Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 183166
Datum der Veröffentlichung : 8/16/2016 9:51:00 AM
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Die Islamkunde 185, der Islam und ethische Rechte 30


Freitagsansprache von 14.07.2016
Ayatollah Dr. Ramezani (Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.)
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im Namen Allahs des Allerbarmes des Allgnädigen

Ein Grund dafür, warum in den islamischen Gesetzen eine so hohe Genauigkeit besteht ist, dass der humanitäre Sektor in allen Lebensbereichen zu finden ist. Deshalb stellt der Islam somit auch einen genauen Lebensablauf eines Menschen zusammen, natürlich nur unter der Bedingung, dass man als Muslim wirklich diese Gesetze beachtet. Der Islam beschäftigt sich mit jedem Lebensabschnitt des Menschen, vor allem aber zeigt sich dieses Augenmerk, im mitmenschlichen und sozialen Bereich. Durch die vielen verschiedenen sozialen Bindungen im Leben, wie die Beziehung zum Kind, des Ehepartners oder der Mutter und dem Vater, wird für jeden Einzelnen ein bestimmtes Recht zugeordnet.

Das Recht des Freundes

Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) beschreibt das „Recht des Gefährten und Freundes“ wie folgt: „Und nun das Recht des Freundes worauf du auf folgendes achten musst: Du sollst mit ihm soweit du kannst, stets wohlwollend und gütig ein Gespräch führen. Wenn du jedoch nicht zumindest mit ihm fair umgehen kannst, so ehre und respektiere ihn genauso, wie er dich respektiert. Genauso wie er versucht dich zu beschützen, so sollst du für ihn das Gleiche tun. Sei stets im Vordergrund ihm Großzügigkeit zu erweisen und wenn er es eher getan hat, so sollst du es erwidern. Du sollst soweit du kannst, nicht die Freundschaft zu kurz kommen lassen. Habe immer die Absicht zu ihm liebevoll, beschützend und rückendeckend, in Bezug auf die Gottesunterwerfung, zu begegnen. Hilf ihm dabei, dass er nicht in Sünden kommt oder Gott ungehorsam wird! Sei für ihn wie die Barmherzigkeit selbst und peinige ihn nicht. Und keine Kraft existiert, außer durch den Willen Gottes!“[1]

Man erkennt in diesen lichterfüllten Worten von Imam Sajjad (Friede sei auf ihn), dass er sehr anschaulich das Recht des Gefährten und Freundes erläutert. Denn er bestärkt sich darauf, dass das geringste Recht für einen Freund, die Fairness und Loyalität ihm gegenüber ist und ihn stets zu ehren und zu respektieren! Man sollte sich bemühen, ihm vorrangig Gutes zu tun und immer der Rückhalt und Helfer in der Freundschaft zu sein, vor allem in Bezug auf die Gottesunterwerfung! Genauso sollte man auch nicht ermöglichen, dass er auf die schiefe Bahn gelangt und demzufolge Gott ungehorsam wird.

Wichtige Beachtungspunkte bei der Auswahl eines Freundes

Es ist ersichtlich, dass der „Sahib“ (hierbei wird „Sahib“ als Freund und Gefährte definiert) auf kurzfristige und langfristige Freunde und Freundschaften hinweist. Deswegen erhält jeder Mensch, der sich mit jemandem befreundet ein gewisses Recht, welches wir befolgen müssen. In vielen verschieden Überlieferungen wird auch daher empfohlen, dass man mit vernünftigen und weisen Menschen verkehren und Freundschaft schließen soll. Hierbei besagt Imam Ali (Friede sei auf ihn) folgendes: „Beim Verkehren mit Menschen, indem diese sechs Dinge vorhanden sind, erkennt man darin kein gutes Verhältnis: 1. Wenn er dich beim Reden anlügt. 2. Wenn er beim Gespräch untereinander, deine Aussage als Lüge sieht. 3. Wenn er bei seiner Zuverlässigkeit, dich betrogen und ausgenutzt hat. 4. Wenn er bei deiner Aufrichtigkeit, dich als Betrüger und Ausnutzer beschuldigt. 5. Wenn du ihm Großzügigkeit gezeigt hast, er diese nicht dankbar aufnimmt. 6. Und wenn er zu dir Großzügigkeit gezeigt hat, diese vor dir prahlt und aufbauscht.“[2]

Die Auswirkungen bei nachlässiger Freundesauswahl

Der Freund oder Gefährte besitzt einen sehr hohen Einfluss im Leben eines Menschen. Daher sollte man sehr vorsichtig und aufmerksam seine Freunde aussuchen, denn ein unsittliches und unpassendes Verhalten eines Freundes, kann sich sehr negativ im Menschen bemerkbar machen und Auswirkungen haben. Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) überliefert hierbei: „ Derjenige, der sich einen schlechten Gefährten und Freund aussucht, wird selber nicht gesund und stabil (in dieser Beziehung) bleiben.“ [3] Und noch schlimmer fällt es für denjenigen aus, der sich einen dummen und begriffsstutzigen Freund aussucht. Hierzu besagt Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) erneuert folgendes: „Derjenige, der es nicht vermeidet mit dummen und idiotischen Gefährten zu verkehren, wird genauso sehr schnell dieses dumme und begriffsstutzige Verhaltensmerkmal in seinem Charakter aufweisen.“[4] Aus diesem Grund werden am Jüngsten Tag, sich sehr viele Menschen bereuen und eingestehen, dass es besser gewesen wäre, wenn sie mit dieser bestimmten (guten und sittlichen) Person Umgang gehabt hätten. Denn Gott besagt in den heiligen Versen des Korans: „Und erinnert euch an den Tag an dem sich die Ungerechten in die Händen beißen werden und sagen: Oh wäre ich doch den Weg mit dem Propheten gegangen! Oh wehe mir! Hätte ich doch nimmermehr denjenigen (hierbei ist der negative Freund gemeint) zum Freund genommen! Wahrlich, er führte mich irre, hinweg von der Ermahnung, nachdem sie zu mir gekommen war. Und Satan wird immer den Menschen im Stich lassen.“[5]

