Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 182960
Datum der Veröffentlichung : 7/20/2016 11:56:00 AM
Aufrufe : 1432

Die Islamkunde 181, der Islam und ethische Rechte 26


Freitagsansprache von 17.06.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Ein weiteres moralisches Recht ist die „Wohltätigkeit und Wohltat“, welche sehr respektiert wird und eine hohe moralische Stellung in der Gesellschaft besitzt. Man kann sagen, dass sie weltweit die „goldene und wertvolle Basis“ der moralischen Tugenden ist. Gewiss ist für einen gläubigen Menschen diese Grundlage der Schlüssel zur Problemlösung der humanitären Gemeinschaft und zudem bewegt sie auch, dass sich die Seele individuell heben und ausweiten kann. Aus diesem Grund sollte man generell versuchen diesen wohl tuenden Charakter in die Gemeinschaft einzubeziehen, sodass man dadurch die wahren Schönheiten der Tugenden in der Gesellschaft auffinden kann.

Die Bedeutsamkeit der Wohltätigkeit in Koranversen und Überlieferungen

Zunächst ist im Allgemeinen zu sagen, dass die Wohltat ein bestimmtes Gebot ist, auf welches Gott hingewiesen hat: „Gott belehrt auf Gerechtigkeit und Wohltätigkeit.“[i] Zwei Aspekte werden hier aufgeführt, die Gerechtigkeit und die Wohltätigkeit. Diese spielen eine große Rolle in den Bereichen des Wohlergehens und der internen Sicherheit der Gesellschaft. Aufgrund seiner Begriffsdefinition, wird die Wohltätigkeit generell höher gestellt als die Gerechtigkeit. Die Ursache dafür ist, dass bei der Gerechtigkeit, durch ein bestimmtes Verantwortungsbewusstsein, jede Angelegenheit angemessen und unparteilich geregelt wird[ii], egal ob sich diese Sache auf uns selbst oder auf andere bezieht. Bei Verwirklichung dieser gelangt jeder einzelne Mensch zu seinem unanfechtbaren Recht [iii] und wird daher auch nicht mehr unterdrückt oder ungerecht behandelt. Bei der Wohltätigkeit agiert der Mensch viel mehr als das, was er an Verpflichtungen besitzt. Somit gibt er mehr, als das, was er dafür rechtlich gesehen zurückerhält und verzichtet daher auf seinen eigenen Anspruch, sodass es Anderen zuteilwird.[iv] Im Allgemeinen ist die Wohltätigkeit eine Angelegenheit, welche jeden Menschen betrifft und bei Gott über einen hohen Wert verfügt. In dem folgenden Vers wird die Wohltätigkeit in der Verhaltungsweise beschrieben: „Welche Belohnung gibt’s für die Wohltätigkeit, außer der Wohltat? Ist etwa die Gegenleistung für die Güte etwas anderes außer die Güte?“[v](Bemerkung: Hier ist eine rhetorische Frage benannt worden mit der Bedeutung, dass die Belohnung von Gott bei jemanden, der wohltätig ist, nur die Wohltätigkeit selbst sein kann.) In einer Überlieferung von Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) wird diese Thematik wie folgt beschrieben: „Es gibt es Verse im heiligen Koran, welche allgemein gültig sind. Der Überlieferer fragte: Welchen Vers? Der Imam (Friede sei auf ihn) antwortete: „Welche Belohnung gibt es für die Wohltätigkeit, außer der Wohltat?“ Hierbei geht es um die Beziehung des Gläubigen und des Ungläubigen und des Wohltäters und dem Böswilligen, wo generell die Antwort auf etwas Gutes, nur die Güte selbst sein kann. Jeder Mensch der wohlwollend behandelt worden ist, muss dies wiederum erwidern. Hieran ist zu vermerken, dass man nicht im gleichen Maß diese Wohltat ausgleichen sollte, sondern mehr als das. Denn wenn man bei der gleichen Größenordnung  der Wohltätigkeit verbleibt, ist er dir überragen, denn er ist derjenige, der den ersten Schritt dazu geleistet hat.“[vi]

