Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 193260
Datum der Veröffentlichung : 4/18/2018 4:24:00 PM
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Lehren aus dem Koran (8) Bescheidenheit und Demut


Freitagsansprache von 16.02.2018
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten


Einer der Tugenden, die den Menschen zur Seligkeit leitet, ist Demut. Sie zählt zu den besten Eigenschaften. Diese Eigenschaft steht in Widerspruch zur Arroganz und bekämpft die Überheblichkeit. Imam Ali sagt in diesem Zusammenhang: „Bekämpft Arroganz mit Demut und Bescheidenheit“[1] Denn Bescheidenheit ist zwischen Arroganz – was eine Übertreibung ist – und Verachtung – was wiederum eine Untertreibung ist. Der Mensch kann mit Bescheidenheit hohe Stellungen erreichen: „Bescheidenheit und Demut (vor Gott) führt zur Erhabenheit.“[2]

 

Bescheidenheit aus der Sicht des Korans

Diese Eigenschaft berichtet von der hohen Stellung des menschlichen Geistes, und wird von Koranversen und Überlieferungen erläutert: „Und senke deinen Flügel für diejenigen von den Gläubigen, die dir folgen.“[3] Gott spricht seinen Propheten an, und befiehlt ihm gegenüber denjenigen, die ihm folgen, seine Flügel zu senken, und sich Bescheiden zu verhalten.

In diesem Koranvers ist „senke deinen Flügel“ eine Andeutung auf Demut, einhergehend mit Freundlichkeit, genauso, wie die Vögel ihre Flügel ausbreiten und ihre Küken zusammenbringen und überdecken, wenn sie ihnen ihre Liebe zeigen, und sie beschützen wollen. Diese wunderbare Erläuterung ist eine genaue Erklärung, die auch an anderen Stellen im Koran benutzt wird[4].

Der Koran weist weiter auf einige Beispiele für Bescheidenheit und sagt: „Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen“[5], und an einer anderen Stelle: „Und gehe nicht übermütig auf der Erde einher. Du wirst ja die Erde nicht aufreißen noch die Berge an Höhe erreichen (können).“[6]

Es liegt klar auf der Hand, dass mit dem Vers „diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen“ nicht nur das Gehen der „Diener des Allerbarmers“ bescheiden ist, vielmehr ist gemeint, dass jegliche Arroganz und jeglicher Egoismus verneint wird. Denn dies sind Menschen, die in all ihren Taten Bescheidenheit zeigen, und aus diesem Grund bezeichnet der Koran das erste Zeichen der „Diener des Allerbarmers“ diese Tugend, um somit die Wichtigkeit der Bescheidenheit zu betonen.

Bescheidenheit und Demut sind aus der Sicht des Korans so wichtig, dass er in anderen Versen sagt: „O die ihr glaubt, wer von euch sich von seiner Religion abkehrt -, so wird Allah Leute bringen, die Er liebt und die Ihn lieben, bescheiden gegenüber den Gläubigen, mächtig (auftretend) gegenüber den Ungläubigen“[7]

Eine genaue Betrachtung dieses Verses zeigt uns, dass die Gläubigen einander mit Bescheidenheit begegnen. In dem arabischen Begriff „أَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنينَ“ (bescheiden gegenüber den Gläubigen) leitet der Begriff „اذله“, die Pluralform von „ذلول“ und „ذلیل“ von dem Wortstamm „ذل“ ab, was so viel bedeutet, wie: Sanftheit, Annehmlichkeit und Hingabe. Aus diesem Grund werden auch domestizierte Tiere auch „ذلول“ genannt, weil sie sanft und gefügig sind. Ein Beweis für die Bedeutung des Begriffs kann man auf den Koranvers: „und seine Früchte sind ihnen (zum Pflücken) sehr gefügig gemacht.“[8] Hinweisen, was betont, wie leicht die Früchten des Paradieses zu pflücken sind. In manchen Situationen hat dieser Begriff eine negative Bedeutung, nämlich dort, wo sie von einem anderen dem Menschen aufgezwungen wird. Sonst hat dieser Begriff an sich keine negative Bedeutung.

 

Bescheidenheit aus der Sicht der Überlieferungen

Da der Koran Bescheidenheit besonders betont, befassen sich auch die Überlieferungen im Islam auch mit diesem Thema, und weisen auf die verschiedenen Dimensionen der Bescheidenheit hin. Imam Ali (gegrüßet sei er) bezeichnet Bescheidenheit als das Größte der Gebete, und sagt: „An dir sei es, bescheiden zu sein, denn dies ist das größte der Gebete“[9]. In einer anderen Überlieferung vom geehrten Propheten des Islams (gegrüßet sei er) wird gesagt: „Warum sehen wir nicht das Bekömmliche des Betens in euch? Sie sagten: Was ist das Bekömmliche des Gebets? Er sagte: Bescheidenheit!“[10]. Von Imam Sadegh wird überliefert, dass Bescheidenheit die Wurzel aller guten und wertvollen Taten ist. „Bescheidenheit und Demut sind die Grundlage aller Erhabenheit und Ehre … und wenn Demut gegenüber Gott ist, wird Gott es auch ehren … Es gibt kein Gebet, die nicht vom Gott angenommen wird, es sei denn, es geht mit Bescheidenheit und Demut einher. Man wir auch nicht sich über die Wahrheit und Folgen der Demut im Klaren, außer man gehört zu den innigen Dienern Gottes. Gott sagt: „Die Diener Gottes sind Diejenigen, die ohne Stolz auf der Erde gehen, und wenn die Ungläubigen sie ansprechen und unsinnige Worte sagen, sie sie begrüßen und nicht ernst nehmen.“[11] An einer anderen Stelle wird vom Propheten des Islams (gegrüßet sei er) überliefert: „Gott zeigt den Engeln fünf Gruppen von Menschen voller Stolz: die Kämpfer auf dem Weg Gottes, die Armen, diejenigen, die auf Gottes Weg Bescheidenheit zeigen, die Wohlhabenden, die, die Armen reich beschenken, und nichts dafür erwarten, und Männer, die in der Einsamkeit auf Ehrfurcht vor Gott weinen.“[12] Diesen Worten zufolge sind die Menschen, die vor Gott Demut zeigen, diejenigen, die Gott vor den Engeln rühmt. Imam Sadegh (gegrüßet sei er) sagt: „Gott offenbarte Prophet David: David! Die nächsten zu Gott sind die Demütigen und die am weitesten entfernt sind die Arroganten“[13]

