Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 182957
Datum der Veröffentlichung : 7/20/2016 11:33:00 AM
Aufrufe : 951

Die Islamkunde 178, der Islam und ethische Rechte 23

Freitagsansprache von 13.05.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Das Recht der Mutter

Ein weiteres Thema, welches Imam Sajjad in einer besonderen Weise betont hat, ist das „Recht der Mutter“. Diejenige, welche aus ganzem Leib, die wahre Liebe zum Kind spendet und weitergibt. Sie gibt Tag und Nacht ihre ganze Kraft, um ihrem Kind Beachtung und Fürsorge zu schenken, vor allem aber tut sie das, sogar auch in ihrer Lebenszeit, damit sie ihre vollkommene Liebe und Geborgenheit zeigen kann. Generell ist in der islamischen Lehre zu sehen, dass das Recht einer Mutter so immens ist, dass man niemals diese gutmachen und entschädigen kann. Auch wenn die Liebe zwischen Gott und seinen Geschöpfen keineswegs vergleichbar ist mit der Liebe zwischen Mutter und Kind, so kann man doch sagen, dass Gott einen kleinen Teil von seiner Liebe, der Mutter übergeben hat, damit diese es ihrem Kind fühlen lassen kann. Daher führt Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) als allerstes generell im Familienrecht, das Recht der Mutter an: „Nun jedoch das Recht deiner Mutter von der du wissen musst, dass sie eine lange Zeit dich erdulden und ertragen musste, wo hingegen kein anderer Mensch mit einem anderen dies tolerieren würde. Sie gab dir als Ernährungsmittel, von ihrer Muttermilch, wohingegen wiederum keiner dies für einen anderen tun  und dulden würde. Immer wieder widmete sie ihre ganze Zeit und mit vollem Leib (wie unter anderem ihr Gehör, Sehen, Hand, Fuß, Haare, Haut und ihre ganzen Körperglieder) für dich in einer aufopfernden Weise, obwohl man hinzufügen muss, das sie dadurch stets glücklich und fröhlich gemacht worden ist. Ständig wurden ihr viele Bemühungen, Leiden und Ärgernisse auferlegt, welche sie hinnehmen musste, damit du am Ende, auch durch die Hilfe Gottes, auf die Welt kommen konntest! Sie nahm es bereitwillig auf, dass du satt wirst und sie selbst hungrig, selbst unbekleidet zu sein, nur damit du angezogen bleibst, sie selbst Durst auszuhalten, nur damit deiner gelöscht wird, sie selbst die Hitze zu ertragen, nur damit du im kühlen Schatten bleibst. In ihren vielen beschwerlichen Tagen, hat sie es so weit gebracht, dass  du angenehm und segensreich leben, und mit vielen schlaflosen Nächten hat sie es dazu gebracht, damit du ruhig und friedlich schlafen konntest. Der Bauch der Mutter während der Schwangerschaft war dein Wachstums- und Entwicklungsort, ihre Brust war die Quelle deiner Muttermilchernährung, und somit ist ihre Existenz der Auslöser dafür, dass du beschützt worden bist. Die Mutter hat sowohl die guten, als auch die schweren Tagen nur wegen dir ausgehalten. Daher sei stets für ihre Bemühungen und Verdienste dankbar! Jedoch musst du wissen, dass du niemals in der Lage sein wirst, ihr so viel Dankbarkeitsgefühl revanchieren kannst! Es sei denn, wenn man sich die Hilfe von Gott erwünscht! Und auf diesem Weg soll mit dir das Gelingen (Erfolg) Gottes bei dir stehen, sodass du ihre schweren Verdienste dir gegenüber, begleichen kannst!“[i]