Das Recht des Wohltäters

Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) beschreibt im „Rechts des Wohltäters“ folgende Verhaltensmerkmale: „Nun jedoch ist das Recht desjenigen der dir wohlgetan hat, wie folgt: Du sollt ihn für seine Tat Dankbarkeit zeigen und stets ihn und dich selbst auf seine Wohltat aufmerksam machen. Außerdem sollst du immerwährend Gutes über ihn bei anderen verbreiten und für ihn bei Gott Bittgebete sprechen. Wenn du dies durchführst, zeigst du damit seine Dankbarkeit, sowohl verborgen, als auch offensichtlich. Dann sollst du auch, wenn es dir möglich ist, seine Wohltätigkeit erwidern. Andernfalls solltest du zumindest stets dafür Bereitschaft zeigen und dich hinsichtlich dieser Sache vorbereiten.“[vii]

Zwei wichtige Punkte

Es gibt einige wichtige Punkte in diesem Recht, welche in der lichterfüllten Aussage Imam Sajjads (Friede sei auf ihn) beschrieben wurden und wichtig sind nochmals zu erläutern. Eines davon ist, dass der Mensch sich dankbar bei jeder Wohltätigkeit zeigen sollte. Des Weiteren muss er sich immer jede Wohltat, mehrmals ins Gedächtnis rufen. Verpflichtend ist es auch, dass er sogar auch diese schöne und wohlwollende Tat, durch positive Äußerungen, bei anderen Mitmenschen weiterverbreitet und auch für ihn Bittgebete spricht. Bei solch einer Verhaltensweise, wird von einer offenbaren und unbemerkten Dankbarkeit gesprochen. Ein weiterer bedeutender Aspekt ist, dass man so weit wie möglich versuchen sollte diese Wohltätigkeit zu erwidern. Falls man jedoch diese Mittel nicht dazu hat, kann man sich wenigstens für diese erkenntlich zeigen. Es ist sehr eindeutig, dass das Ergebnis eines derartigen positiven mitmenschlichen Verhaltens sich in der Gesellschaft, durch ein ständiges gegenseitiges „wohltätigen“ erkennen lassen wird. Egal ob man derjenige ist, der dies ins Rollen gebracht hat oder derjenige, der dies wieder gutmacht. Daher wird auch in einem Koranvers erklärt: „Wenn euch jedes Mal etwas Gutes getan wird, so erwidert dies besser; oder zeigt euch wenigstens im gleichem Maße erkenntlich! Gott weiß über alles Bescheid und begleicht alles.“[viii] Es wird betont, dass derjenige, dem etwas Gutes getan wurde verpflichtet fühlen soll, dies in einer besseren Weise zu erwidern. Falls er jedoch diese Bedingungen dazu nicht besitzt, ist es wichtig, dass er sich wenigstens damit erkenntlich zeigen lässt. Es ist anzumerken, dass das Wort „Tahiyya“ in dem Vers, normalerweise das Begrüßen darstellen soll, aber Ali ibn Ibrahim überliefert von Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) diesbezüglich folgendermaßen: „Die „Tahiyya“ bestrebt in dem „Begrüßungsvers“, jede Art von Wohltätigkeit .“[ix] Deshalb ist dieser  Koranvers eine allgemeine Regelung, welche jede Art von gütiger Äußerung einbezieht. Daher kann man diesen Charakter von Versen als „Wohltätigkeit und Güte“ benennen, welche zu den wichtigen moralischen Verhaltensweisen und Tugenden weltweit zählen.

