Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 190340
Datum der Veröffentlichung : 11/3/2017 1:50:00 PM
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Die psychischen Auswirkungen des Gebets und anderen Gottesdiensten auf den Menschen


Freitagsansprache von 03.11.2017
von Hujjat ul-Islam Ansari

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Ich rate Ihnen und mir selbst zur Ehrfurcht gegenüber Gott.



Der Mensch hat von Natur aus mehrere Dimensionen. Er besitzt sowohl einen Körper, der die materielle Dimension darstellt, und welche durch materielle Dinge gestillt wird. Die viel wichtigere, faszinierende und komplexere Dimension des Menschen ist seine immaterielle und geistige Dimension.

Sowie der Mensch materielle Bedürfnisse hat, so hat er auch immaterielle und geistige Bedürfnisse. Der Mensch braucht geistige Gesundheit, denn nur im Zustand der seelischen Ruhe kann er die Vollkommenheit anstreben und moralische Tugenden erzielen. Das psychische Gleichgewicht hängt davon ab, dass man Spannungen meidet. Zweifellos ist das emotionale und psychische Gleichgewicht das wichtigste Bedürfnis aller Menschen auf dieser Welt. Viele leiden unter psychischen Druck, Angst und Depressionen. Wenn man nun nach einer Lösung dafür sucht, darf man sich nicht selbst täuschen und keine oberflächlichen Lösungen anstreben. Gehen wir den Ursachen der psychischen Krankheiten auf den Grund, treffen wir auf einen der wichtigsten Gründe dieser Krankheiten, nämlich der fehlende Kontakt zu Gott und ein mangelhaftes Gebet. Heute ist vielen klar, dass die Deckung der psychischen und seelischen Bedürfnisse von der Spiritualität, Religion und der Nähe zu Gott abhängt.

Wenn diese Ruhe im Menschen entsteht, dann überträgt sich diese Ruhe auch auf die anderen Mitglieder der Familie, Freunde, Umgebung und auf die Gesellschaft.

Gott hat in die natürliche Veranlagung des Menschen die Suche nach dem Schöpfer gepflanzt, damit er instinktiv nach Gott sucht. Und obwohl die materielle Welt und deren glitzernden Äußerlichkeiten die Menschen von dieser wahren Natur entfernt und sie verstauben lässt,  kann dieses wahrhaftige Bedürfnis im Menschen jederzeit wieder zum Leben erweckt werden, und der Kontakt zu Gott wieder aufgebaut werden.

Viele Psychologen sind zu dem Entschluss gekommen, dass das Gebet und eine feste Bindung zu Gott Angst, Depressionen, Unruhe und Sorgen, die die Hauptursachen vieler psychischer Krankheiten sind, bekämpfen kann. So lesen wir im Koran:

„Diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe finden. Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!“[1]

Allah sagt im Koran in verschiedenen Versen, dass in der Gottes Liebe, Seinem Gedenken und in Seiner Anbetung, die Vernichtung der Sorgen und des Kummers liegen. In der Sure Yunus, Vers 62 sagt Gott:

„Sicherlich, über Allahs Gefolgsleute soll keine Furcht kommen, noch sollen sie traurig sein“[2]

Wenn man sich selbst also in seinen Gebeten von den Problemen des Lebens abwendet und nicht daran denkt, kann dies schon zur inneren Ruhe helfen.

Auf der anderen Seite sagt Gott denjenigen, die sich von Gott abwenden und sich nicht um Spiritualität und den Kontakt zum Schöpfer kümmert folgendes:

„Wer sich aber von Meiner Ermahnung abwendet, der wird ein beengtes Leben führen.“[3]

Wenn man sich die täglichen Gebete – welche der wichtigste Weg zur Gottes-Nähe und eine Säule des Glaubens ist – genauer anschaut, wird man die tiefen seelischen Auswirkungen darin entdecken. Die innigste Niederwerfung im Gebet vor Gott verleiht einem ein ruhiges Herz, seelische Sicherheit und psychische Gesundheit. Da der Mensch im Gebet mit seinem ganzen Wesen sich Gott zuwendet, vergisst er alle Sorgen und Probleme. Man denkt an nichts Anderes als Gott und die Verse, die man beim Gebet aufsagt.

Sobald der Betende das Gebet mit Ausruf„ Allah-u-Akbar“[4] beginnt, bekundet er, dass Gott das wahrhaftig große, und alles andere klein ist. Diejenigen, die mit ihrem Gebet zu Gott emporsteigen und die Größe der Liebe zu Gottes und des Segen Gottes sehen, befinden das weltliche als klein, und die falschen Machthaber erschienen ihnen als unwichtige Personen.