Definition von „Umm“ im heiligen Koran

Das Wort „Umm“ besitzt in der Redensart  des heiligen Korans, verschiedene Bedeutungen. Wie zum Beispiel: „Grundsatz und Fundament“ wie „Umm al-Kitab“: „ Er ist derjenige, der das (himmlisch verbliebene) Buch auf dich herabgesandt hat, sodass ein Teil davon in„klare und einleuchtende Verse“ sind, welche den Grundsatz (Grundbau) dieses Buches bilden.“[ii] Eine weitere Bedeutung ist „Beachtliche Punkte und deren Zentrum“. Wie zum Beispiel: „Umm al-Ghura“: „Und so wurde der Koran auf arabischer (klarer, deutlicher und redegewandter) Sprache auf dich herabgesandt, sodass du die „Umm al-Ghura“ (Mekka) und deren Bewohner ermahnen und ins Gewissen reden kannst.“[iii] Und in der dritten Bedeutung wird die „wahre Mutter“ angegeben: „Wir haben der Mutter von Moses (Friede sei auf ihn) eingeweiht (Eingebung gegeben), dass du ihm Milch geben sollst.“[iv] Hierbei kann man folgende Verbindung bei diesen drei verschiedenen Bedeutungen erkennen; denn die Mutter kann man als Fundament und Wurzel eines langjährigen Baum verdeutlichen. Die Kinder stellen die Zweige dieses Baumes dar, welche von dem Wachstum des Baumstammes abhängig sind, um selbst weiter heranzureifen. Von daher hängt es von dem Baumstamm ab, inwiefern die Zweige kräftig und ansehnlich sich entwickeln, genauso ist es bei den Kindern, welche sich auf die wohlgesinnte Erziehung und Ehrenhaftigkeit der Mutter beruhen.

Es ist also verständlich, dass die Mutter im Prinzip im Aufbau (welche unter anderem von der Schwangerschaft bis zur Stillzeit des Säuglings zählt) des Kindes eine große Rolle spielt, welche auch im heiligen Koran versehen sind. Weswegen Gott hierbei auch die Dankbarkeit des Kindes gegenüber der Mutter, verpflichtend sieht: „Und wir haben dem Menschen auch über seine Eltern (viele Dinge) Rat geschlagen und Empfehlung gegeben; Seine Mutter hat ihn (das Kind) über verschiedene Beschwernisse und Schwächen ertragen (Während der Schwangerschaft hat sie jeden Tag Erschwernisse und Beschwerden ertragen müssen), und auch während der Stillzeit, die insgesamt zwei Jahre anhält. (Ja wir haben ihm (dem Menschen) empfohlen), dass er für mich (Gott) und seinem Vater und seiner Mutter Dankbarkeit zeigen soll.“[v] Es ist sehr deutlich, dass der Koran sehr stark auf die Ehrung und Achtung der Eltern bekräftigt und aufmerksam macht. Die Mutter erzieht ihr Kind aufopferungsvoll und mit vollem Leib, wohingegen man gleichzeitig erkennt, dass sie in dieser Tätigkeit (Opferungsbereitschaft) sich auf die höchste Fähigkeitsstufe begibt. Jedoch ist anzumerken, dass ein Teil der Mutterliebe, Emotion und Gefühl ist und der andere Teil ein „Leitfaden“. Deswegen ist das der Grund dass die Mutter auch alles dafür tut damit ihr Kind, bei Krankheit Genesung findet, auch wenn es dabei für sie sehr schwer und kompliziert wird (wie zum Beispiel; schwere Heilungsmittel und Anstrengungen im Heilungsprozess  des Kindes) und des Weiteren viele Hindernisse im Weg stehen könnten.

