Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 191357
Datum der Veröffentlichung : 1/6/2018 10:04:00 AM
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Die Religiöse Lebensweise (28)


Freitagsansprache von 27.10.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Es steht außer Frage, dass der Lebensstil einer gläubigen Familie sich von dem einer nicht-gläubigen Familie unterscheidet. In einer Gesellschaft und Familie, in denen religiöser Glaube herrscht, wird der Lebensraum vom Glauben gestaltet. Wird aber die Religion in der Gesellschaft nicht mehr so beachtet, und an den Rand gedrückt, geschieht genau das Gegenteil. Wenn also heute in vielen muslimischen Familien Differenzen, Auseinandersetzungen, Trennungen oder andere Probleme zu sehen sind, ist es, weil in der besagten Familie die Religion keine zentrale Rolle mehr spielt, und materielle Vorlieben, übermäßiger Konsum, große Erwartungen der Frau oder des Mannes, unangebrachte Einmischung der Bekannten und Verwandten, nicht mehr an Gott und an die Wiederauferstehung glauben, mangelndes Vertrauen auf den Koran als Wegweiser fürs Leben, die eigentliche Lebensweise bestimmen.

Wie erkennt man die Wahrheit des Lebens?

Wenn religiöse Menschen ihr Leben nach dem richtigen und wahren Glauben planen, sich an Logik, Gerechtigkeit und Spiritualität halten, und den Geist der Religion in allen Lebenslagen miteinbeziehen, wird ihr Leben zweifellos erfüllt sein von einer ganz anderen Wahrheit. Wir wollen hier nicht über die Ursachen und Gründe der heutigen Situation diskutieren, sondern wollen verdeutlichen, dass ein Muslim einen tiefsitzenden Glauben haben, und sich in seinen Taten an die religiösen Lehren halten muss. Denn diese Lehren können die Lebensweise grundlegend verändern. Dabei dürfen wir aber nicht alles, was geschieht und vorkommt, als das Ergebnis der religiösen Lehren betrachten und es der Religion zuschieben und sagen, die Religion macht den Menschen Geist- und Leblos und unerzogen. So eine Denkweise ist zweifellos eine Ungerechtigkeit gegenüber einer Religion, wie dem Islam, die den Menschen Seligkeit in der Welt und im Jenseits beschert. Aus diesem Grund wird auch gesagt, dass die Religion verfremdet ist, denn der Mensch darf nicht – ohne die Religion erkannt zu haben – alle Versäumnisse, extremistischen Aktivitäten, Trägheiten, Depressionen und vieles mehr, der Religion zuschieben.

Ehrbares Leben im Schatten der Religion

Gemäß den Koranversen und Überlieferungen, die die Wahrheit der Religion erläutern, beschert die Religoin dem Menschen ein ehrbares und würdevolles Leben. Was also wichtig ist, ist, dass man versuchen muss, diesen tiefgründigen Sinn der Religion in die Gesellschaft einzugliedern, sein Leben damit  zu verbinden.

Man darf nicht vergessen, dass es in einigen muslimischen Familien oder in muslimischen Gesellschaften Vorkommnisse gibt, die man nicht dem Islam zuschreiben darf. Denn wie kann man einer Religion, wie dem Islam, die so sehr auf Verstand, Wissen, Logik, Spiritualität, Forschen und richtige Werte beharrt, solche Möngel zuschreiben?

Wir müssen unsere Lebensweise grundlegend überdenken und jegliche Form von Mängel durch die richtigen und tiefgründigen Lehren des Islams beheben. Wir dürfen auch nicht die abwegigen Denkweisen, die in der Gesellschaft propagiert werden – wie, die Bedeutungslosigkeit des Glauben an den Jenseits, die Verunglimpfung der göttlichen Lehren, Missachtung aller göttlichen Traditionen und Verordnungen – auf die leichte Schulter nehmen. Auch die verführerischen Parolen, wie absolute Freiheit für die Menschen, die dann zur Zügellosigkeit der Menschheit führen, dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Denn diese Lebensweise wird jeden einzellnen in der Gesellschaft bedrohen.

Bedeutung der Familie im Islam

Der Islam ruft alle Menschen auf, sich vor Gefahren und Bedrohungen zu schützen, und betont auch besonders die große Bedeutung der Familie und der Gesellschaft. Aus diesem Grund ist im Islam der Gründung der Familie und der Eheschließung und deren Verordnungen, und auch der Rechte in der Familie, großen Wert beigemessen, denn, wenn die Gesundheit der Familie bedroht ist, wird auch die Gesellschaft Schaden erleiden und auseinanderbrechen. Im Islam ist die Eheschließung nicht nur für die Befriedigung der Triebe und Kinderzeugen gedacht, sondern sie soll eine Antwort auf den Ruf der Natur des Menschen sein, damit der Mensch in dessen Schatten zur Ruhe kommen kann. Aus diesem Grund wurde auch die „Eheschließung“ als Zeichen Gottes bezeichnet. Gott sagt: „Und unter Seinen Zeichen ist dies, daß Er Gattinnen für euch aus euch selber schuf, auf daß ihr Frieden bei ihnen fändet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Hierin liegen wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.“[1]