Es ist klar zu erkennen, dass alle Menschen von Natur aus, Gutes und Böses nicht gleichwertig sehen und der Koran berichtet hierzu wie folgt: „Gutes und Böses sind niemals gleich gestellt. Wenn jemand mit dir Böses begeht, so erwidere ihm mit etwas  Gutem, sodass sich dadurch die Feindschaft, wenn er diese zur dir besitzt, zur Freundschaft umwandelt und ihm somit zu einer deiner besten Freunde zählen wird.“[x] Wenn man sich diesen Vers nochmal genau betrachtet, bemerkt man, dass man im Vergleich zu etwas Gutem, selbstverständlich nur Wohltätigkeit sieht und von Natur als Mensch nichts anderes erwartet. Denn es ist wichtig festzustellen, dass man selbst bei schlechten Menschen nur Gutes zum Ausdruck bringen sollte, sodass dadurch Liebe und Freundlichkeit entstehen können. Durch solch eine moralische Regelung, können Feindschaft und Rache beseitigt und zur Freundschaft umgeändert werden. Hierbei wird auch in manchen Überlieferungen besagt: „Wenn man dich betrügt hat, sollt du dies nicht mit Betrug begleichen.“[xi] Weitere Überlieferungen bekräftigen, dass man bei Kontaktbruch nicht genauso handeln sollte.“[xii] Generell ist zu bemerken, dass wir uns alle zu diesen ganzen moralischen Anordnungen angesprochen fühlen dürfen. Es ist jedoch zu benennen, dass bei Betrug, der individuelle Betrug gemeint ist, nicht der Betrug, der kollektiv abgehandelt wurde. Denn bei Betrug, der an mehreren Personen verübt worden ist, muss sich ein Gericht um diese Angelegenheit kümmern. Aus diesem Grund sollte man bei persönlichen Begebenheiten, stets versuchen zu verzeihen, sich aufzuopfern und wohltuend zu agieren. Woraufhin sich im Endeffekt die Gesellschaft voller Harmonie und Liebe bereichern lassen kann. Hinzukommend bezieht sich diese moralische Weisung nicht nur auf die muslimischen Verbindungen, sondern auch auf nichtmuslimische. Daher ist es sogar auch möglich, dass sich durch diese vielen moralischen Richtlinien, die ganze Menschheit wieder versöhnt und somit wieder vereinen kann. Wie schön ist doch dieser Vers, der besagt: „Begehe Gutes, denn Gott behandelte dich wohlwollend.“[xiii] Denn jeder einzelne Mensch verlangt von Gott, dass er sich immer wohlwollend um sie kümmert und stets nur das Gute für sie wünscht. Demzufolge ist es angebracht, dass sich der Mensch das auch für die anderen erhofft, daher spricht der heilige Koran auch stets vom Verzeihen und Vergeben, da es eine humanitäre Erwartung ist. Ein weitere Beispiel hierzu ist wie folgt: „Sie müssen verzeihen und eine Auge zu machen; Magst du es denn selber nicht, dass Gott dir verzeiht und Barmherzigkeit schenkt? Und Gott ist der Allerbarmer und Allgnädiger!“[xiv] Wenn man sich im Allgemeinen alle Überlieferungen in Bezug auf die Wohltätigkeit betrachtet, entdeckt man, dass diese Begebnisse, zu den humanitären Begebenheiten zählen. Wie auch Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) besagte: „Mit den Menschen im Guten zu handeln, gilt als ein Drittel des Verstand.“[xv] Ein weitere Aussage ist vom Propheten Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie): „Sich freundlich und gütig gegenüber den Menschen zu verhalten, wird zur Hälfte des Menschverstand gezählt.“[xvi] Genauso als man von dem Propheten (Friede sei auf ihn und seine Familie) Weisheiten und Ratschläge forderte, antwortete er folgendermaßen: „Sei zu den Menschen stets gütig und freundlich, sodass sie an dir Gefallen finden.“[xvii]

Nachdem man sich diese Überlieferungen und Koranversen genau reflektiert, macht man sich bewusst, dass die gemeinschaftliche „Wohltätigkeit und Wohltat“ eine wichtige Schlüsselfigur, zur Begleichung aller mitmenschlichen Zwiespalte verkörpert und diese somit aus der Welt schafft. Daher ist es unersetzlich, dass wir uns alle dafür ernsthaft bemühen, dies in unserer Gemeinschaft zu realisieren. Außerdem können wir es als goldene moralische Richtlinie in unserem Leben miteinbringen, sodass wir somit im Endeffekt, ein kulturelles Verhaltensgut in der Gesellschaft bilden können.



