Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 182958
Datum der Veröffentlichung : 7/20/2016 10:17:00 AM
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Die Islamkunde 180, der Islam und ethische Rechte 25

Freitagsansprache von 04.06.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Ein weiteres moralisches Recht, auf welches der Islam viel Rücksicht nimmt, ist die islamische Brüderlichkeit. Hierbei erkennt man zwei Arten von Ansichten bei dieser Thematik: 1- Man stellt sich allgemein unter der Brüderlichkeit den wahren und biologischen Bruder vor, welcher vom gleichen Elternteil entspricht. Als Beispiel hierzu kann man die Erbschaft hervorheben, welche zu den islamischen Gesetzen zählt. 2- Manchmal wird die Brüderlichkeit auch als Tradition, Glaubensrichtung und Konfession verwendet. Genauso wie auch im heiligen Koran diesbezüglich besagt wird: „Die Gläubigen sind untereinander wie Brüder (gleichgestellt).“ [i] In vielen Überlieferungen wird auch bestätigt, dass die Muslime untereinander wie Geschwister gleichrangig sind. Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) erklärt hierzu folgendermaßen: „Und nun das Recht deines „Bruders“, welches du als Erstes wissen musst, dass er wie deine eigene Hand agiert! Er ist auch dein Stützpunkt, wo du Zuflucht finden kannst. Dein Ansehen und Ehre, auf welches du vertrauen kannst. Deine Energie und Kraft, mit dem du vorwärts gehen kannst. So nutze ihn nicht als Waffe gegen die Forderungen, welche Gott dir gestellt hat. Auch nicht als Mittel für die Unterdrückung für die Geschöpfe Gottes. Sei immer ihm behilflich und setzte dich stets gegen seine Feinde ein und sei der Grund dafür, dass er sich von den teuflischen Einflüsterungen und Einflüsse entzweit. Beratschlage ihn, stehe ihm bei und zeige ihm immerwährend Aufmerksamkeit. Wenn er Gott gehorcht und seine Befehle befolgt, so ist dies sehr gut und hör auf ihn! Falls er jedoch nicht auf Gottes Forderungen achtet, wertschätze zuerst Gott, dann deinen „Bruder“, denn in dem Fall sollte man Gott anfänglich wichtiger im Leben erkennen, als ihn!“ [ii]

Imam Sajjads (Friede sei auf ihn) Blick auf die Brüderlichkeit ist ohne Zweifel mit gesellschaftlichem und sozialem Auge zu betrachten. Denn dadurch dass die Gläubigen untereinander wie Brüder oder Geschwister sind, soll damit eine gewisse Stabilität und Festigung im Verhältnis untereinander entstehen. Dies beabsichtigt der Imam durch seine Aussagen im „Risalat al-Hughugh“. Im heiligen Koran wird auch verdeutlicht, dass bei Unstimmigkeiten zwischen zwei Brüdern, diese wieder untereinander bereinigt werden sollte: „ Die Gläubige sind wie Brüder untereinander, so schlichtet und bereinigt sie unter euch (bei Unstimmigkeiten) und fürchtet euch vor Gott, denn wenn ihr so handelt, werdet ihr von der Barmherzigkeit Gottes umgeben sein!“ [iii]

In den islamischen Lehren ist die Brüderlichkeit ein wichtiger und tiefgründiger Bestandteil, welches ausdrücklich betont und hervorgehoben wird.  Denn der Islam wiederspiegelt in Wirklichkeit für alle Muslime zusammen die einheitliche „große Familie“. Wohingegen der große Teil des Islams, die gottesdienstlichen und politischen Gesetze einnehmen, zeigt sich hierbei die Brüderlichkeit in einer der schönsten Art und Weise. Als gutes Beispiel dazu ist die große Pilgerfahrt der Muslime im Monat Dhulhajja. Dieses große Ereignis, wo alle Völker und islamischen Gruppierungen in Mekka zusammentreffen, bringt im Prinzip genau diese Brüderlichkeit zum Ausdruck. Denn es entspricht durch seine gemeinsamen gottesdienstlichen Taten, welche dort von allen Muslimen gleich ausgeübt werden müssen, als einheitliches Symbol des Monotheismus. Aus diesem Grund nehmen die Pilger der Brüderlichkeit, die sie dort gesehen haben, als große Lebenserfahrung wieder mit nach Hause. Die Brüderlichkeit, welche dort unter anderem als beste kollektive Gottesdienstbegegnung widergespiegelt.

