Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 182961
Datum der Veröffentlichung : 7/20/2016 10:35:00 AM
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Die Islamkunde 182, der Islam und ethische Rechte 27

Freitagsansprache von 24.06.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im Allgemeinen werden im Islam die Angelegenheiten, welche die Gemeinschaft betreffen, sehr hoch angesehen. Der Grund dafür ist, dass viele kollektive Rechtsgesetze im Islam vorhanden sind. Es gibt sehr viele Beispiele dafür, wie als Erstes die Pilgerfahrt, oder im finanziellen Bereich die Fünftel- und Zakatabgabe und im Handelsbereich die Gesetze, welche den Handel als Halal (islamisch gesetzlich erlaubt) oder Haram (islamisch gesetzlich unerlaubt) definieren. Das interessante ist hier zu sehen, dass alle islamischen Rechtsgesetze,  bis ins kleinen Detail ausgearbeitet wurden und deshalb auch sehr bedeutsam für die Muslime sind.

Das Recht des Gebetsrufers und des Gebetsimams

Ein Teil dieser islamischen Rechtsbestimmungen, nehmen den gottesdienstlichen Bereich ein, welcher auch wiederum kollektiv sein kann, wie zum Beispiel das Freitags- und das Gemeinschaftsgebet. Jeder dieser Gebete hat natürlich seine eigenen und zugehörigen Regelungen. Ein Argument für die gemeinschaftliche Abhandlung des Gottesdienstes ist, dass sich die Bindung der muslimischen Umma (Gemeinschaft) verstärken und verbessert werden kann. Deswegen behandelt dieser Teil des „Risalat al-Hughugh“ von Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) zwei gottesdienstliche Rechte, die sehr hohe Belohnungen innehalten. Einmal das „Recht des Gebetsrufer“ und das „Recht des Gebetsimam“, die für das Gemeinschaftsgebet relevant sind.

Der Gebetsrufer ist derjenige, der den Gebetsruf ausspricht und im Prinzip die Gebetszeit bekannt macht. Er ist dafür gerichtet, dass sich die Muslime für diesen wichtigen gemeinschaftlichen Gottesdienst zusammentreffen, denn diese Tat wird bei Gott sehr belohnt und ist daher auch sehr bedeutend. In der vergangenen Zeit nutzen viele Anhänger unterschiedlicher Religionen ein bestimmtes Mittel oder festgelegte Weisungen, damit sie sich versammeln können. Ein Musterbeispiel dafür ist, dass Glockenläuten für die Christen, oder das Benutzen eines Horns (Hupe) für die Juden, oder sogar auch das Nutzen einer Schellentrommel für die damaligen Römer. Andere wiederum zündeten ein Feuer an wie zum Beispiel die Majusian [i], sodass sich durch die Flamme die Menschen sammeln konnten. Eine andere Gruppierung nutze zum Beispiel für das Versammeln bestimmte große Fahnen. Nachdem jedoch der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) all diese Beispiele gehört hatte, wartete er auf ein Offenbarungszeichen vom Engel Gabriel (Friede sei auf ihn). Dieses Zeichen von Gott für die Muslime, bekam der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie), als er im Hause Imam Alis (Friede sei auf ihn) verweilt hat. In einer Überlieferung von Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) wird es wie folgt beschrieben: „Gabriel (Friede sei auf ihn) begab sich zum Propheten (Friede sei auf ihn und seine Familie), als er im Hause Imam Alis (Friede sei auf ihn) im Schlaf lag. Daraufhin sprach Gabriel (Friede sei auf ihn) ihm den Gebetsruf (Adhan) und den zweiten Gebetsruf (Aqama) zu. Danach stand der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie) auf und sprach: Mein lieber Ali hast du das gehört? Ali (Friede sei auf ihn) sagte: Ja lieber Prophet Gottes! Der Prophet erwiderte: Hast du dir es eingeprägt? Ali antwortete: Ja! Der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie) sagte: So bring es Bilal bei und belehre ihn! Danach brachte Imam Ali (Friede sei auf ihn) Bilal bei, wie man den Gebetsruf ausspricht.“ [ii]  