[i] Sura Al-Nahl, Vers 90.

[ii] Nahj al-Balagha, Weisheit 437.

[iii] Diese Begriffsbestimmung von Gerechtigkeit wurde von einer umfassenden Überlieferung definiert, welche Sheikh Tusi in einer Angelegenheit der Fünftelabgabe aufgeführt hat, wo Imam Kadhim (Friede sei auf ihn) sagte: „…“ (Tusi, Muhammad ibn Hassan, Tahzib al-Ahkam, Band 4, Seite 128-131, Hadith 366).

[iv] Raghib Isfahani, Hussain ibn Muhammad, Mufradat Alfadh al-Quran, Seite 236, Beirut, Dar al-Qalam, Erste Auflage, ohne Datum.

[v] Sura Al-Rahman, Vers 60.

[vi] Uthman ibn Isa von Ali ibn Salim, der sagte, dass ich dies von Aba Abdillah (Imam Sadigh, Friede sei auf ihn) gehört habe: „..“( Kufi Ahwazi, Hussain ibn Said, Al-Zuhd, Seite 31, Hadith 78, Al-Mutbaa al-Alimiyya, Qom, Zweite Auflage, Jahr 1402 (Mondjahr). Und Al-Arusi al-Huwaizi, Abd Ali ibn Jumaa, Tafsir Nur al-Thaghalain, Band 5, Seite 199, Hadith 58, Qom, Ismailian, Vierte Auflage, Jahr 1415 (Mondjahr) ).

[vii] Ibn Shab Harani, Hassan ibn Ali, Tuhaf al-Ughul, Seite 265, Qom, Jamee Mudarrisin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[viii] Sura Al-Nisa, Vers 86.

[ix] Tabarsi, Fadhl ibn Hassan, Majma al-Bayan fi tafsir al-Quran, Band 3, Seite 131, Teheran, Nasser Khorou, Dritte Auflage, Jahr 1372 (Mondjahr).

[x] Sura Fussilat, Vers 34.

[xi] Ibn Shab Harani, gleicher Nachweis, Seite 284.

[xii] Eine Überlieferung von den Reinen (Friede sei auf ihnen) beschreibt dies wie folgt: „…“ Drei Dinge gehören zu den positiven Charakterarten, welche sehr wertvoll für das Diesseits und des Jenseits sind: Das Verzeihen, wenn dir jemand etwas zu Unrecht begangen hat, in Verbindung treten mit demjenigen, der mit dir den Kontakt abgebrochen hat, und sich brüderlich zu jemanden verhalten, der mit dir unwissend umgegangen ist.“ (Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, Al-Kafi, Band 2, Seite 107, Hadith 3, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr) ). Und in einer anderen Überlieferung von Imam Ali (Friede sei auf ihn) wird besagt: „Bleibe stets in Kontakt mit deiner Familie, auch wenn sie den Kontakt abgebrochen haben.“ (Tusi, Muhammad ibn Hassan, Al-Amali, Seite 208).

[xiii] Sura Ghasas, Vers 77.

[xiv] Sura Al-Nur, Vers 22.

[xv] Kulaini, Al-Kafi, Band 2, Seite 643, Hadith 2.

[xvi] Kulaini, Al-Kafi, Band 2, Seite 643, Hadith 4.

[xvii] Kulaini, Al-Kafi, Band 2, Seite 642, Hadith 1.



Kommentar



Zeige nichtöffentliche