Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 4/18/2018 5:51:31 PM
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Lehren aus dem Koran (7) Arroganz und Überheblichkeit (5)


Freitagsansprache von 09.02.2018
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Wir sind uns alle einig, dass Arroganz die schlimmste Untugend ist, und deshalb auch bekämpft werden muss. Dies ist jedoch nicht möglich, ohne die Wurzeln dieser Untugend zu kennen. Viele Ethiker, wie Feyz Kashani, sehen vier Wurzeln für die Arroganz, nämlich: Selbstverherrlichung, Hass, Neid und Heuchelei.[1]

 

Selbstverherrlichung, Hauptursache von Arroganz

Arroganz ist eine innere Eigenschaft, was von einer falschen Annahme und unrichtige Denkweise herrührt und von Selbstverherrlichung stammt. Ein arroganter Mensch glaubt, Tugenden zu besitzen, von denen die anderen nichts geerbt haben. Feyz Kashani sagt die Motive der Arroganz sind vier: „Wissen, Taten, Zugehörigkeit, Schönheit, Macht, Reichtum und Vielzahl an Freunden und Helfern.“[2] Anschließend erläutert er jeden einzelnen von ihnen.

Das wichtigste, was der Mensch wissen muss, ist, dass keiner dieser Eigenschaften einem erhaben machen. Im Gegenteil: Der Mensch muss die wahren Tugenden, die die wahre Persönlichkeit prägen – nämlich richtiges Glauben, gutes Benehmen und gute Taten – in sich pflegen, um Glückseligkeit zu erreichen. Den Menschen muss es bewusst sein, dass Arroganz und Herrschsucht viele Schäden zufolge haben. Aus diesem Grund muss nach einer Lösung gesucht werden, denn wenn man diese Untugenden studiert, wird man motiviert, all seine Macht daran zu setzen, sie zu zerstören.

 

Auswirkungen der Arroganz

Diese Untugend, die viele Menschen ins Verderbnis gezogen hat, hat unzählige Nachwirkungen, von denen wir hier einige nennen: zum Beispiel verfällt ein arroganter Mensch der Ketzerei und Unglaube, denn Arroganz verhindert, dass man der Gerechtigkeit gegenüber Demut zeigt. Sie verschleiert das Herz der Menschen, was verhindert, dass man die Wahrheit erkennt. Die kleinste Folge ist dann Ketzerei. Eine Überlieferung besagt: „Ich fragte Imam Hossein (gegrüßet sei er): was ist die unterste Stufe der Gottlosigkeit? Er antwortete: die unterste Stufe ist Arroganz“[3]

Eine weitere Folge von Arroganz ist, dass man nichts vom wahren Kenntnissen und Wissenschaften verspürt. So ein Mensch ist nie bereit, den Worten der Gelehrten zuzuhören, denn er ist der Ansicht, dass er zu den größten auf der Erde gehören. In einer Überlieferung von Hisham bin Hikam über Imam Kazem (gegrüßet sei er), sagt Imam Kazem über dieses Thema: „Saat gedeiht auf ebenem und weichem Boden und nicht auf hartem Stein. Mit der Weisheit ist es genauso: sie gedeiht im Herzen von demütigen Menschen, und nicht im Herzen arroganter Menschen, denn Gott hat Demut zum Werkzeug der Weisheit, und Arroganz zum Werkzeug der Unwissenheit gemacht.“[4]

Zu den negativen Folgen der Arroganz gehört auch, dass die sozialen Beziehungen von arroganten Menschen zu den schlechtesten ihrer Art gehören. Die Menschen distanzieren sich von solchen Personen und empfinden Abneigung ihnen gegenüber. Imam Ali (gegrüßet sei er) sagt: „Ein jemand, der angibt, wird verachtenswert.“[5], und an einer anderen Stelle sagt er: „Die Früchte der Arroganz ist negatives Gerede der Menschen.“[6], oder auch: „Für einen arroganten Menschen bleiben keine Freunde“[7], und weitere Worte des Imamen besagen: „Nichts erweckt den Wut im Menschen, wie Arroganz.“[8]

 

Arroganz, Wurzel vieler Sünden

Ein wichtiger Punkt, den ein arroganter Mensch beachten muss, ist, dass er mit dieser Untugend nicht nur nichts erreicht, sondern auch das, was er hat, verliert. Mit anderen Worten, er verliert all sein materielles und geistiges Eigentum. So gesehen ist es klar, dass Arroganz auch der Ursprung vieler Sünden ist. Die arroganten Menschen erniedrigen aufgrund ihrer Überheblichkeit die anderen, beneiden und beschimpfen sie, verspüren Gier ihnen gegenüber, und entsagen sich somit den Segen Gottes.