Die richtige Auswahl eines Freundes spielt insoweit eine große Rolle, dass man bei der Charakterabschätzung eines Menschen, sich seine Freunde unter die Lupe nehmen sollte. Der Prophet Sulaiman (Friede sei auf ihn) überliefert hierzu: „Urteilt nicht über die Menschen, sobald ihr nicht euch seine Freunde begutachtet habt, denn man erkennt den Menschen anhand seiner Freunde.“ [6] Deswegen können diese Freunde sogar ein Menschleben verändern und sogar der Grund für Tyrannei und Ungerechtigkeit sein. Ein guter Freund, welcher auf islamisch beruhten Kriterien basiert, ermöglicht es, jemanden zur Rechtleitung, Seelenvollendung und Fortschritt im Leben zu bringen. Generell muss man darauf achten, mit welcher Person man verkehrt und sich zum Freund nimmt, denn diese Person sollte dazu verhelfen, dass man leichter das Lebensziel erreichen kann und stets mit ihm Fortschritte in der Glaubensbekenntnis und im Wissen erlangt. Denn die verschiedenen religiösen Informationsquellen stützen sich darauf, dass man sich von Personen fernhalten sollte, die „Sünden begehen und lügen, geizig, habgierig, begriffsstutzig und dumm sind und den Familienkontakt abbrechen“[7], da er einem Menschen mehr Nachteile als Vorteile zufügt.

Der Islam betont infolgedessen, dass der Mensch versuchen sollte in allen Lebenslagen, immerwährend auf das Wissen und Bewusstsein zu stützen, sodass er dadurch nicht in Irre geführt werden kann.  Demgemäß ist es angebrachter mit Menschen zu verkehren und sich anzufreunden, die auf dem Lebensweg, fortwährend Beistand und Hilfe entgegenbringen.

 



[1] Ibn Shabe Harani, Hassan ibn Ali, Tuhaf al-Ughul, Seite 266, Qom, Jamee Mudarresin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[2] Karajaki, Muhammad ibn Ali, Madan al-Jawahir wa riyadha al-Khawatir, Seite 54, Teheran, Al-Maktaba al-Murtadhawiyya, Zweite Auflage, Jahr 1394 (Monjahr).

[3] Ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, Al-Khisal, Band 1, Seite 169, Hadith 222, Qom, Jamee Mudarresin, Erste Auflage, Jahr 1362 (Sonnenjahr).

[4] Ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, Al-Amali li as-Sadough, Seite 270, Hadith 1, Teheran, Ketabchi, Sechste Auflage, Seite 1376 (Sonnenjahr).

[5] Sura Al-Furghan, Vers 27-29.

[6] Abi al-Fath, Al-Karajaki, Kanj al-Fawaid, Seite 36, Qom, Maktaba al-Mustafawiyya, Zweite Auflage, Jahr 1369 (Sonnenjahr).

[7] Ein Beispiel dafür ist in der Überlieferung von Imam Ali (Friede sei auf ihn): „In einem geizigen Freund, sieht man nichts Gutes.“ (Tamimi Amadi, Abd al-Wahid ibn Muhammad, Ghurar al-Hikam, Seite 778, Hadith 274, Qom, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Zweite Auflage, Jahr 1410 (Mondjahr). Und außerdem von Imam Ali (Friede sei auf ihn): „Entferne dich von Gefährten, die Sünden begehen, freveln und diese Sünden auch öffentlich zeigen.“ (Gleiche vorherige Quelle, Seite 161, Hadith 23). Und auch von Imam Ali (Friede sei auf ihn): „Ein Feind der Wissen besitzt ist besser als ein Freund, der begriffsstutzig ist.“ (Majlisi, Muhammad Baghir, Bihar al-Anwar, Band 75, Seite 12, Hadith 70, Beirut, Dar Ihya al-Turath al-Arabiyy, Zweite Auflage, Jahr 1403 (Mondjahr). Und von Imam Ali (Friede sei auf ihn): „Halte dich von Gefährten fern, die Lügner sind und wenn du keine andere Wahl dazu hattest (ihn als Gefährten auszuwählen),  so glaube nicht an seine Worte und zeige ihm nicht, dass du nicht an seine Worte glaubst; selbst wenn er nicht mehr mit dir befreundet ist, wird er nicht sein Charaktermerkmal ablegen.“ (Tamimi Amadi, gleiche Quelle von diesem Autor, Seite 143, Hadith 190). Und Imam Zainul Abidin (Friede sei auf ihn) empfahl seinem Sohn Imam Baghir (Friede sei auf ihn) folgendes: Entfern dich von den Leuten, die den Kontakt zu deren Familie abgebrochen haben; denn ich fand drei Mal im heiligen Koran, dass diese Menschen von Gott verflucht wurden.“ (Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, Al-Kafi, Band 2, Seite 377, Hadith 7, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr).

 


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