Jedes Mal, wenn wir beim Gebet sagen: „اهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ[5] bitten wir Gott, ER möge uns den rechten Weg zeigen. Zu den Eigenschaften des Menschen gehört unter anderem, dass er jede Minute eine neue Idee hat. Jedem wird eine Vielzahl von Wegen unterbreitet, und jede Schule leitet den Menschen auf einen bestimmten Weg. Wie kann man da, ohne göttliche Hilfe, den richtigen Weg finden? Und auch hierbei hilft uns das Gebet.

Der Prophet Mohammad (s.) sagte: „Das Gebet ist das Licht im Herzen des Betenden. Jeder kann sein Herz (mit dem Gebet) zum erleuchten bringen.

Das Gebet ist eine Bindung des Menschen an Gott, und der beste Weg, ihm seine Dankbarkeit zu zeigen. Das Gebet ist aber auch eine Art Medizin, die dem Menschen die Kraft gibt, sich den Schwierigkeiten des Lebens zu stellen. Je mehr wir uns ins strahlende Reich des Gebets begeben, werden wir eine umso tiefere Ruhe in uns selbst entdecken.

Das Gebet ist ein reines und inniges Gespräch mit Gott, dem Schöpfer der Welten, dem Weisen, Fähigen, Reinen und Geschickten. So ein weises und gerechtes Wesen ist natürlich nicht von den Taten seiner Geschöpfe abhängig. Es sind die Menschen, die von dieser übermenschlichen Kraft abhängig sind. Und wenn man mit dieser Quelle der Macht Kontakt aufnimmt, kann man sie nutzen. Der Kern des Gebets ist es, sich auf diese absolute Quelle der göttlichen Macht und Güte zu konzentrieren. Die wichtigste Auswirkung dieser Konzentration ist der Schutz vor dem Unreinen und die Beachtung der Tugenden. Gott sagt in der Sure Ankabut, im Vers 45:

„Wahrlich, das Gebet hält von schändlichen und abscheulichen Dingen ab.“[6]

Eine andere wichtige Auswirkung des Gebets ist es also, dass es den Menschen von Untugenden und schlechten Taten bewahrt. Wenn der Betende – mit seinem ganzen Wesen – vor Gott steht und IHN um Hilfe bittet, beeinflusst diese spirituelle Bindung das Herz und den Geist des Betenden. Diese Eigenschaften des Gebets bewahren den Menschen vor Sünden und Unreinheiten. Das Gebet hat eine hemmende Wirkung gegenüber dem Schlechten und fungiert wie ein innerer Polizist, der den Menschen daran hindert, falsches zu tun, und leitet ihn zu tugendhaften Taten. Der Prophet des Islams (s.) sagte: „Der Teufel fürchtet sich vor dem Gläubigen, solange er die Gebetszeiten beachtet. Doch sobald er die Gebetszeiten auf die leichte Schulter nimmt, schöpft der Teufel wieder Mut und wird ihn zu Sünden verführen.“

Imam Reza (a.) sagte über die Auswirkungen des Gebets auf den Geist und die Seele des Menschen: „Gebet und Gottes Gedenken zu Tag und zu Nacht bewirken, dass der Mensch seinen Schöpfer nicht vergisst, und verhindert, dass sein rebellischer Geist ihn überkommt.“

Mit dem Gebet nähert der Mensch sich seinem Schöpfer und entfacht in seinem Herzen das Feuer der Liebe zu Gott. Das rechtleitende Licht des Gebetes und seine Bedeutung, retten den Menschen von der Sinnlosigkeit und Leere, und zeigen ihm den Weg und das Ziel.

Die Augenblicke, in denen der Mensch vor der lauten und verführerischen Welt entflieht, und sich in die ruhige und spirituelle Sphäre des Gebetes begibt, betritt er einen reinen und lichtdurchfluteten Raum, der seinesgleichen sucht. Das Gebet ist der Dank gegenüber Gott und das Gedenken an seine himmlischen Eigenschaften. Wenn das Gebet mit Demut und Beachtung verrichtet wird, leitet es den Blick des Menschen zu all dem Schönen. Der Betende legt seine Stirn auf die Erde nieder und bekundet seine Dienerschaft vor Gott, und würdigt somit seine Erhabenheit und Größe.

Bitten wir Gott, dass wir dem Kontakt zu IHM würdig sind.



[1]  الَّذِينَ آمَنُوا وَتَطْمَئِنُّ قُلُوبُهُم بِذِكْرِ اللَّـهِ ۗ أَلَا بِذِكْرِ اللَّـهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ, ar-Ra´d, Vers 28

[2] أَلَا إِنَّ أَوْلِيَاءَ اللَّـهِ لَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ

[3] وَمَنْ أَعْرَضَ عَن ذِكْرِي فَإِنَّ لَهُ مَعِيشَةً ضَنكًا , Taha, Vers 124

[4] الله اکبر

[5] اهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ, al-Hamd, Vers 6

[6] إِنَّ الصَّلَاةَ تَنْهَىٰ عَنِ الْفَحْشَاءِ وَالْمُنكَرِ, al-Ankabut, Vers 45


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