Imam Sajjad benennt ein paar Punkte, welche für das „Recht des Gebetsrufers“ relevant sind. Der wichtigste davon ist, dass der Gebetsrufer den Menschen wieder zu seinem Schöpfer erinnert und ihn zur Widmung seiner, einlädt. Dadurch ist der Gebetsrufer die beste Stütze für das Ausführen des Pflichtgebets am Tag, welche Gott für alle verpflichtend gemacht hat. Daher muss man ihn dafür stets dankbar sein und diese auch zeigen.[iii] Er lädt mit seinem Ruf im Prinzip zur Bindung mit Gott ein, welche daran erinnert, dass der Mensch einen Teil seines Lebens dem Spirituellen widmen sollte. Der Wert eines Gebetsrufers  ist genau wegen dieser besonderen Einladung zu Gott, in vielen Überlieferungen enorm hoch. Das ist auch der Grund dafür, dass dieser viel in den religiös gesetzlichen Bücher benannt und beschrieben wurde, in welche Interessierte diesbezüglich dort nachschlagen können.

Der Wert eines Gebetsrufers in den Überlieferungen

In einer Überlieferung wird gesagt, dass wenn ein Gebetsrufer den Gebetsruf mit der Zufriedenheit Gottes ausübt, viel Belohnung dafür erhält.[iv] Generell kann man sagen, dass die Aufgabe des Gebetsrufs, zur kollektiven Abhandlung der wichtigen Verpflichtung Gottes darstellt.

Das Recht des Imams des Gemeinschaftsgebets

Nachdem wir uns nun mit dem „Recht des Gebetsrufers“ beschäftigt haben, ist es auch wichtig das „Recht des Imam des Gemeinschaftsgebets“ kennen zu lernen. Denn einerseits ist er die leitende Figur für das Gemeinschaftsgebet der Menschen, welche durch den Gebetsruf versammelt worden sind, aber auch andererseits die Quelle für das Erstreben der absoluten Vollkommenheit des Menschen. Durch seine Leitung wird die Beziehung zu Gott näher gebracht und führt dazu, dass man zur aufrichtigsten Bescheidenheit mit dem Schöpfer erlangt. Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) beschreibt nun dieses Recht wie folgt: „Und nun das Recht des Imam des Gemeinschaftsgebets ist wie folgt: Du muss wissen, dass er die Aufgabe hat dich mit Gott zusammenzuführen und zu nähern. Seine Aufgabe ist, dass er für dich als Vertretung vor Gott spricht, du jedoch nicht als seine Vertretung sprechen kannst. Er für dich Bittgebete spricht, du jedoch nicht für ihn Bittgebete sprechen kannst. Er für dich bestimmte Wünsche macht, du jedoch nicht für ihn machen kannst. Er nimmt für dich die wichtige Stellung ein, dass er für dich vor Gott steht und für dich vor Gott erfragt, jedoch du nicht dafür geeignet bist dies zu tun. Und wenn ein Makel bei seiner Handlung gefunden wird, so betriffst es ihn und nicht dich. Wenn er Sünden begeht, so bist du nicht daran beteiligt und er ist dir auch nicht höher gestellt. Er ist wie ein Schutzschild für dich, genauso wie sein Gebet ein Schutzschild für dein Gebet ist. Aufgrund dieser Eigenschaften müssen wir stets Gott danken, und es besteht keine Kraft außer durch Gottes Willen.“[v]

