Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188632
Datum der Veröffentlichung : 7/26/2017 11:45:00 AM
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Die Religiöse Lebensweise (8)


Freitagsansprache von 31.03.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Da die Religion in der Rechtsleitung des Menschen und der Gesellschaft großen Einfluss hat, werden auch die religiösen Lehren die Gedanken und Glauben derjenigen, die daran glauben, beeinflussen. Diese Lehren werden auch praktisch das Leben dieser Menschen verändern, und da die Gesellschaft von Individuen besteht und nicht abgesondert ist, wird dies unwillkürlich auch auf die Gesellschaft Einfluss ausüben. Es steht außer Frage, dass das Leben und die Ansichtsweise derjenigen, die an Gott glauben, sich von denjenigen, die nicht an Gott glauben, unterscheidet. Mit anderen Worten ist die fromme Lebensweise grundlegend von einer Lebensweise, die sich auf Leugnung, Unglaube, und Unreligiösität basiert verschieden. So gesehen bedeutet die religiöse Existenz ein Leben, basierend auf Glaube und religiöse Tatsachen. daher ist es notwendig, dass wir einige wichtige Punkte über den Glauben (ایمان)[1] und das darauf basierende Leben erwähnen.

Glaube und dessen Bedeutungen

Das Wort „ایمان“ leitet von „امن“ (Sicher) ab, und bedeutet Glaube[2], Zuneigen, Zugestehen[3], Unterwerfung und Sicherheit[4]. „Raghebe Esfehani“ schreibt über diesen Begriff: Glaube bedeutet die Annahme und das Zugeständnis der Wahrheit. Was verwirklicht dies in der Gesellschaft? Innerliches Zugestehen, wörtliche Bekundung und Handeln.[5]

Imam Ali stellt in seinen Reden die Wahrheit des Glaubens so vor: „ Ich fragte den Propheten: Was ist Glaube? Er sagte: Zugeständnis mit dem Herzen und Bekundung mit Worten und Handeln mit den Körperteilen.“[6] Diese Worte sind die Definition des Glaubens nach der Schariah (Islamischen Lehren). Der Glaube ist die innere Überzeugung, Bekundung und Befolgen der Lehren und Annahme der Schariah. Anders gesagt ist dieser Begriff der innere Glaube und Sicherheit, wonach auch gehandelt werden sollte. Wenn also der Glaube ohne geeignete Taten ist, kann er kein wahrer Glauben sein.

Gott sagt in diesem Zusammenhang in einem Koranvers:

لَّا تَجِدُ قَوْمًا يُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ يُوَادُّونَ مَنْ حَادَّ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ وَلَوْ كَانُوا آبَاءَهُمْ أَوْ أَبْنَاءَهُمْ أَوْ إِخْوَانَهُمْ أَوْ عَشِيرَتَهُمْ ۚ أُولَـٰئِكَ كَتَبَ فِي قُلُوبِهِمُ الْإِيمَانَ وَأَيَّدَهُم بِرُوحٍ مِّنْهُ ۖ وَيُدْخِلُهُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِي مِن تَحْتِهَا الْأَنْهَارُ خَالِدِينَ فِيهَا ۚ رَضِيَ اللَّـهُ عَنْهُمْ وَرَضُوا عَنْهُ ۚ أُولَـٰئِكَ حِزْبُ اللَّـهِ ۚ أَلَا إِنَّ حِزْبَ اللَّـهِ هُمُ الْمُفْلِحُونَ

Du wirst nicht feststellen, daß Leute, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben, denen Liebe zeigen, die sich Gott und seinem Gesandten widersetzen, auch wenn sie ihre Väter wären oder ihre Söhne, ihre Brüder oder ihre Sippenmitglieder. In deren Herzen hat Er den Glauben geschrieben und sie mit einem Geist von sich gestärkt. Er wird sie in Gärten eingehen lassen, unter denen Bäche fließen; darin werden sie ewig weilen. Gott hat Wohlgefallen an ihnen, und sie haben Wohlgefallen an Ihm. Sie sind die Partei Gottes. Siehe, die Partei Gottes sind die, denen es wohl ergeht.[7]

Aus diesem Grund sagt der Prophet dem „Abuzar“: „Abuzar! Nichts ist Gott lieber als der Glaube an ihm, und Distanzierung von dem, was er verboten hat.“[8] So ist es klar, dass die Grundlage des Glaubens die Nautr und das wahre Bedürfnis des Menschen ist – und nicht Angst und Unwissenheit. Der Glaube an Gott fürht zum inneren Frieden und Sicherheit. Gott sagt im Koran:

أَلا بِذِكْرِ اللَّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوب‏

ja, im Gedenken Gottes finden die Herzen Ruhe [9]