 

Schlusswort

In Anbetracht des Gesagten über diese Untugend muss dieses auf wissenschaftlicher und praktischer Weise bekämpft werden. Wissenschaftlich so, dass der Mensch begreifen muss, dass einem nichts übrigbleibt, also darf man sich auch nicht über die anderen sehen. Es kann sogar sein, dass manche das, was in einem das Gefühl der Überheblichkeit erweckt, besser beherrschen und mehr besitzen, trotzdem Demut zeigen und diese Demut tagtäglich wächst. Diese Menschen danken Gott für ihr gottgegebenes Reichtum, Macht, Wissen, Schönheit, Bekannten und Verwandten und Freunden, und sind ihm gegenüber ergeben.

Ein arroganter Mensch muss neben dem wissenschaftlichen Kampf gegen die Arroganz auch in seinen Taten Unterwürfigkeit zeigen, also in Worten und Taten sich höflich zeigen, und mit Übungen sich dieser Untugend zu erledigen. Weiterhin muss er sich Tugenden wie „Demut und Unterwürfigkeit“ aneignen und in sich die Grundlage der Glückseligkeit schaffen.

 



[1] و أمّا الكبر الظاهر فأسبابه ثلاثة: سبب في المتكبر، و سبب في المتكبّر عليه، و سبب يتعلّق بغيرهما، أما السبب الّذي في المتكبّر فهو العجب، و الّذي يتعلّق بالمتكبّر عليه هو الحقد و الحسد، و الّذي يتعلّق بغيرهما هو الرّياء فتصير الأسباب بهذا الاعتبار أربعة: العجب و الحقد و الحسد و الرّياء, und äußerliche Arroganz hat drei Ursachen: Eine Ursache im Arroganten, eine Ursache in denjenigen, gegen dem Arroganz verspürt wird, und eine Ursache, die weder den ersten, noch den zweiten betrifft. Die Ursache im Arroganten ist Selbstverherrlichung, die Ursache in denjenigen, gegen den die Arroganz verspürt wird, ist Hass und Neid, und was weder den ersten, noch den zweiten betrifft, ist Heuchelei, so gibt es vier Ursachen: Selbstverherrlichung, Hass, Neid, und Heuchelei (Feyz Kashani, Mohammad bin Shahmorteza, al-Muhajat al- Beiza´, Band 6, S. 245, Qom, Muassissah al-Nashr al-Islamiya, 4. Auflage, 1417 nach dem Mondkalender

[2] Ebenda, Band 6, S. 236, und ebenda, al-Haqaiq – Qarat al-Oyun, S. 91, eine Forschungsarbeit von Mohsen Aqil, Qom, Muassissah Darol Kitab al-Islamiyah, 2. Auflage, 1423 nach dem Mondkalender

[3] عَنْ أَبَانٍ عَنْ حُكَيْمٍ قَالَ: سَأَلْتُ أَبَا عَبْدِ اللَّهِ(ع) عَنْ أَدْنَى الْإِلْحَادِ فَقَالَ إِنَّ الْكِبْرَ أَدْنَاهُ, Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 309, Überlieferung 1, Teheran, Darol Kotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[4] Ibn Sha´bah Harani, Hassan bin Ali, Tohafol Oqul, S. 396, Qom, Djame´eh Modarresin, 2. Auflage, 1404 nach dem Mondkalender, und Majlessi, Mohammad Baqer, Bahar al-Anvar, Band 1, S. 153, Überlieferung 7, Beirut, Darol Ihya al-Tarath al-Arabi, 2. Auflage, 1403 nach dem Mondkalender

[5] مَن تَكَبَّرَ علَى النّاسِ ذَلَّ؛, Kellini, Ebenda, Band 8, S. 19, Überlieferung 4

[6] ثَمَرَةُ الكِبرِ المَسَبَّةُ, Tamimi Amodi, Abdulvahid bin Mohammad, Qarar al-Hikam, S. 327, Überlieferung 28, Qom, Darolketab al-Islamiya, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[7] لَیسَ لِلمُتَکَبِّر صَدیقٌ, Ebenda, S. 557, Überlieferung 14

[8] مَا اجْتُلِبَ الْمَقْتُ بِمِثْلِ الْكِبْر, Ebenda, S. 685, Überlieferung 47



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