Das Brüderlichkeitsgesetz in Überlieferungsaussagen

Der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) erwähnt mehrmals in seinen Überlieferungen die gemeinschaftliche Brüderlichkeit bei den Muslimen, wie in diesem Beispiel: „Die Muslime sind wie Brüder zueinander, wo niemals einer unterdrückt oder im Stich gelassen wird, sondern man steht ihm stets bei jeder Lebenslage bei.“ [iv] In einer anderen wird besagt: „Die zwei Brüder im Glauben sind wie zwei Hände, wo die eine, die andere sozusagen „wäscht“.“ [v] Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) besagt auch in einer weiteren Überlieferung: „Der Gläubige, ist der Bruder eines anderen Gläubigen, denn sie agieren gemeinsam wie ein einheitlicher Körper. Wenn ein Teil davon Schmerzen erleidet, verspüren es die weiteren Körperteile ebenfalls. Der Ursprung der zwei Seelen der Gläubigen ist aus einer. Die Verbindung zwischen Gott und den Gläubigen ist sogar stärker als die Bindung zwischen der Sonne und ihren Strahlen.“[vi]

Die Brüderlichkeit ist eine wertvolle Bereicherung im Islam, da viel Mühe erlangt wird, um diese zu verstärken und zu festigen. Imam Ali (Friede sei auf ihn) gibt hierbei, zu Malik Ashtar folgende Ratschläge: „Die Menschen bestehen aus zwei Gruppen: Die eine sind deine Brüder im Islam und die anderen sind deine Mitmenschen.“ [vii] Dieser Satz beinhaltet wichtige Bürgergesetze und Bestimmungen, welche für ein friedliches Zusammenleben von hoher Bedeutung sind. Daher ist es auch generell in einer islamischen Gesellschaft nicht angebracht, Zwiespalt oder Unruhen zu stiften. Gott weist diesbezüglich im heiligen Koran folgendermaßen hin: „Und greift alle gemeinsam zum Strang Gottes, und entzweit euch nicht! Erinnert euch stets an die Segen und Gaben Gottes, als ihr gegenseitig Feinde zueinander wart und Gott es war, der eure Herzen mit seiner Liebe gefüllt hat. Er ist derjenige gewesen, der durch seinen Segen, euch zu Brüdern gemacht hat.“ [viii]

Um weiterführend diese gegenseitige Brüderlichkeit anzustreben und fortzusetzen, sollte man sich untereinander zunächst auch gerecht und fair verhalten. Imam Ali (Friede sei auf ihn) spricht dazu folgende Aussage: „Mit Gerechtigkeit und Fairness, wird die Brüderlichkeit weiterbestehen und fortgesetzt.“ [ix] Das Thema „Fairness und Gerechtigkeitsgefühl“ spielt insoweit eine Rolle, sodass der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie) dies zu einer der hochrangigen Werke und Tugenden (das Haupt aller Werken sozusagen) zählt: „Der Kopf aller Werke sind drei Dinge: Fair zu den Mitmenschen zu sein, Beihilfe und Nachsicht auf dem Weg Gottes zu seinen Glaubensbrüdern auszuüben und stets in jeder Lage die Gedanke bei Gott zu haben.“ [x] Auch wurde überliefert, dass der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie), der damals sieben Jahre alt war, zu seine Ziehmutter Halima Sadiyya sprach: Wo sind meine Brüder? Sie antwortete: Mein liebes Kind, sie sind draußen auf dem Feld, um die Schafe, welche durch dich uns als Segen bereichert wurden, grasen zu lassen. Das kleine Kind sagte: Oh Mutter, wieso behandelst du mich denn nicht gerecht? Die Mutter sprach: Warum? Er antwortete: Findest du es richtig, dass ich hier im kühlen Schatten sitze und Milch trinke, währenddessen meine Brüder draußen auf dem Feld in der heißen Hitze stehen?“ [xi]