Das Paradies liegt unter den Füßen der Mutter

Einer der vielen Lektionen welche man von den Verdiensten der Mütter zu verdanken hat, ist das sie diejenige ist, die im Prinzip durch die ihre einwandfreie Erziehung und Anleitung die humanitäre Gesellschaft beeinflusst und leitet. Daher ist durch diese tadellose Erziehung, das Paradies unter den Füßen der Mutter liegt, denn der Prophet bestätigte dies in der folgenden Überlieferung: „Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter.“[vi] Es gibt auch eine weitere Überlieferung, wo sich eine Person zum Propheten (Friede sei auf ihn und seine Familie) begeben hat und ihm sagte: „Oh Prophet Gottes, wem solch ich Gutes tun?! Der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie) antwortete: Der Mutter! Dann sprach er wieder zu wem er Gutes tun soll. Der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie) erwiderte nochmal: Deiner Mutter! Danach sprach diese wieder, wem soll ich Gutes tun? Wieder wurde geantwortet: Deiner Mutter! Und danach fragte er wieder und der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie) antwortete hierbei: Deinem Vater sollst du Gutes tun!“[vii] Genauso wie in einer Überlieferung berichtet wurde, dass der Prophet Moses (Friede sei auf ihn) drei Mal Gott aufgefordert hat ihm einen Ratschlag zu geben und Gott empfahl ihm alle drei Male darauf,  ihn (Gott) zu achten und zu gehorchen! Dann forderte der Prophet Moses (Friede sei auf ihn) nochmals Gott auf, einen Ratschlag zu geben und Gott empfahl ihm zwei Mal auf seine Mutter und beim dritten Mal auf seinen Vater zu ehren.“[viii]

Wenn wir uns die ganzen Lehren des heiligen Korans und der Überlieferungen genau ansehen, merken wir, dass die Ansicht zur Mutter, der Dienst zu ihr und ihre Zufriedenstellung, von hoher Bedeutung sind. Daher sollte das Kind sich nicht einbilden, dass durch die paar Verdienste, welcher diese für seine Mutter begeht, niemals ihr Recht beglichen wird. Hingegen muss man eingestehen, dass wenn man auch das ganze Leben nur für die Mutter widmet, dadurch nicht Mal ein Teil ihrer Verdienste und Segen gutmachen und Dankbarkeit zeigen kann. Diese überwältigende Stellung der Mutter besagt dafür, dass der Mensch auf seine Wurzeln achtgeben und man durch solch einen großen Segen Verbundenheit zeigen soll. Man sollte immer versuchen die Ratschläge von Gott bezüglich der Eltern zu würdigen und durchzuführen, denn es ist bemitleidenswert das in dieser Zeit dieses Recht nicht erfüllt wird und in Vergessenheit geraten ist, da sich heutzutage die Menschen sehr kaltherzig gegenüber der Mutter verhalten.

Recht des Vaters

Allerdings ist auch in den glanzvollen Aussagen von Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) das Recht des Vaters zu finden, welches auch sehr bedeutsam ist. Der Mensch sollte auch wissen, dass die Quelle seines Daseins der Vater ist, denn wenn er nicht gewesen wären, hätte Gott durch ihn die Existenz nicht geben können. Hierbei sind die Worte von Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) wie folgt: „Das Recht deines Vater ist, dass du wissen musst das er die Wurzel und der Grundboden deiner Präsenz ist, denn wenn er nicht gewesen wäre, hätte es dich nicht gegeben; daher ist jeder positive Charakterzug, den du in dir siehst, ein Segen von der Wurzel und dem Stamm, der von deinem Vater ausgeht. Sei deshalb stets dankbar zu Gott und lobpreise ihn für diese segensreiche Gabe, denn es gibt keine Stärke, außer die Stärke und die Kraft Gottes.“[ix] Das ist deshalb der Grund dafür, dass der Mensch immer bei Gott für diese Segen, so oft wie möglich Dankbarkeit zeigen soll. Denn in einer Zeit fragte man den Propheten (Friede sei auf ihn) was das Recht des Vaters ist? Er sagte: „Ruf deinen Vater niemals bei seinem Namen, stehe und gehe niemals vor ihm und setze dich niemals schneller als ihn hin(aus Respekt zu dem Vater), und beschimpfe ihn niemals!“[x] In einer anderen Überlieferung fragte eine Person Imam Sadigh (Friede sei auf ihn), dass sein Vater sehr alt und schwach ist, so schwach dass er ihn beim Stuhlgang auch behilflich sein und mit ihm, in die Toilette gehen muss. Er fragte daher: Darf ich so etwas tun? Imam Sadigh (Friede sein auf ihn) antwortete: „Wenn du die Kraft und Stärke dafür besitzt, steht dabei nichts im Wege, so tue es! Füttere ihn durch deine Hände! Denn die positive Auswirkungen wirst du nach dem Tod am Jüngsten Gericht sehen, wo du einen Garten im Paradies dafür erhältst.“[xi]