 

Schlusswort

Das wichtigste, was man hier beachten muss, ist, dass auch Demut und Bescheidenheit seine Zeit und sein Ort hat, die jeder Gläubige lernen und wissen muss, wo und wann er bescheiden sein sollte. Es liegt klar auf der Hand, dass Demut vor Gott, seinen Geboten, den Propheten und Imamen, den Gelehrten und Lehrern und auch den Armen zu den besten Beispielen von Demut gehören, die zur rechten Zeit und in seiner besten Form eingesetzt werden muss.



[1] ضَادُّوا الْكِبْرَ بِالتَّوَاضُع, Tamimi Amodi, Abdulvahid bin Mohammad, Qarrar al-Hikam, S. 820, Überlieferung 135, Qom, Darolketab al-Islamiyah, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[2] بِالتَّوَاضُعِ تَكُونُ الرِّفْعَةُ, ebenda, S. 296, Überlieferung 2

[3] وَاخْفِضْ جَنَاحَكَ لِمَنِ اتَّبَعَكَ مِنَ الْمُؤْمِنِينَ, ash-Shu´ara, Vers 215

[4] وَاخْفِضْ جَنَاحَكَ لِلْمُؤْمِنِينَ, Und senke deinen Flügel für die Gläubigen, al-Hijr, Vers 88, وَاخْفِضْ لَهُمَا جَنَاحَ الذُّلِّ مِنَ الرَّحْمَةِ وَقُل رَّبِّ ارْحَمْهُمَا كَمَا رَبَّيَانِي صَغِيرًا, Und senke für sie aus Barmherzigkeit den Flügel der Demut und sag: "Mein Herr, erbarme Dich ihrer, wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein war.", al-Isra, Vers 24

[5] وَعِبَادُ الرَّحْمَـٰنِ الَّذِينَ يَمْشُونَ عَلَى الْأَرْضِ هَوْنًا, al-Furquan, Vers 63

[6] وَلَا تَمْشِ فِي الْأَرْضِ مَرَحًا ۖ إِنَّكَ لَن تَخْرِقَ الْأَرْضَ وَلَن تَبْلُغَ الْجِبَالَ طُولًا, al-Isra, Vers 37

[7] يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا مَن يَرْتَدَّ مِنكُمْ عَن دِينِهِ فَسَوْفَ يَأْتِي اللَّـهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ أَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ أَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ, al-Ma´ida, Vers 54

[8] وَذُلِّلَتْ قُطُوفُهَا تَذْلِيلًا, al-Insan, Vers 14

[9] علَيكَ بِالتَّواضُعِ؛ فإنّهُ مِن أعظَمِ العِبادَة, MAjlessi, Mohammad Baqer, Bahar al-Anvar, Band 72, S. 119, Überlieferung 5, Beirut, Darol Ehya al-Tarath al-Arabiya, 2. Auflage, 1403 nach dem Mondkalender

[10] ما لي لا أرى علَيكُم حَلاوَةَ العِبادَةِ؟! قالوا: وما حَلاوَةُ العِبادَةِ؟ قالَ: التَّواضُعُ, Waram bin Abi Faras, Massoud bin Issa, TGanbih al- Khawatir, Band 1, S. 201, Qom, Maktab Faqih, 1. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[11] Nach Djafar bin Mohammad, Imam Sadegh (gegrüßet sei er), Misbah al-Shariah, S. 72 – 74, Beirut, A´lami, 1. Auflage, 1400 nach dem Mondkalender, und Nouri, Hossein Mohammad Taqi, Mostadrak al-Wasa´il, Band 11, S. 298, Überlieferung 13087, Qom, Muassisah Aal al-Beit (gegrüßet seien sie), 1. Auflage, 1408 nach dem Mondkalender

[12] يُباهِي اللَّهُ تَعالَى المَلائِكَةَ بِخَمسَةٍ: بِالمُجاهِدينَ، وَالفُقَراءِ، وَالَّذينَ يَتَواضَعونَ للَّهِ تَعالى‏، وَالغَنِيِّ الَّذي يُعطِي الفُقَراءَ كَثيراً ولا يَمُنُّ عَلَيهِم، و رَجُلٌ يَبكي في خَلوَةٍ مِن خَشيَةِ اللَّهِ عز و جل, Sha´iri, Mohammad bin Mohammad, Djami´al-Ikhbar, S. 96, Nadschaf, Matba´at Heydariah, 1. Auflage, Bita

[13] فيما أوحَى اللَّهُ عَزَّوجلَّ إلى‏ داودَ(ع): يا داودُ، كما أنَّ أقرَبَ الناسِ مِن اللَّهِ المُتَواضِعُونَ كذلكَ أبعَدُ الناسِ مِن اللَّهِ المُتَكبِّرُون, Kellini, Mohammad bin Yaqub, al-Kafi, Band 2, S. 123, Überlieferung 11, Teheran, Darolkotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender



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