkommen brechen, da es sonst dazu führt, dass sie von der Dienstbereitschaft und somit auch vom rechten Weg abweichen.

Gott deutet in dem zweiten Erkennungszeichen der „Ulu al-Albab“ folgendes an: „Und sie verbinden, was Allah befohlen hat zu verbinden, sie fürchten ihren Herrn und haben Angst vor einer bösen Abrechnung (Jüngsten Gericht).“[7] Und ein Beispiel für diese Verbindung kann die Bindung zu dem Propheten (Friede sei auf ihn und seine Familie) und den Imamen (Friede sei auf ihnen) sein. Außerdem ist ein weiteres Beleg für diese Verbindung, die Bindungen zu der Familie, vor allem aber zu den Eltern.

Grundsätzlich kann man erwägen, dass der Islam jede Art von Bindung betont, die zum individuellen und kollektiven Wachstum und Vervollkommnung des Menschen führt. Dabei kommt es nicht darauf an, inwieweit diese Bindung angeeignet wurde, egal ob spirituell oder materiell: wie zum Beispiel Beziehungen, Freundschaften oder Verbindungen mit Menschen, die einen spirituellen hohen Rang bei Gott besitzen oder religiösen Oberhaupte. Denn es entsteht durch diese Verbundenheit eine gewisse Stabilität in der Denkweise, Überzeugung, Moral und Handlung. Dabei hilft es dazu, sich als Mensch mehr zur eigentlichen Philosophie der Schöpfung zu nähern und dadurch auch die mitmenschlichen Beziehungen zu verbessern. Der Islam erwähnt diesbezüglich auch die Form dieser Verbindungen, wie die vom Islam immer bestärkte Beziehung zu der Familie (Selleye Rahem), da sie individuelle und kollektive Einflüsse im Leben innehält. Selbst wenn dazu kommt, dass die Familienangehörige den Kontakt abbricht, berät der Islam dazu die Verbindung mit ihnen wieder aufzunehmen. Diese Verbundenheit ist ein Zeichen der Vernunft des Menschen, denn in dem letzten Koranvers wurde besagt, dass die Berücksichtigung dieser Bindungen und Abkommen, zu den Charakteristiken eines vernünftigen Gläubigen zählt.

 



[1] Sura Al-Insan, Vers 3.

[2] Sura AL-Balad, Vers 10.

[3] Sura Al-Baghara, Vers 179, 197, 269; Sura Ale-Imran, Vers 7 und 19; Sura Al-Maida, Vers 100; Sura Yusuf, Vers 111; Sura Ar-Rad, Vers 19; Sura Ibrahim, Vers 52; Sura Sad, Vers 29 bis 42; Sura Az-Zumar, Vers 9 und 18; Sura Ghafir, Vers 54; Sura At-Talagh Vers 10.

[4] Sura Ar-Rad, Vers 19.

[5] Sura Ar-Rad, Vers 20.

[6] Sura Yasin, Vers 60 bis 61.

[7] Sura Ar-Rad, Vers 21


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