Von daher sollte man nie die Gefühle und Emotionen der Eltern verletzten. Außerdem sollte man auch auf gar keinen Fall der Grund dafür sein, dass sie sich gekränkt fühlen, man sollte hingegen immer nur Gutes für sie tun, sogar auch, wenn die Eltern das Kind nicht gut behandelt haben. Imam Baghir (Friede sei auf ihn) besagt hierbei: „Drei Dinge gibt es, welche Gott nicht erlaubt, diese zu verlassen und zu versäumen: Aufrichtig zu sein bezüglich der ehrlichen Menschen und unaufrichtigen Menschen (Guten und Bösen), Treu zu sein bei Eid und Gelöbnis in Bezug auf ehrenhafte Menschen und unehrlichen Menschen (Guten und Bösen) und Wohl tun der Eltern, ganz gleich ob sie (die Eltern) gute oder schlechte Taten begehen.“[xii]  Demnach sollte man erkennen, dass die Ehrung und Schätzung der Eltern so hoch ist, dass sogar auch nur ein kleiner böser und grimmigen Blick zu ihnen von Gott verwehrt wird, denn nach islamischer Lehre wird das Gebet bei solchen Menschen von Gott nicht angenommen. Aus diesem Grund besagt Imam Sadigh: „ Derjenige der einen böswilligen und gehässigem Blick auf die Eltern wirft, auch sogar wenn diese (die Eltern) ihn (das Kind) unterdrücken und das Leben verbittern, werden deren Gebete von Gott nicht angenommen (erhört).“



[i] Ibn Shaba Harani, Hassan ibn Ali, Tuaf al-Ughul, Seite 263, Qom, Jamee Mudarresin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[ii] Sura Ale-Imran, Vers 7.

[iii] Sura Ash-Shura, Vers 7.

[iv] Sura Al-Ghisas, Vers 7.

[v] Sura Lughman, Vers 14.

[vi] Shaikh at-Tabarsi, Tafsir Majma al-Bayan, Band 8, Seite 11, Beirut, Musassisa al-Ilmiyy lilmatbuat, Erste Auflage, Jahr 1415 (Mondjahr) und Muhammad ibn Salama al-Ghudhaii, Musnad ash-Shahab, Band 1, Seite 102, Taghigh Hamadiyy bin abd al-Majid as-Salafii, Beirut, Zweite Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr) und ibn Hajar al-Asghlaniyy, Lisan al-Mizan, Band 6, Seite 128, Beirut, Musassisa al-Ilmiyy lilmatbuat, Zweite Auflage, Jahr 1390 (Mondjahr).

[vii] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, al-Kafi, Band 2, Seite 159, Hadith 9, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr).

[viii] Ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, al-Amali (Lis-sadough), Seite 511, Hadith 5, Teheran, Ketabtschi, Sechste Auflage, Jahr 1376 (Mondjahr).

[ix] Ibn Shaba Harani, Tuaf al-Ughul, Seite 263.

[x] Kulaini, al-Kafi, Band 2, Seite 158, Hadith 5.

[xi] Kulaini, al-Kafi, Band 2, Seite 162, Hadith 13.

[xii] Kulaini, al-Kafi, Band 2, Seite 162, Hadith 15.



Kommentar



Zeige nichtöffentliche