Also, wenn jemand sich von Gottes Gedanken entfernt, wird ein schweres Leben haben. Der Koran sagt:

وَمَنْ أَعْرَضَ عَن ذِكْرِي فَإِنَّ لَهُ مَعِيشَةً ضَنكًا

Und der, der sich von meiner Ermahnung abwendet, wird ein beengtes Leben führen.[10]

So ein Mensch wird schwierige Zeiten erleben. Aber ein von Glaube erfülltes Leben wird schön, heiter, motiviert, ruhig und mit Hoffnung auf das Leben sein. Der Glaube ist nämlich eine Stufe höher als der Islam gestellt. Obwohl sie nach Außen hin einhergehen, ist es jedoch im Inneren nicht so. „Sama´at bin Mihran“ überliefert von Imam Sadegh: „Ich sprach einmal Imam Sadegh an, und sagte: Offenbare mir die Wahrheit des Islams und des Glaubens. Sind sie unterschiedlich? Da sagte er: Der Glaube beinhaltet den Islam, doch der Islam beinhaltet nicht den Glauben. Ich bat ihn, es genauer zu erklären. Er sagte: Islam ist die Bekundung zur Einheit Gottes, die Prophetschaft Mohammeds (gegrüßet sei er) im Islam. Demzufolge wird das Blut eines Muslims gewahrt, und die Tradition der Eheschließung und der Erbschaft bestimmt. Die Masse befolgt nach außen hin nach den Regeln des Islams. Doch der Glaube bedeutet,wenn man den Weg zum Recht findet, und der Sinn des Islams sich im Herzen und Taten wiederspiegelt. Der Glaube ist eine Stufe höher als der Islam. Der Glaube geht mit dem äußeren Islam einher, doch der Islam ist mit dem inneren Glauben nicht auf einer Stufe, selbst wenn der Islam und der Glaube von der Definition her gleich sein sollten.“[11]

Wissenschaft und Glaube

Der Glaube, der in der religiösen Existenz erwähnt wird, entsteht mit Hilfe der Wissenschaft über die Kenntnisse der Zeichen Gottes. Denn diese Wissenschaft wird manchmal durch Erfahrungen erworben, manchmal durch Nachdenken und Begründung, und manchmal durch Beweise. Aus diesem Grund ruft der Koran auf, über die Koranverse bezüglich der Welt und der Menschen nachzudenken, und die Geschichte der Vorfahren zu studieren, um den Glauben zu festigen. Das alles bezeugt davon, dass die Wissenschaft und der Glaube eine enge Beziehung haben.

أَوَلَمْ يَتَفَكَّرُوا فِي أَنفُسِهِم ۗ مَّا خَلَقَ اللَّـهُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ وَمَا بَيْنَهُمَا إِلَّا بِالْحَقِّ وَأَجَلٍ مُّسَمًّى ۗ وَإِنَّ كَثِيرًا مِّنَ النَّاسِ بِلِقَاءِ رَبِّهِمْ لَكَافِرُونَ

Denken sie denn nicht in ihrem Inneren (darüber) nach? Allah hat die Himmel und die Erde und was dazwischen ist nur in Wahrheit und (auf) eine festgesetzte Frist erschaffen. Aber viele von den Menschen verleugnen fürwahr die Begegnung mit ihrem Herrn.[12]

Wenn man die Koranverse und die Überlieferungen genau studiert, wird man erkennen, dass Wissenschaft ohne Glauben wie eine Schneide in den Händen des Lebene ist, denn Glaube ohne Wissen führt zu Engstirnigkeit und Blindheit. Aber Glaube zusammen mit Wissen führt zum Wachstum und Blüte des Menschen. Denn Glaube und Wissen sind alte Freunde und leiten den Menschen zum Himmel und seinem Schöpfer. Imam Ali sagt in diesem Zusammenhang:

الْعَقْلُ خَلِيلُ الْمُؤْمِن

Das Wissen ist der Freund des Gläubigen.[13]

Dieser Punkt ist aus diesem Grund wichtig, weil die wichtigsten Philosophien der „Besat بعثت“ (Berufung zum Prophetenschaft) der Propheten – die auf Glauben basiert – die Blüte und der Ausbau des Wissens und die Nutzung dessen Mächte ist. „und sollen die verborgenen Fähigkeiten der Vernunft offenbaren“[14]

Vernunft und Glaube

Einer der von Islam angenommenen Tatsachen ist, dass zwischen der Vernunft und dem Glauben eine Einigkeit besteht. Daher steht es außer Frage, dass der Glaube ohne Vernunft zu Aberglaube, und und Vernunft ohne Glaube zu Nihilismus führt. Erst mit der Erleuchtung der Vernunft werden die Wege des Glaubens offenbart. Mit der Vernunft und Studium können Glaube, Religion und Achtung erzielt werden.