Da die Natur des Mannes und der Frau gleich ist, können sie die Grundpfeiler einer kleinen Gemeinschaft, nämlich die Familie, sein, und wenn sie nun die gegenseitigen Rechte wahren und die ethischen Aspekte einhalten, können sie das Familienleben auf bester Weise handhaben, und die entstandene Ruhe auch auf die Gesellschaft übertragen, um so das Verantwortungsbewusstsein auf die Menschen in dieser Gesellschaft zu erwecken. Aus diesem Grund bezeichnet Imam Sadegh (gegrüßet sei er) die zwei „Rak´at“[2] Tagesgebet eines Menschens, der eine Familie gründete und das Gefühl des Veratwortungsbewusstsein in sich und seines Ehepartners erweckte, viel wertvoller als 70 „Rak´at“ Tagesgebet eines Menschen, der noch nicht geheiratet hat und kein Verantwortungsbewusstsein besitzt. So sagt er: „Die zwei Rak´at Tagesgebet, die ein verheirateter Mann verrichtet, sind bei Gott viel wertvoller, als die 70 Rak´at Tagesgebet, die ein lediger Mann verrichtet.“[3] So ist auch denjenigen, die eine Eheschließung meiden, um Volkommenheit zu erlangen, davon abgeraten. In den Überlieferungen steht, dass eines Tages eine Frau zu Imam Sadegh kam und sagte: „Gegrüßet sei der Imam! Ich bin eine Eremitin.“, der Imam fragte: „Was meinst du mit Eremitin?“ Die Frau sagte: „Ich heirate nicht.“ Der Imam fragte: „Warum?“ sie sagte: „Ich strebe nach Tugend und Vollkommenheit.“ Da antwortete der Imam: „Geh und überdenke dein Vorhaben! Denn wenn in diesem Weg es Tugenhaftigkeit und Vollkommenheit geben würde, so wäre Fatemeh (gegrüßet sei sie)[4] dafür geeigneter. Keiner kann tugendhafter sein als sie.“[5]

Schlusswort

Ein gläubiger Mensch muss die Eheschließung und Gründung einer Familie aus der Sicht der menschlichen und göttlichen Maßstäben, wie Glaube, Moral und Frömmigkeit, betrachten, und mit der Einhaltung der Verordnungen der Religion im Familienleben, und den gesetzlichen und moralischen Verpflichtungen, die Familie zur Vollkommenheit, Dienerschaft Gottes und Seligkeit in Dies- und Jenseits führen. So eine Sichtweise bildet in der Familie Ehrlichkeit und Tugendhaftigkeit, und schafft, mit der Annahme der Gerechtigkeit Gottes und Glaubens im Leben, eine neue Entwicklung und eine tiefgründige Sichtweise über das alltägliche Leben.

 



[1] وَمِنْ آيَاتِهِ أَنْ خَلَقَ لَكُم مِّنْ أَنفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِّتَسْكُنُوا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُم مَّوَدَّةً وَرَحْمَةً ۚ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ, ar-Rum, Vers 21

[2] رکعت, Einteilung Tagesgebetes

[3] رَكْعَتَانِ يُصَلِّيهِمَا الْمُتَزَوِّجُ أَفْضَلُ مِنْ سَبْعِينَ رَكْعَةً يُصَلِّيهَا أَعْزَبُ, Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 5, S. 328, 1. Überlieferung, Teheran, Darol Kotob al-Islamiya, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[4] Tochter des Propheten

[5] دَخَلَتِ امْرَأَةٌ عَلَى أَبِي عَبْدِ اللهِ(ع) فَقَالَتْ: أَصْلَحَكَ اللهُ، إِنِّي امْرَأَةٌ مُتَبَتِّلَةٌ، فَقَالَ: وَ مَا التَّبَتُّلُ عِنْدَكِ؟ قَالَتْ: لَا أَتَزَوَّجُ، قَالَ: وَ لِمَ؟ قَالَتْ: أَلْتَمِسُ بِذَلِكَ الْفَضْلَ، فَقَالَ: انْصَرِفِي! فَلَوْ كَانَ ذَلِكِ فَضْلًا لَكَانَتْ فَاطِمَةُ(ع) أَحَقَّ بِهِ مِنْكِ، إِنَّهُ لَيْسَ أَحَدٌ يَسْبِقُهَا إِلَى الْفَضْل, Kellini, ebenda, Band 5, S. 509, 3. Überlieferung


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