Die Philosophie des vorgeschriebenen Gemeinschaftsgebets

Ein wichtiger Punkt sollte man in der Charakteristik des Gemeinschaftsgebets und deren Philosophie seiner Gesetzesmäßigkeit wissen, da das Gemeinschaftsgebet selbst sehr viele positive Einflüsse besitzt. Ein Beispiel dafür ist der kollektiv ausgeübte Gottesdienst im Qiyam (Aufrichtung im Gebet), Ruku (Beugung im Gebet) und Sajda (Niederwerfung im Gebet) und auch in den anderen Gebetsabschnitten, welche besondere Wirkungen bei den einzelnen Mitbetenden beinhalten. Im Weiteren können die Gläubigen anhand der Befolgung des Gemeinschaftsgebets, Ordnung und Disziplin beibehalten. Außerdem wird auch dadurch eine gewisse Bindung von Herzlichkeit und Verständnis unter dem muslimischen Brüdern gewonnen. Dadurch wird im Laufe des Lebens die Vertrautheit zueinander immer mehr gestärkt, da man auf die Lebenslagen untereinander stets aufmerksam wird. Überdies zeigt sich in diesem religiösen kollektiven Ritual, jede Art von Gottesfurcht, ganz gleich ob Mann oder Frau, reich oder arm, schwarz oder weiß. Es ist wichtig zu benennen, dass die Gläubigen, welche aufrichtig und stetig das Gemeinschaftsgebet verrichten, einen engen Bezug zum wahrhaftigen Lebensstil eines Gottesdieners besitzen. Die Gründe dafür sind zum Beispiel: Das Beten anfangs der Gebetszeit, die kollektive Praktizierung eines Gottesdienstes, das Verzichten auf alle materiellen Dinge zu einer bestimmen Zeit, die Achtung auf den eigenen Glaube und die Gotteswidmung des besten Augenblicks am Tag. Es ist dringend erforderlich zu erwähnen, dass sich der Mensch niemals von seinem Lebensziel entsinnen und sich somit von den vielen Segen Gottes entfernen lassen soll. Sondern eher tagtäglich die Handlungen auszuführen, die Gott mehr zufrieden zu stellen. Daher erhält das Gemeinschaftsgebet in den Koranversen und in den Überlieferungen einen besonders hohen Rang. Imam Ridha (Friede sei auf ihn) besagt hierzu: „Das Gemeinschaftsgebet wurde deshalb gesetzmäßig festgelegt, da die wahre Aufrichtigkeit (auch Khulus genannt) des Gottesdienst nur dann erlangt werden kann, wenn man diese in der Öffentlichkeit austrägt! Denn dieses öffentliche Austragen des Gemeinschaftsgebets  ist zunächst erst mal ein Beweis Gottes für alle Menschen, egal ob im Osten oder Westen der Welt. Außerdem ist es ein weiterer Beweis sowohl für die Heuchler, als auch für den, der das Gebet auf die leichte Schulter nimmt, sodass sie für die Dinge, an die sie glauben wirklich praktizieren können. Darüber hinaus ist es dafür dar, damit man den Islam und die Verantwortung ihm demgegenüber öffentlich reflektiert.  Hinzukommend agiert es auch für die Bekundung und Bekenntnis der Muslime untereinander. Des Weiteren ist hinzuzufügen, dass bei der Praktizierung des Gemeinschaftsgebets die Muslime sich gegenseitig unter die Arme greifen und somit Gutes tun können, sodass Raum der Wohltätigkeit für die Menschen leichter verschaffen werden kann. Viele Entgleisungen und Frevel werden vor allem durch das Gemeinschaftsgebets verhindert.“[vi]

 

Das Gemeinschaftsgebet als Element für Einheit und Zusammenhalt in der Gesellschaft