Dies wird durch die Worte Imam Alis, der besagt:

الدِّينُ وَ الْأَدَبُ نَتِيجَةُ الْعَقْل

Glaube und Höflichkeit sind das Resultat der Vernunft.[15]

bekräftigt. Weiterhin sagt er: Jeder, der drei Eigenschaften besitzt, dem ist sein Glaube vollkommen: Weisheit, Geduld und Wissen.[16] Daher sagt „Shahid Motahari“ über die Relation zwischen Glaube und Vernunft: Der Koran fordert niemals von dir, dass, wenn du Glauben gewinnen willst, du der Vernunft absagen sollst. Der Koran sieht in diesen beiden Theman keinen Widerspruch. Der Koran sagt nämlich: geh deiner eigenen Vernunft nach und beschreite auch den Weg der Reinigung der Seele. Durch diese beiden Wege wirst du zum Ziel gelangen.[17]

 

Schluss

Genauso wie zwischen „Wissenschaft, Vernunft und Glaube“ eine Verbindung besteht, so existiert auch zwischen „Glaube und Taten“ eine starke Bindung, denn zwischen Taten gehören zu den Werkzeugen des Glaubens. Im Koran wird in vielen Fällen Der Glaube zusammen mit guten Taten erwähnt:

إِلَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ

die glauben und die guten Werke tun[18]

Denn es sind die Taten der Menschen, die sie zur Ehre oder zur Erniedrigung führen. Daher setzt der Islam das Maßstab zur Annahme der Taten, den Glauben an die Tat, einhergehend mit reiner Absicht (نیت). Jede gute Tat, die nun aus der Sicht der islamischen Kultur, Lob für den Täter bringt, wird auch von der reichen Kultur des Korans gepriesen.

وَمَنْ أَرَادَ الْآخِرَةَ وَسَعَىٰ لَهَا سَعْيَهَا وَهُوَ مُؤْمِنٌ فَأُولَـٰئِكَ كَانَ سَعْيُهُم مَّشْكُورًا

Wer das Jenseits will und sich darum bemüht, wie es ihm zusteht, wobei er gläubig ist, - denen wird für ihr Bemühen gedankt.[19]



[1] Englisch „Faith“

[2] Azhari, Mohammad bin Ahmad, Tazhib al-Loghah, Band 15, S. 369 Beirut, Dar Ehia al-Tarth al-Arabia, 1. Auflage,Bita

[3] Farahidi, Khalil bin Ahmad, Ketab al-Ain, Band 8, S. 389, Qom, Hidschrat, 2. Auflage, Bita

[4] Ibn Assir, Dschazri, Mubarak bin Mohammad, Al-Nahayat fi Qarib al-Hadith val Asar, Band 1, S. 69, Qom, Esmaeilian Zeitschriftenverlag, 4. Auflage, 1367 nach dem iranischen Kalender

[5] Ragheb Esfehani, Hossein bin Mohammad, Moffaradat alfaz Qoran Karim, S. 50, Übersetz von Hossein Khodaparast, Qom, Navid Eslam, 2. Auflage, 1389 nach dem iranischen Kalender

[6] Toussi, Mohammad bin al-Hassan, al-Amali, S. 284, Überlieferung 551, Qom, Darol Thaqafah, 1. Auflage, 1414, nach dem Mondkalender

[7] Al-Mujadila, Vers 22

[8] Toussi, Mohammad bin Hassan, ebenda, S. 531, Überlieferung 1162

[9] Al-Ra´d, Vers 28

[10] Taha, Vers 124

[11] Kelini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 25 Überlieferung 1, Teheran, Darol Kotobe Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[12] Al-Rum, Vers 8

[13] Ibn Shaba Harani, Hassan Ibn Ali, Tahafol Oghoul, S. 203, Qom, Dschameeh Modarresin, 2. Auflage, 1404 nach dem Mondkaender

[14] Nahdschulbalqeh, 1, Predigt

[15] Tamimi, Amodi, Abdulvahad bin Mohammad, Ghararol Hekam va Dorarol Kalam, S. 816, Überlieferung 40, Darol Ketabe Islami, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[16] Ebenda, S. 330, Überlieferung 1

[17] Motahhari, Morteza, Gesammelte Werke (Kampf zwischen Gut und Böse, Natur, Monotheismus), Band 4, S. 524, Teheran – Qom,8. Auflage, 1377 nach dem iranischen Kalender)

[18] Ash-Shuara, Vers 227, Sad, Vers 24, al-Incheqaq, Vers 25, al-Tin, Vers 6, al-Asr, Vers 3

[19] Al-Isra, Vers 19


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