Zum Schluss gibt es noch eine zusammenfassende Aussage des Propheten (Friede sei auf ihn und seine Familie), welche die Verhaltensbeziehung unter den Muslimen beschreibt. Hierbei ist diese in dreißig Gesetzen aufgeteilt, an der sich jeder Muslim halten sollte, da diese Befolgung immerwährend auf Gegenseitigkeit beruht. Wir hoffen, dass wir uns in einer islamischen oder allgemeinen Gesellschaft, diese wichtigen Anweisungen ans Herz nehmen und stets als Leitfaden in unseren Leben einbeziehen: „Der Muslim hat in Bezug auf seine Muslimbrüder dreißig Rechte einzuhalten, welche beim Verstoß dieser, die Vergebung des Muslimbruders erlangt und erzielt werden muss (auch wenn es unabsichtlich verletzt worden war). Wie das Verzeihen des Glaubensbruders bei Fehlern, die er begangen hat. Bei seiner Unzufriedenheit, stets freundlich, erhaben und gütig zu sein. Seine Geheimnisse zu bewahren. Seine Fehler zu beseitigen. Seine Entschuldigungen anzunehmen. Bei negativen Nachreden, verteidigend hinter ihm zu stehen. Immer das Beste für ihn zu wünschen. Seine Freundschaft inne zu halten. Seine Absprachen einzuhalten. Ihn beim Krankenbett zu besuchen. Bei seiner Leichenbestattung teilzunehmen. Seine Einladungen zu begrüßen. Seine Geschenke anzunehmen. Nach Beschenken seinerseits, ihn auch zu bescheren. Ihn als Segen, bei Gott zu danken. Die Mühe zu geben, stets hinter ihm zu stehen. Seine Familie zu schützen. Seine Wünsche zu erfüllen. Für seine Wünsche Fürbitte zu erlangen. Bei seinem Niesen, Gesundheit auszusprechen. Bei verlorenen Dingen, ihm Weg zuweisen. Bei seiner Begrüßung zu antworten. Bei seinen Aussagen, immer das positive daraus zu ziehen. Belohne ihn stets ansehnlich. Nimm seinen Schwur ernst. Nimm seinen Freund zu Freund und feinde dich nicht mit ihm. Hilf ihm stets, sei er ein Unterdrücker oder Unterdrückter: Aber du sollst ihm bei seiner Tyrannei, zur Beseitigung dieser negativen Charaktereigenschaft verhelfen und bei Unterdrückung, ihm beim Erlangen seines Rechts verhelfen. Lass ihn nie bei unterschiedlichen Lebenslagen alleine. Das was du selbst als Gutes verlangst auch für ihn zu gebieten und das, was du selbst verwehrst, auch von ihm abzuwenden.



[i] Sura Al-Hujjarat, Vers 10.

[ii] Ibn Shaba Harani, Hassan ibn Ali, Tuhaf al-Ughul, Seite 264, Qom, Jamee Mudarresin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[iii] Sura Al-Hujjarat, Vers 10.

[iv] Al-Bukhari, Sahih al-Bukhari, Band 3, Seite 98, ohne Verlagslage, Dar al-Fikr litbaa wa al-Nashr wa al-taudhi, Jahr 1401 (Mondjahr). Und Al-Naishaburi, Muslim, Sahih Muslim, Band 8, Seite 11, Beirut, Dar al-Fikr, Ohne Datum. Und im Ziyada „La yakhzuluhu wa la yahghuruhu“. Und Halawani, Hussain ibn Muhammad, Nazha al-Nadhir wa tanbih al-Khatir, Seite 41, Hadith 126.

[v] Al-Ghazali, Muhammad, Ihya ulum al-Dina, Band 5, Seite 142, Beirut, Dar al-Kitab al-Arabiyy, ohne Datum. Und Nuri, Hussain ibn Muhammad Taghi, Mustadrak al-Wasail wa Mustanbit al-Masail, Band 9, Seite 49, Hadith 10167, Qom, Muassisa Ale al-Bait (Friede sei auf ihnen), Erste Auflage, Jahr 1408 (Mondjahr). Und im Buch „Al-Muminan kal-yadan“.

[vi] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, Al-Kafi, Band 2, Seite 166, Hadith 4, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr).

[vii] Nahj al-Balagha, Brief 53.

[viii] Sura Ale Imran, Vers 103.

[ix] Tamini Amadi, Abd al-Wahid ibn Muhammad, Ghurar al-Hikam wa Durar al-Kalam, Seite 702, Hadith 24, Qom, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Zweite Auflage, Jahr 1410 (Mondjahr).

[x] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, Al-Kafi, Band 2, Seite 145, Hadith 7.

[xi] Majlisi, Muhammad Baghir, Bihar al-Anwar, Band 15, Seite 376, Beirut, Dar Ihya al-Turath al-Arabiyy, Zweite Auflage, Jahr 1403 (Mondjahr).



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