Ein wichtiger Punkt in Bezug auf das Gemeinschaftsgebet, welche durch die Leitung des Gemeinschaftsimam ausgeführt wird, ist grundsätzlich die kollektive Ausübung des Gottesdienstes. Denn dadurch gerät die Gesellschaft zu einem einheitlichen Standpunkt der wahren Lebensform eines Gläubigen, sodass man durch dieses Mittel leichter zum eigentlichen Lebensziel der Schöpfung gelangen kann. Es ist sehr eindeutig, dass die verschiedenen und prägnanten Aspekte einen sehr wichtigen Teil, für die spirituelle Steigerung der Menschen in der Gesellschaft erfüllen. Diese prägnanten Aspekte können wie zum Beispiel der Glaube an Gott, das Ersuchen zu seiner Näherung und das Empfinden seiner ständigen Anwesenheit sein. Daher sollten wir durch gegenseitige Beihilfe stets versuchen, uns zu diesem wahren Lebensweg anzuschließen. Der Gemeinschaftsimam (genauer gesagt der Imam des Gemeinschaftsgebets) erfüllt erst dann seine Verpflichtung als wahrhaftige Führung dieser Einheit, sobald er seine Leitung richtig zu handhaben weiß und die Menschen zur Quelle der wahren Geistigkeit lenkt. Diese ganzen Faktoren werden erst dann erlangt, wenn die Zuwendung und Interesse der Mitbetenden (die hinter dem Gemeinschaftsgebetsimam stehen) zur Gottesnäherung besteht. Infolgedessen ist es für den Mitbetenden notwendig sein Recht diesbezüglich genau nachzukommen. Genauso auch für den Gebetsrufer, welcher jeden auf diesen gemeinschaftlichen Gottesdienst hinweist.



[i] Feueranbeter

[ii] „..“(Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, Al-Kafi, Band 3, Seite 302, Hadith2, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr). Und Ibn Babibwai, Muhammad ibn Ali, Man la yadhuruhu al-Faghih, Band 1, Seite 282.)

[iii] „Das Recht eines Gebetsrufers ist, dass man wissen muss, dass er dich zu Gott erinnert und er dafür eine Stütze ist, sodass du die Verpflichtung Gottes abhalten kannst. So sei stets für seine Aufgabe dankbar, genauso wie du für jemanden der dir Gutes tat, dankbar bist. Du sollst ihn nicht für seine Gottestat in Zweifel bringen, denn du musst wahrlich wissen, dass er ein Gottessegen für dich ist. So zeige stets überall Dankbarkeit für dieses Segen Gottes und es gibt keine Kraft außer durch den Willen Gottes.“ (Ibn Shabi Harani, Hassan ibn Ali, Qom, Tuhaf al-Ughul, Seite 265).

[iv] Wie zum Beispiel die Überlieferung vom Propheten Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie): „Gott verzeiht dem Gebetsrufer seine Sünden bis zu dem Punkt wo der Gebetsruf erreicht wird. Und alles Trockene und Nasse, wo der Gebetsruf hinreicht, spricht für ihn Vergebung aus.“ (Al-Imam Ahmad ibn Hanbal, Musnad Ahmad, Band 2, Seite 136, Beirut, Dar Sadir, ohne Datum). Und auch in der Überlieferung von Imam Sadigh (Friede sei auf ihn), der besagte: „Jeder Mensch, der zehn Jahre in seinem Leben für die Zufriedenheit Gottes den Gebetsruf ausspricht, wird Gott ihm für das Erreichen seiner Laute und Sicht in den Himmel, seine Sünde verzeihen. Und alles Trockene und Nasse, welches seinen Gebetsruf erhört, wird ihn bestätigen. Und bei jedem Gebet, das in dem Gebetshaus (Masjid) ausgeführt wird, ist er in der Belohnung Gottes mit einbezogen, sodass jeder Betende, der seinen Ruf hörte, einen bestimmten Teil von der Belohnung und Gabe beteiligt ist.“ (Tusi, gleiche Quelle, Band 2, Seite 284, Hadith 1131.).

[v] Ibn Shabi Harani, Hassan ibn Ali, Qom, Tuhaf al-Ughul, Seite 265

[vi] Imam Ridha (Friede sei auf ihn) besagt: „…“(Ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, Uyun Akhbar al-Ridha (aleihi al-salam), Band 2, Seite 109).



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